Montag, 13. November 2017

Drei Lesetipps im November

Die drei Bücher, die ihr diesen Monat vorgeschlagen bekommt, habe ich in einer fast bücherlosen Männer-WG ohne jegliche Dekoration gefunden – sie müssen also irgendwie gut sein, weil sie noch nicht im Müll gelandet sind oder anderweitig missbraucht wurden ;-)



Max Brooks: Der Zombie Survival Guide
Wie überlebt man unter Zombies? Wer sich diese Frage schon immer gestellt hat oder einfach für den Ernstfall gerüstet sein möchte, sollte sich dieses Buch zulegen. Der humoristische Ratgeber erklärt alles, worauf es ankommt, wenn The Walking Dead kommen. Praktisch im Taschenbuchformat zum in jede Apokalypse mitnehmen. 

Hilary Norman: Shimmer
Hierbei handelt es sich um den dritten Thriller-Titel rund um den Polizisten Sam Becket. Während er den Täter mehrerer grausamer Morde jagt, gerät seine Familie in Gefahr. Er muss nicht nur einen Mörder finden, den niemand gesehen hat, sondern auch seinen Sohn retten. Ein Thriller für zwischendurch zum Runterlesen.

Philip K. Dick: Blade Runner
Ja, auch dieser Science-Fiction-Klassiker beruht auf einem Buch. Erstmals unter dem Titel Träumen Andrioiden von elektrischen Schafen? veröffentlicht, spielt die Story in einer Zukunft, in der Androide unter den Menschen leben. Diese Androide werden als Gefahr angesehen und müssen eliminiert werden. Doch wer ist Mensch und wer nicht? Und wer verdient es, Mensch genannt zu werden? Ein Roman um Ethik in der Technik.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Drei Lesetipps im Oktober

Die drei Oktober-Lesetipps stammen von meiner Tante und sind alle von einer Autorin, die sie empfehlen möchte: Dora Heldt. Wer die Bücher noch nicht oder nur teilweise kennt, findet hier ja vielleicht neuen Lesestoff :-)



Böse Leute
In diesem Krimi steht die Polizei bei einer Reihe Einbrüchen ratlos da. Alleinstehende, ältere Damen werden beklaut. Karl Sönnigsen, gerade aus dem Kommisariat in Rente gegangen, möchte helfen. Als die Polizei ihn nicht lässt, stellt er eben mit drei Freunden ein eigenes Ermittlerteam zusammen. Die vier Rentner machen auf ihre Art schon bald erste Entdeckungen.

Kein Wort zu Papa
Eine Pension zu leiten, das kann nicht so schwer sein. Als Christine jedoch für ein paar Tage für ihre Freundin Marleen einspringt wird schnell klar: Doch, das kann es. Schon bald herrscht Chaos in der Norderneyer Pension und dann stehen mit einem Mal Christines Eltern vor der Tür. Und was macht Marleen eigentlich so lange in Dubai?

Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt
Doris wird 50. Und als sie von der geplanten Party ihres Mannes für sie erfährt, schnappt sie sich kurzerhand zwei Schulfreundinnen und fährt mit ihnen in ein Wellnesshotel. Aber auch vor den Saunatüren machen die Probleme, Ängste und Sorgen nicht halt. Die drei Freundinnen geraten aneinander und ein Geheimnis wird gelüftet.


Samstag, 28. Oktober 2017

FBM17: Jessys Buchmesse

Oktober-Special

Ich war dieses Jahr natürlich auch auf der Buchmesse – das lasse ich mir doch ungern nehmen ;-) Es war jedoch ein etwas merkwürdiges Jahr, wie ihr wisst. Auch ich selbst war an meinem ersten Tag, dem Freitag, irgendwie durcheinander und habe mich, eigentlich untypisch für mich, mehrfach in Halle 3.0 verlaufen :-D Da bin ich frustriert erst Mal in Halle 3.1 hoch zu meinen ehemaligen Kollegen und direkt rein in den Hintergrund eines Videodrehs bestimmter politisch geneigter Menschen.
Eine Buchmesse ist nicht der Ort für radikale Hetze oder körperliche Auseinandersetzungen. Diesen Ort gibt es davon abgesehen auch nirgendwo anders. Punkt. Öffentliche Meinungsäußerung ist eine andere Frage, Meinungsfreiheit kann eben niemanden ausschließen, aber vieles sprengte den Rahmen der guten Erziehung.
Darüber muss und will ich hier aber nicht diskutieren, auch wenn eine Nicht-Erwähnung mir falsch vorkam.

Kommen wir zu meinen Messeeindrücken, und die gebe ich euch in Fotos :-)

Ahh, das Messegelände! Mit seinen Hallen (ja, natürlich trieb ich mich weitestgehend in Halle 3 und 4 rum), seinen vielen verkleideten Cosplayern und diesen wunderbaren Personenbeförderungsbändern :-D
Als ich mal eben beim Schicksalsberg vorbeigelaufen bin, traf ich auch gute alte Bekannte.





