21. Mai 2020

Jess Rothenberg: The Kingdom [Rezension]

Verlag Friedrich Oetinger GmbH 2019, Hamburg. 336 Seiten. 20,00 Euro.
Original: „The Kingdom“, Henry Holt and Company 2019

Wie mich das Cover ansprang und ich auch den Inhalt genoss




Das erste Mal gesehen habe ich das Jugendbuch beim Oetingerstand auf der Frankfurter Buchmesse 2019. Das Cover sprang mich sofort an, denn es versprach eine Geschichte genau nach meinem Geschmack: dystopisch, mit Mensch-Maschine-Hybriden. Das Buch von Jess Rothenberg ließ sich gut runterlesen und hat einen spannenden Plot.

The Kingdom – Das Erwachen der Seele: Inhalt

Ana ist eine der sieben Prinzessinnen in The Kingdom, einem hochmodernen Vergnügungspark. Sie ist kein Mensch, sondern eine menschliche Maschine, genau wie die anderen Prinzessinnen und zahllose Tiere im Park. Sie verhalten sich wie echte Lebewesen und unterliegen ihrem jeweiligen Programm. Wahre Gefühle sind ihnen fremd. Oder?

The Kingdom Rezension: Meinung

Wie gesagt, ließ sich das Buch unfassbar schnell und gut lesen. Das Thema ist spannend – kann ein künstliches Lebewesen fühlen, lügen, planen? Besonders der Kniff direkt zu Anfang lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen: Ana steht vor Gericht, weil sie jemanden umgebracht haben soll. Nichtsdestotrotz konnte ich keine rechte Verbindung zu Ana aufbauen, deren Entwicklung noch drastischer hätte ausfallen können.

The Kingdom Plot

Jess Rothenberg hat eine schnelle Story geschrieben, die zwischen dem gegenwärtigen Gerichtsprozess und der Vergangenheit im Park hin- und herspringt. Besonders dieser Trick macht das Buch spannend: Hat diese Hybride wirklich jemanden umgebracht, wenn sie im Vergnügungspark die Reinheit schlechthin verkörpert? Auf der Plotebene trifft Ana den Wartungsarbeiter Owen, der ihr Einblicke in das Leben außerhalb des Parks gibt. Die Geschichte besteht daraus, dass Ana und der Leser immer mehr Informationen darüber erlangen, was wirklich hinter den Hybriden und dem Park steckt. Ich mag solche Geschichten, in denen es etwas aufzudecken gibt.

The Kingdom Figuren

Ana ist eine Hybride und kann angeblich nicht fühlen. Natürlich bekommt der Leser schnell den Eindruck, dass dem nicht so ist. Aus Anas Sicht entdeckt er die wundervolle Welt von The Kingdom, die in Wahrheit ganz anders ist. Doch obwohl man Mitleid mit der Prinzessin bekommt, konnte ich keine richtige Verbindung zu ihr aufbauen. Ich dachte, vielleicht liegt es daran, dass sie eben eine künstliche Intelligenz ist. Aber auch über den Rest des Buches kam sie meiner Meinung nach nicht über eine naive Persönlichkeit hinaus, die nur in wenigen Momenten die Situation lenkt.

Owen, der Wartungsarbeiter, den Ana immer besser kennenlernt, spielt die typische männliche Love-Interest-Rolle. Auch die anderen Figuren unterstützen das Buch in ihren Rollen, die sie selten bis nie verlassen. Das ist nicht überraschend, aber in Ordnung und treibt die Geschichte in die richtige Richtung.

The Kingdom Thema

Wie ihr wisst, liebe ich Dystopien und alles drum herum. Ein Buch aus der Sicht einer künstlichen Intelligenz entspricht genau meinem Geschmack. Die Szenen rund um die Gerichtsverhandlung liefern den richtigen Stoff um die Debatte Fühlen, Gehorchen, Persönlichkeit. Die Rückblicke in Anas Leben im Park unterstützen die Meinung dazu, dass sie durchaus in der Lage ist zu fühlen, zu entscheiden und zu lügen. Jedoch hätte ich mir noch ein paar mehr Situationen vorstellen können, in denen Ana und ihr Programm miteinander kämpfen. Sie tänzelt innerlich um die aufgestellten Regeln herum, eine wirkliche innere Zerrissenheit oder Auseinandersetzung findet nicht statt.

Zusammenfassung Rezension The Kingdom

Jess Rothenberg hat einen spannenden Plot ausgedacht, der mich ans Buch fesselte. Ich bin tagelang viel zu spät schlafen gegangen, weil ich weiterlesen musste. Ich musste wissen: Hat Anna gemordet? Kann sie wirklich fühlen? Was steckt hinter dem Vergnügungspark? Die Figuren haben mich nicht richtig in ihren Bann gezogen. Sie treiben die Handlung voran, aber besondere Sympathien oder gar eine Identifizierung mit jemandem gab es nicht. Trotzdem macht der Plot das Buch zu einem aufregenden Leseerlebnis, das Liebhaber von Jugendbüchern genießen werden.