In Halle 3.0 wäre ich fast an Ursula Poznanski vorbeigerauscht, die gerade ein Interview zu ihrem neuen Buch mit Arno Strobel gab. Die beiden zusammen habe ich noch nicht gelesen, aber Poznanskis Bücher liebe ich sehr! Außerdem ist sie eine sehr sympathische und nahbare Autorin, deren Interviews man sich sehr gut anhören kann.






Bei Paul Maars Lesung aus seinem neuen Buch Das Sams feiert Weihnachten schickte der Autor mich auf eine Reise in meine Kindheit. Der fast 80-Jährige Kinderbuch-Erträumer konnte mich mit seiner Stimme und den liebevollen Witzen im Buch direkt ins Sams-Universum zurückholen. Seitdem warte ich wieder darauf, dass Sonntags die Sonne scheint, Montags Herr Mohn kommt ... ihr wisst, was ich meine. Besonders schön auch die Glückwunsch-Aktion vom Oetinger-Verlag.




Ganz besonders bewegt haben mich die Reden von Margaret Atwood und ihrer Laudatorin Eva Menasse anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Bücher und Kunst im Allgemeinen sind wichtig, sie sind Meinungsbilder und -überbringer, sie eröffnen Autor und Leser die Möglichkeit, sich mitzuteilen und zu verstehen, Perspektiven einzunehmen und Intentionen auf die Realität zu übertragen. Bald könnt ihr die Reden auf friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de nachlesen.




Den Gastland-Pavillon habe ich wie jedes Jahr nur kurz besuchen können. Ich glaube, wenn man sich mehr Zeit dafür nimmt, kann man das lesende Frankreich und jedes andere Gastland ganz wunderbar näher kennenlernen. So konnte ich nur Details wahrnehmen.


Und dann bin ich noch zufällig in Udo Lindenbergs Show geraten, für die ich dann unbedingt stehenbleiben musste. Eigentlich war ich schon auf dem Weg von der Messe, aber für diesen Künstler gebe ich gerne meine Zeit. Einfach cool, würde ich sagen ;-)


















Aber das Beste an Frankfurt an sich waren natürlich die Menschen, die ich wiedergesehen habe :-) 

Instagram:@library_of_imaginations und @sarahfriedz

Wie war eure Messe? Was hat euch gefallen? Und geht ihr nächstes Jahr wieder? Oder dann zum ersten Mal? 


Mittwoch, 27. September 2017

Drei Lesetipps im September

Diesen Monat kommen die Lesetipps von einer lieben Freundin, mit der ich Literatur studiert habe. Sie liest also sehr gerne und weiß, wovon sie spricht ;-)


Robert Galbraith: Die Ernte des Bösen

Als Erstes ein gut bekannter Autor ;-)
Mit dem ersten Band Der Ruf des Kuckucks gingen die Fälle des Privatdetektivs Cormoran Strike los.
Dieses Buch hier ist der dritte Band um den ehemaligen Soldaten und wer den ersten Teil mochte, bekommt hier von meiner Freundin empfohlen, weiterzulesen. Gemeinsam mit Sekretärin Robin versucht er, das Rätsel um ein abgetrenntes Bein in einem Paket zu lösen. Dabei kann er sich nicht mehr auf die Hilfe der Polizei verlassen und muss auf eigene Faust losziehen.



Andreas Ezquierdo: Das Glücksbüro

Albert Glück ist glücklich. Sein Leben ist genau so, wie er es haben möchte: durchgeplant und berechenbar, ganz wie seine Arbeit. Im Büro bearbeitet er Anträge und fühlt sich wohl. Bis ein Schreiben eintrifft, mit dem er nichts anzufangen weiß. Was tun mit einem Fall, der nicht im Handbuch beschrieben steht? Und was tun mit dieser Frau, die ihm den Antrag immer wieder schickt?









Mark T. Sullivan: Panic

Hirschjagd in Kanada – für manch einen ein Hobby. Acht zahlende Gäste machen sich auf die Jagd nach dem Großwild, aber es dauert nicht lange, bis sie zu den Gejagten werden. Abgeschnitten von der Zivilisation bekommen sie es mit einem unheimlichen Gegner zu tun. Diana, die einzige Frau unter den acht Jägern, glaubt zu ahnen, was der Täter plant.



Vielleicht ist ja etwas für den ein oder anderen dabei :-)

Montag, 25. September 2017

Zitat zum Wochenstart

HBO Game of Thrones, an adaptation of George R.R. Martin's A Song of Ice and Fire
Das wirkt gar nicht wie die schlechteste Idee.
Ich starte in die erste Woche nach meinem irren Game of Thrones Binge Watching – 67 Episoden in 23 Tagen :-D Und jetzt habe ich einen Serien-Hangover.
Ich wünsche euch eine schöne neue Woche, möglichst ohne Story-Hangover. Wobei das ja nicht das schlimmste Gefühl ist ;-)

Dienstag, 19. September 2017

Amy Ewing: Das Juwel – Der schwarze Schlüssel

Dritter Teil der Juwel-Reihe – enthält Spoiler zu den ersten beiden Bänden
Zum ersten Teil: Das Juwel – Die Gabe
Zum zweiten Teil: Das Juwel – Die Weiße Rose






Wie ich nicht überrascht war

Handlung

In den Anstalten werden die letzten Mädchen als Paladininnen rekrutiert. Violet und ihre Verbündeten bereiten einen Angriff auf das Juwel und den Adel vor. Doch dass Hazel von der Herzogin gefangen gehalten wird, lässt Violet nicht schlafen, und so macht sie sich auf den Weg zurück in die Stadt. Dort erwartet sie das luxuriöse Adelsleben, während immer neue Nachrichten von Anschlägen zu ihr dringen. Sie plant, Hazel zu befreien und dann mit ihren Verbündeten die Stadtmitte am Auktionstag anzugreifen.

Meinung

Das fulminante Finale der Juwel-Trilogie schließt die Geschichte um Violet und Paladininnen actionreich ab. Fast direkt zu Anfang kehrt Violet zurück ins Juwel – was mir sehr gut gefallen hat. Ansonsten endet dieser dritte Band ganz typisch für eine Dystopie: Mit dem aufregenden Angriff der Rebellen.

Die Handlung nimmt im Gegensatz zum zweiten Teil wieder an Fahrt auf. So schön es draußen in der Weißen Rose umgeben von Natur auch ist, so wenig spannende Handlung gab es dort. Deswegen bringt Violets Aufbruch zurück ins Juwel wieder Fahrt in die Story. Der Leser begleitet sie bei gefährlichen Aktionen auf der Suche nach ihrer Schwester, Geheimtreffen mit Lucien und Kontaktaufnahme mit ihren Verbündeten. Der Kampf gegen den Adel spitzt sich zu und alles läuft auf ein spektakuläres Ende hinaus. Am Spannungsbogen habe ich nichts auszusetzen.

Die Figuren sind die altbekannten. Keiner von ihnen zeigt sich überraschend vielseitig, allerdings ist es der Story und dem Genre geschuldet, dass die Geschichte eher actiondriven und handlungsbetont ist.

Die Wendung um die Paladininnen im zweiten Teil hat mich überrascht und irritiert. Im dritten Teil gewöhnt man sich an die plötzliche Hinwendung zur Natur und die magischen Kräfte der Mädchen. Auch wenn sie mir immer noch irgendwie fehl am Platze vorkommen.

Der dritte Teil ist also wieder spannend und spielt im Juwel. Ansonsten habe ich ein paar Wow-Effekte vermisst oder total überraschende, weltverändernde (zumindest die Welt im Buch) Entdeckungen.

Das Juwel – Der schwarze Schlüssel ist ein angemessenes Finale. Wer die zwei vorigen Bände mochte, kann sich den dritten nicht entgehen lassen. Und auch wer, wie ich, vom zweiten Teil nicht ganz überzeugt war, kann sich auf einen dritten freuen, der dem ersten in Spannung und Handlung wieder gleichkommt.
 

Freitag, 1. September 2017

Zurück nach Hogwarts

September-Special

1. September 2017
Zum Abreisetag ein paar zusammengestümperte Zeilen, eine Hymne auf die Schule für Hexerei und Zauberei! Das Reimschema ist etwas inkonsequent und Duktus sowie Metrik sind an manchen Stellen etwas holprig, ich weiß. Dafür steckt viel Liebe drin ;-)

Im September geht es los,
die Freude, die ist Grawpy-groß!
Der Hogwarts Express wartet schon
auf ein jedes Zaub’rers Sohn.

Und auf begabte Muggeltöchter.
Hexen, Zauberer jeder Art,
kommt ihr heute nach King’s Cross –
von 9 ¾ geht die Fahrt.

Habt ihr eure Bücher alle,
Kessel, Besen, Drachengalle,
paar Nickel für den Honigtopf?
Keine Angst vor Nicholas Kopf?

Mit Wutschen und Wedeln
wird es gemacht!
Lernen kann Spaß machen,
wer hätt’s gedacht?

Seid ihr gut in Kräuterkunde,
ist der Zaubertrank euch wichtig?
Pflegt ihr gern dreiköpf’ge Hunde,
verteidigt ihr euch auch schon richtig?

Beim Quidditch zeigen alle Spieler,
wie sie auf dem Besen fliegen.
Klatscher, Quaffel, Sportart vieler.
Mit dem Schnatz kann man leicht siegen.

Der dunkle Wald ist euch verboten:
Zentauren, Spinnen, Kriechgetier.
Mit Sauhund Fang auf leisen Pfoten
schaut Hagrid nach dem Rechten hier.

Geheimnisse an jeder Ecke:
Raum der Wünsche, tiefer See,
peitschende Bäume, hoher Turm,
Prophezeiungen im Tee.

Hast du etwas auf dem Herzen,
kommt jede Hilfe fast zu spät,
bereitet etwas dir gar Schmerzen?
Frage Dumbledores Porträt!

Aus der Asche steigt der Phönix.
Wer das Blut des Einhorns trinkt,
den jagt er gnadenlos hinfort,
bis das dunkle Mal versinkt.

Am Ende eines jeden Jahres
tagt der Kampf gegen das Böse.
Mutig zieh’n wir in die Schlacht,
dass der Zauber sich dann löse.

Freunde, Liebe, das vereint.
Gemeinsam haben wir die Macht.
Auch wenn zu das Dunkle zu groß scheint,
kommt das Licht nach jeder Nacht.