3. Mai 2020

Leigh Bardugo: Six of Crows & Crooked Kingdom [Rezension]

Six of Crows, Indigo, 2015. Great Britain. 498 Seiten. £7,99
.
Crooked Kingdom, Hodder and Stroughton, 2016. Great Britain. 548 Seiten. £7,99.







Wie ich zwei neue Lieblingsbücher entdeckte

Das Lied der Krähen (Six of Crows) habe ich, glaube ich, 2016 das erste Mal in der Buchhandlung gesehen. Vom Klappentext her hat es mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe die englische Version dann nur gekauft, weil ich es auf Instagram gesehen habe. Und ich bin super froh, das gemacht zu haben! Das Gold der Krähen (Crooked Kingdom) habe ich ein Jahr nach dem ersten Teil gelesen und es hat mir sogar noch besser gefallen! Ich bin von beiden Büchern – Das Lied der Krähen und Das Gold der Krähentotal begeistert! Sie hängen zusammen wie eine lange Geschichte, sind nach dem zweiten aber zu Ende.


Das Lied der Krähen: Handlung


Kaz Brekker ist einer der gefürchtetsten Kleinkriminellen in Ketterdam, einer fiktiven Stadt in einer Welt, in der auch Magie eine Rolle spielt. Deswegen wird er engagiert, um einen Schwerverbrecher aus einem fernen Hochsicherheitsgefängnis zu befreien. Es winkt viel Geld, und so sucht Kaz sich fünf Verbündete, um diesen Job durchzuziehen. Der erweist sich als unfassbar kompliziert, und die sechs Jugendlichen verhalten sich untereinander auch nicht gerade zuvorkommend …

Das Lied der Krähen: Meinung


Wie bereits angeklungen: Ich bin total vernarrt in die beiden Bücher. Ich liebe das Setting, besonders im zweiten Teil, und ganz besonders liebe ich die Figuren: Leigh Bardugo zeichnet sechs sehr individuelle Charaktere mit spannenden Stärken und Schwächen. Die Perspektive wechselt zwischen ihnen hin und her und aus jeder Sichtweise ergibt alles Sinn und wirkt authentisch.

Handlung

Die sechs Figuren erleben ein unfassbares Abenteuer und planen einen verrückten Ein- und Ausbruch. Trotzdem kann man der Handlung folgen. Die Hauptfigur Kaz ist dafür bekannt, ausgefeilte, wenn auch riskante Pläne zu entwickeln. Und diese werden in die Tat umgesetzt. Dabei wird der Leser nicht immer in alles eingeweiht, was die bereits hohe Spannung noch einmal erhöht. Mehrfach dachte ich: Ach krass, wie gut! Nur gelegentlich kam den Figuren etwas Glück zugute, alles andere meistern sie mit ihren Fähigkeiten. Gleichzeitig geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen unter ihnen, die ihnen auf der einen Seite im Weg stehen, sie auf der anderen Seite aber auch nach vorne bringen.

Figuren

Die sechs Hauptfiguren sind alle sehr unterschiedlich und jede kämpft mit ihrer Vergangenheit. Die Geschichte spielt mit vielen Rückblenden, durch welche der Leser die Charaktere noch besser versteht. Leigh Bardugo schafft es, Zu- und Abneigungen plausibel und authentisch darzustellen. Die eine Figur mag die eine nicht und man sieht, warum nicht. Ein Switch zu ebendieser Figur lässt diese wieder ganz anders dastehen und man versteht seine Gründe. Dabei bleibt alles nachvollziehbar. Durch die Wechsel funktioniert die Geschichte phantastisch: Stärken und Schwächen treiben die Handlung an, Sichtweisen und Meinungen bringen dem Leser die Story näher.

Thema

Es geht hier vor allem um die Zusammenarbeit der sechs Figuren und ihre persönlichen Schicksale und Hoffnungen. Sie sind alle sehr unterschiedlich und werden durch das Leben zusammengeschweißt. Sie wachsen gemeinsam und ziehen waghalsige Pläne durch, um gemeinsam ihre Ziele zu erreichen. Sie alle bewegen sich nicht gerade auf der legalen Seite der Gesellschaft, aber man lernt sie kennen und lieben. Das Buch ist eine wundervolle Mischung aus ausgefeilten Charakteren, die sich entwickeln, und einer präzise durchdachten, spannenden Handlung.

Fazit Das Lied der Krähen und Das Gold der Krähen

Was soll ich noch sagen? Die beiden Bücher sind sofort in meine Top 10 Lieblingsbücher aufgestiegen. Ich finde die Figuren phantastisch und die Handlung hat mich mehrfach überrascht und überwältigt. Ich habe gelacht, geweint und mir vor Spannung auf die Lippe gebissen. Das Buch hat keine warnende Funktion wie Dystopien und will auch nicht sagen „Du kannst alles schaffen, egal, wie unbeliebt/schwach/etc. du bist!“. Eine richtige, deutliche Moral fehlt. Das tut dem Buch aber absolut keinen Abbruch, denn das, was da ist, ist meiner Meinung nach unfassbar gut umgesetzt und durchdacht!