Du lehrst uns alles, was wir brauchen,
in magische Welten abzutauchen.
Oh, geflügeltes Warzenschwein!
Bei dir könn‘ wir zuhause sein.

Heute, genau dieses Jahr, ist übrigens Albus Severus Potters erster Schultag :-)



Dienstag, 29. August 2017

Drei Lesetipps im August

Im August geht es um drei Kinderbücher, die sich genauso für Erwachsene eignen und die Phantasie anregen. Vielleicht ist ja was für euch dabei :-)

Michael Ende: Momo

Ich habe Momo erst letztes Jahr gelesen und ich bin begeistert! 
In einer Stadt erscheint die kleine Momo. Sie wohnt friedlich am Stadtrand und spielt mit den Kindern, die Erwachsenen fragen sie um Rat und alle leben fröhlich miteinander. Bis die Grauen Herren kommen, die die Stadtbewohner überreden, Zeit zu sparen. Immer mehr Zeit wird gespart und niemand hat mehr welche. Kann Momo den Bewohnern helfen und ihnen wieder zeigen, wie wertvoll gemeinsam verbrachte Zeit ist?
Das Buch ist sehr liebevoll geschrieben und stimmt junge und besonders alte Leser nachdenklich. Jeder sollte einmal überdenken, ob er nicht manchmal zuviel Zeit spart ;-)

Tahereh Mafi: Furthermore

Dieses Buch ist eine wundervolle Geschichte über ein Mädchen, das ihre eigenen Stärken verleugnet und nichts lieber will, als wie alle anderen zu sein.
In einer kunterbunten Welt ist Alice die einzige, die vollkommen weiß ist. Sie fühlt sich als Außenseiter und das wird nicht besser, als sie ihre Aufnahmeprüfung in die Gesellschaft verpatzt. Traurig und allein willigt sie ein, Oliver bei seiner Prüfung zu helfen. Das führt die beiden ins sagenhafte Land Furthermore, in dem sie nicht wissen, wem sie trauen können.
Nach und nach lernt Alice, dass sie anders und trotzdem anerkannt sein kann, eben besonders.

Neil Gaiman: Coraline

Ein durchdachtes Kinderbuch mit kleinem Gruselfaktor. Coraline zieht mit ihren Eltern in ein neues Haus. Schon bald entdeckt sie einen Geheimgang, der zu einer anderen Mutter und einem anderen Vater führt. Die beiden sind viel lieber als die anderen, verbieten nichts und sind immer fröhlich. Coraline könnte bei ihnen bleiben. Wenn sie wie die beiden in Zukunft mit Knöpfen anstelle der Augen leben würde.
Eine Geschichte über Familie und die Sorgen und Ängste von Kindern und Eltern. 


Sonntag, 27. August 2017

Spoiler: Ursula Poznanski: Aquila

Loewe Verlag 2017

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Worüber ich ja nicht hinwegkomme: Wer – zwischen 19 und 35 – weiß denn nicht, woher „With the lights out it’s less dangerous“ herkommt? Gut, vielleicht bin ich nicht der richtige Maßstab. Aber das weiß man doch?

Here we are now, entertain us! Entertained wurde ich wirklich gut. Es war mal wieder dieser Effekt, bei dem man nach der Hälfte des Buches nicht genau weiß, was eigentlich bisher nochmal genau passiert ist, das all die Seiten gefüllt hat. Aber man hat sie trotzdem durchgelesen wie nichts.

It’s fun to lose and to pretend. Ich habe Lennard ja noch einiges mehr Dreckiges zugetraut und war gegen Ende auch überzeugt davon. Als Nika meinte, sie habe ZWEI Namen in ihrer Liste notiert, Gloria und noch einen, dachte ich, beim Spiegel des Löwen handele es sich um den Spiegel von Lennard, abgeleitet von Leonard, Leo, Löwe. Witzigerweise habe ich, als Stefano von seinen Geschwistern sprach, noch gedacht, dass Natale ein merkwürdiger Name sei und doch Geburt heiße. Auf Weihnachten ist mein Gehirn aber nicht gekommen. Nun ja.

A mulatto, an Albino, a mosquito, my libido. Alles wurde hervorgerufen von einer – ja – verrückten jungen Frau. Einer eifersüchtigen, skrupellosen Jenny. Ich weiß nicht, ob mich das zufrieden stellt. Vielleicht würde ich mich leichter damit tun, wenn noch herausgekommen wäre, dass sie irgendeine psychische Störung hat. Sie war ja nicht so lange mit Lennard zusammen und kannte die Frau auch gar nicht, mit der Lennard vermeintlich unterwegs gewesen war.

Wie hat euch das Buch gefallen?

Ursula Poznanski: Aquila

Loewe Verlag 2017

Wie ich mal wieder ein Buch in zwei Tagen durchgelesen habe
Zugegeben, ich hatte Urlaub.





Handlung

Nika wacht in ihrem Bett auf, in dreckigen Klamotten, mit Kopfwunde und ohne Erinnerung an die letzten zweieinhalb Tage. Was ist passiert? Wo ist ihr Handy? Und was bedeuten diese kryptischen Sätze auf dem Pizza-Flyer in ihrer Hosentasche? Auf der Jagd nach ihren Erinnerungen wird Nika selbst zur Gejagten. Kann sie sich selbst noch trauen, wenn sie nicht weiß, was sie tatsächlich getan hat?

Meinung

Ursula Poznanski hat mich mal wieder ans Buch gefesselt. Die spannende Geschichte, der rasante und flüssige Schreibstil und vielen Andeutungen und Rätsel im Buch ließen mich Seite um Seite umblättern. Ich habe aber von der Autorin auch nichts anderes erwartet ;-)

Die Handlung ist rasant, aufregend und spannend. Der Gedächtnisverlust und die Suche nach den Geschehnissen der letzten Tage bringen von vorn herein einen Spannungsbogen in die Geschichte, der von Kapitel zu Kapitel steigt. Neue Erkenntnisse und Wendungen bringen die Hauptfigur und den Leser auf immer neue Gedanken und die Spekulationen in immer neue Richtungen. Die Kulisse der italienischen Stadt Siena, in der Nika ein Semester verbringt, gibt zusätzlichen Pepp und erinnert vage an andere Jagden nach dunklen Geheimnissen quer durch Italien. Dadurch wird eine mystische Stimmung erzeugt. Der Plot ist getrieben von der Suche nach der Erinnerung und den Merkwürdigkeiten, die Nika unterwegs begegnen, wie gruselige Verfolger, Fremde, die mehr wissen als sie selbst, und schockierende Fotos von Nika selbst.

Nika selbst lernt der Leser durch ihre Taten kennen. Zwar gibt die Autorin Informationen zu deren liebevollen Mutter, dem anstrengenden Stiefvater und dem wenig enthusiastischen Studium der Kunstgeschichte. Doch davon abgesehen begleitet der Leser die 19-Jährige auf ihrer Suche. Nika ist verwirrt und ein wenig verloren in der fremden Stadt. Davon lässt sie sich aber nicht aufhalten und geht auf eigene Faust ihren Eingebungen nach. Sie ist mutig und etwas unüberlegt.

Die anderen Figuren helfen ihr oder stellen sich ihr in den Weg. Aber wem Nika wirklich trauen kann, muss sich noch zeigen. Die Figuren erfüllen ihre Funktionen als Freunde und Feinde und als potentielle Gefahren, die wissen, was in den letzten Tagen tatsächlich passiert ist. Ein wenig mehr Tiefe in den Charakteren wäre okay gewesen, aber notwendig ist sie auch nicht.

Nachdem Erebos, Layers und Elanus sich mit aktuellen technischen Entwicklungen beschäftigt haben, ist das Thema in Aquila schwieriger zu fassen. Vor allem, ohne etwas vorwegzunehmen. Die aufgebaute Spannung aber und die gruselig-mystische Jagd quer durch Siena reichen völlig aus, diesem Buch 4,5 von 5 Seifenblasen zu geben! Aquila ist ein rasanter Page-Turner wie Poznanski sie von jeher schreibt.

Insgesamt liegt die Stärke dieses Buches also im schnell steigenden Spannungsbogen. Ich konnte es nicht weglegen, ich musste wissen, wie es weiter geht! Wer einen actionreichen Plot mag, ist hier genau richtig.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

Freitag, 25. August 2017

Dystopie – der schreckliche Nicht-Ort

August-Special

Das Ganze ist etwas theoretisch geworden, sorry … :-D

Ich liebe Dystopien. Was das über mich aussagt, weiß ich nicht, aber ich kann nicht die einzige sein bei den vielen Anti-Utopien in den Buchhandlungen. Besonders im Young-Adult-Bereich schlugen sie in den letzten Jahren ein (Panem, Maze Runner, Die Verratenen, Divergent) und es werden auch weiterhin einige veröffentlicht (Das Juwel, Mind Games, Red Queen). Die Erwachsenen-Dystopien reihen sich viel bei den Klassikern ein, 1984, Fahrenheit 451, Make Room! Make Room!. Wenn mir jemand neue empfehlen kann, freue ich mich sehr :-) (The Circle mochte ich übrigens nicht :-D)

Was ist eine Dystopie? In der Uni habe ich mich damit beschäftigt und gebe euch hier kleine Auszüge aus einer Arbeit von mir:

Die Dystopie als literarische Gattung bezeichnet im Allgemeinen eine im Vergleich zur realen Wirklichkeit des Autors negative Zukunftsvorstellung, die in Form eines literarischen Textes ausgestaltet wird. Seinen Ursprung hat diese Art Literatur schon sehr früh in der Utopie, welche einen positiveren Weltentwurf im Vergleich zur Gegenwart der Entstehungszeit aufzeigt. (Morus' Utopia habe ich auch gelesen, interessant aber ohne Spannungsbogen :-P) Sie sind „Idealbilder der Zukunft“ (Meyer 2001: 18), entworfen zum Beispiel von den „alten Utopisten bis Karl Marx“ (Meyer 2001: 18) und sogar Platon (vgl. Zeißler 2008: 15) in seiner Politeia. In ihnen wird dargelegt, „wie schön es sein könnte, wenn alle Menschen den trefflichen Vorschlägen folgten“ (Meyer 2001: 18).

Der positiven Utopie wird die negative Dystopie entgegengesetzt. Stephan Meyer bezeichnet sie als Anti-Utopie, die „zunächst als literarische Utopie-Kritik definiert“ (Meyer 2001: 12) wurde und somit aus den Utopien heraus entstand. Als selbstständiger Genrezweig setzte die Dystopie sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch (vgl. Meyer 2001: 12; Claeys 2011: 175).

Das Wort Dystopie ist abgeleitet von der Utopie (griechisch), was in etwa Nicht-Ort bedeutet.  Die Vorsilbe dys drückt das Gegenteil aus. Eine Dystopie ist also das Gegenteil von einem positiven, nicht zu verwirklichenden Ort: Ein negativer Ort, der nicht existiert.

Was mag ich daran? Es sind die Themen, die mich faszinieren. Die Gesellschaftskritik, den Kampf um Freiheit und Individualität, den Einsatz des eigenen Lebens für eine bessere Welt. Das übergeordnete Ziel, das der Leser mit den Figuren versucht zu erreichen, entgegen den allumfassenden Ungerechtigkeiten. Die Figuren, die für Menschlichkeit kämpfen und gegen gesellschaftliche und regimebedingte Regelungen und Systeme.
Dabei gibt es einige Dinge, die sich in allen Dystopien ähneln.

Literarisch gesehen zeigen sie die negativen Tendenzen der Realität auf, in der sie entstehen, und rufen durch die Narration „die Illusion des Wirklichen und ‚Wahrscheinlichen‘“ (Seeber 2003: 70) hervor. Aufgrund des Vorschlags für eine Verbesserung der realen Gegebenheiten situieren die Autoren ihren Inhalt häufig in der Zukunft: „Die Utopie entwirft ein Gesellschaftsmodell, welches […] die negativen Merkmale in grotesker Weise in die Zukunft verlängert, um so vor gegenwärtigen Tendenzen zu warnen (Anti-Utopie)“ (Meyer 2001: 40). (Mir fällt gerade auch gar keine ein, die nicht wenigstens ein bisschen in der Zukunft spielt. Außer vielleicht The Circle. Aber das mochte ich ja nicht :-D)


Es werden bestimmte Gesellschaftszustände beschrieben, um den dystopischen, den  negativen Charakter der Texte zu verdeutlichen. „Dafür eignen sich Endzustände politisch-sozialer Art, wie sie auf einer hoffnungslos übervölkerten, ausgebeuteten und verwüsteten Erde herrschen mögen: der perfekt gewordene Polizeistaat“ (Lübbe 1987: 88). (Man denke nur an den „Klassiker“ Panem und die Friedenswächter, an die Salvatoren an den Handgelenken der Studenten in der Eleria-Trilogie und die vermeintlichen Spiegel in jeder Wohnung in 1984.) Es scheint um eine Umgebung und Lebenssituation zu gehen, die das alltägliche Leben mindestens unangenehm, wenn nicht fast unmöglich gestaltet. Gleichzeitig werden die Menschen von einer wie auch immer gearteten Polizei überwacht. Dies ist ein „Dauerzustand“ (ebd.), also zumindest zu Anfang der Erzählung nicht als veränderbar dargestellt. Neben den Grausamkeiten, die Menschen sich gegenseitig beibringen können, spricht Meyer auch „von der Bedrohung der gesamten Menschheit durch die Objekte, die der Mensch selbst schafft […] den Roboter und die Atombombe“ (Meyer 2001: 14). (Wie in Asimovs Roboter-Geschichten, teilweise aufgegriffen und verfilmt in I, Robot).

Kontrolle, sowohl der Natur als auch durch eine Polizei, spielt also eine wichtige Rolle. Um diese zu behalten, arbeitet die utopische beziehungsweise dystopische Literatur mit begrenzten Räumen, zum Beispiel einer Insel, die von Einflüssen abgeschirmt ist (vgl. Meyer 2001: 34). (Die Einteilung in Distrikte in Panem oder in Fraktionen bei Die Bestimmung.) Die Science Fiction bietet weitere Möglichkeiten wie neu erkundete Teile des Weltraums (vgl. Claeys 2011: 187). (Wie in der typischen Science Fiction á la Star Trek oder auch in Godspeed von Beth Ravis, in dem die Hauptfigur sich in einer komplett neugestalteten Gesellschaft auf einem Raumschiff wiederfindet.)


Die Menschen selbst sind eingeteilt in Klassen oder Stände. „Die jeweilige Gesellschaftsstruktur ist also bestimmt durch eine starre Gliederung in gesellschaftliche Gruppen mit einer jeweils genau definierten sozialen Funktion“ (Meyer 2001: 61). Individualität und ein freier Wille sind in dystopischen Texten unterdrückt (vgl. Chilese, Preusser 2013: 12). „Der Staat handelt und das Individuum bleibt mit seinen Möglichkeiten hinter dem Anspruch der Theorie zurück“ (Greschonig 2005: 193).
(Zum Beispiel die Regulierung der Emotionen in Teri Terrys Gelöscht oder auch in der Unterdrückung romantischer Gefühle in Delirium von Lauren Oliver. Natürlich auch automatisch in der Begrenzung der Lebensräume wie in The Maze Runner von James Dashner, einer fehlenden Ausbildung und Ausmerzung selbstständigen Denkens wie in George Orwells 1984.)

Innerhalb der Handlung der literarischen Dystopien stellen die Autoren dem totalitären System häufig Charaktere entgegen, die sich im Laufe der Erzählung gegen dieses auflehnen. „Die Autoren des anti-utopischen Romans brauchen also die Figur des Außenseiters, um ihre Kritik an der von ihnen selbst entworfenen Gesellschaft sichtbar zu machen“ (Meyer 2001: 125). Der Außenseiter sieht sich dem Staat gegenüber gestellt, ist als Individuum ein Gegner dessen und ist sich darüber im Klaren (vgl. Meyer 2001: 125f). Es ginge um eine Erzählfigur, „die allmählich ihre Individualität, Phantasie und Persönlichkeit gewinnt, um damit in offenen Gegensatz zum herrschenden System zu geraten“ (Meyer 2001: 15). (Meine All-Time-Favorite Katniss Everdeen, die allerdings erst überzeugt werden muss, neben Guy Montag aus Fahrenheit 451 von Ray Bradbury und Eleria aus der gleichnamigen Trilogie.)


Wahrscheinlich lassen sich solch pauschale Aussagen nicht auf jede Dystopie zu einhundert Prozent anwenden. Aber ich erkenne auf jeden Fall die Gemeinsamkeiten der Bücher, die ich so gerne lese. Welches ist meine Lieblingsdystopie? Puh, sehr schwierig zu sagen. Ich finde, die klassischen und die modernen YA-Anti-Utopien unterscheiden sich schon sehr in ihrer Sprache, ihrer Erzählweise, den Figuren, dem Ausgang und natürlich auch der technischen Entwicklungen in der Geschichte. Die etwas älteren Geschichten sind faszinierend, weil man feststellt (wie überall in der Kunst), dass die Menschen sich „damals“ schon dieselben Gedanken gemacht haben. Und dass die negativen Zukunftsvorstellungen tatsächlich immer weiter in den Bereich des Möglichen rutschen. Man schaue sich Systeme und Länder an, die sich auf gutem Weg in den Totalitarismus befinden, die zensieren und totschweigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen und sich von anderen Ländern abschotten. Dystopien sind und bleiben aktuell.

Okay, meine Lieblingsdystopie … ich denke die Eleria-Trilogie von Ursula Poznanski. Aber ich mag viele gerne, natürlich Panem von Suzanne Collins, Gelöscht von Teri Terry, Die Bestimmung von Veronica Roth und auf jeden Fall eine meiner neuen Lieblingsreihen von Marissa Meyer, die Lunar Chronicles mit Cinder, Scarlet, Cress und Winter.

Was gefällt euch an Dystopien?








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Quellen:

Claeys, Gregory. 2011. Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Chilese, Viviana; Preusser, Heinz-Peter (Hrsg.). 2013. Technik in Dystopien. Jahrbuch Literatur und Politik Band 7.  Heidelberg: Universitätsverlag Winter GmbH. 
Greschonig, Steffen (Hrsg.). 2005. Utopie – Literarische Matrix der Lüge? Eine Diskursanalyse fiktionalen und nicht-fiktionalen Möglich- und Machbarkeitsdenkens. Regensburger Beiträge. Zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Frankfurt a.M.: Perter Lang GmbH. Print.
Lübbe, Hermann. 1987. Rückblick auf das Orwell-Jahr: Die Schreckensutopien. In: Braun, Hans Jürg (Hrsg.). 1987. Utopien – Die Möglichkeit des Unmöglichen. Zürich: Verlag der Fachvereine an den Schweizerischen Hochschulen und Techniken.
Meyer, Stephan. 2001. Die anti-utopische Tradition. Eine ideen- und problemgeschichtliche Darstellung. Frankfurt a.M.: Peter Lang GmbH.
Seeber, Hans Ulrich. 2003. Die Selbstkritik der Utopie in der angloamerikanischen Literatur. In: Saage, Richard; Reese-Schäfer, Walter; Seng, Eva-Maria [Hrsg.]. 2003. Politica et ars. Interdisziplinäre Studien zur politischen Ideen- und Kulturgeschichte. Münster: Lit Verlag.
Zeißler, Elena. 2008. Dunkle Welten. Die Dystopie auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Marburg: Tectum Verlag.

Samstag, 12. August 2017

Jennifer Niven: All the bright places






Wie mich Finchs Worte berührten

Handlung

Finch steht oben auf dem Rand des Glockenturms an seiner Schule als er merkt, dass er nicht allein ist. Violet ist ebenfalls dort. So richtig springen wollen beide nicht. Aber beide glauben, Grund dazu zu haben. Finch hat Aufs und Abs, er kann sich nicht richtig mit dem Alltag arrangieren und sticht mit seinem Verhalten hervor. Violet hat einen Autounfall überlebt, der ihre Schwester das Leben gekostet hat. Die beiden kennen sich eigentlich nicht. Noch nicht.


Meinung

Dieses Buch ist wundervoll, die Geschichte der beiden Jugendlichen hat mich tief berührt. Besonders Finchs Worte und Taten haben mich zum Nachdenken gebracht.

Die Handlung besteht aus den kleinen Alltags-Abenteuern, die Finch und Violet für ein Schulprojekt erledigen. Sie besuchen besondere Orte in Indiana. Finch ist sofort fasziniert von Violet. Diese öffnet sich ihrem merkwürdigen Mitschüler nur langsam. Doch er lässt nicht locker und zeigt der mürrischen Jugendlichen, wie schön ihre Umgebung ist.

Finch: But then I realized, believe it or not, it’s actually beautiful to some people. It must be, because enough people live here, and they can’t all think it’s ugly.


Die Geschehnisse sind sanft, filigran und aufregend. Es geht um die Welt in den Köpfen der beiden und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Finch peppt Violets Alltag mit den kleinen Abenteuern und seinen Ideen und Erzählungen auf, während Violet ihm zeigt, dass es auch in der Wirklichkeit lebenswerte Dinge gibt. Im Verlauf des Buches schraubt sich der Spannungsbogen nur langsam in die Höhe, was neben den kleinen Abenteuern aber überhaupt nicht schlimm ist. Die Geschichte ist weniger action-driven, sondern sie wird getrieben von den inneren Monologen und den Dialogen der beiden Hauptcharaktere.

Die Geschichte ist abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden geschrieben. Dadurch bekommen wir Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Figuren und es ist spannend, sie jeweils auch durch die Augen des anderen zu sehen.

Finch: She is oxygen, carbon, hydrogen, nitrogen, calcium, and phosphorus. The same elements that are inside the rest of us, but I can’t help thinking she’s more than that and she’s got other elements going on that no one’s ever heard of, ones that make her stand apart from everybody else.

Violet: This is the single loveliest thing anyone’s ever done form e. It’s movie lovely. It feels somehow epic and fragile

Sich selbst gegenüber sind sie sehr kritisch. Ihre Selbstwahrnehmung macht einen Großteil des Buches aus und zeigt, wie sie beide Schwierigkeiten im Alltag haben.

Violet: I love the world that is my room. It’s nicer in here than out there, because in here I’m whatever I want to be.

Finch: I know life well enough to know you can’t count on things staying around or standing still, no matter how much you want them to.

Finch: One year later, I grew out of my clothes because, it turns out, growing fourteen inches in a summer is easy. It’s growing out of a label that’s hard. Which is why it pays to pretend you‘re just like everyone else, even if you’ve always known you’re different.

Beide Figuren empfinden sich selbst als unzumutbar und anders, der Welt nicht gewachsen. Gemeinsam lernen sie, wie sie das Leben wieder meistern. Aber während Violet wieder in den Alltag zurückfindet und anfängt, ihre Träume wieder zu verfolgen, findet Finch sich bald in immer düsteren Gedanken wieder.

Das Thema des Buches sind die Probleme, mit denen die beiden zu kämpfen haben. Violets kamen von außen, als ihre Schwester bei dem Unfall starb. Finchs kommen von ihm selbst und er kann sie nicht richtig einordnen. Mich hat fasziniert, wie ehrlich der Einblick in die Gedanken und Gefühle der beiden ist, den der Leser bekommt. Jennifer Niven hat zwei authentische Charaktere aufgebaut, denen man abnimmt, wie sie sich fühlen, und die auch ihre negativen Gefühle nicht verschweigen.

Insgesamt hat mich das Buch also sehr gut abgeholt und ich kann es jedem weiterempfehlen, der ein solches Genre gerne liest. Es ist rasant und sanft, aufwühlend und beruhigend, es lässt einen mit dem Gefühl zurück, jetzt schlauer und tiefgründiger zu sein und den darauf folgenden Bookhangover schon zu überstehen.

Samstag, 29. Juli 2017

Spoiler: Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel

zum Haupt-Post ohne Spoiler

Die Auflösung der Geschichte hat mir weniger gefallen. Allein die Tatsache, dass Brett beim Telefonieren mit dem Therapeuten Garrett mehrmals denkt, dass er sehr alt sein muss, lässt darauf schließen, dass er es nicht ist. Er ist im Gegenteil der Burberry-Mann – was auch sonst? Leider habe ich in ihm dann auch nicht mehr gesehen als in Herbert. In der kurzen Zeit, in der Garrett am Ende „richtig“ auftaucht, versteht der Leser nicht, was an ihm so toll ist.

Brett braucht ein Baby. Allein diese Aufgabe finde ich erstens schwierig zu erfüllen und zweitens auch etwas fragwürdig. Ein Kind des Erbes wegen bekommen? Dieser Teil der Geschichte ist interessant gelöst. Die besondere Beziehung zwischen Brett und Sanquita finde ich gut, ich hätte sie mir noch ausführlicher gewünscht. In dem Moment, in dem der Leser und Brett von der Krankheit der jungen Frau erfahren, ist klar, was passieren wird. Und durch die (relativ) kurze Episode mit Sanquita kam es mir so vor, als sei sie nur in dem Buch gewesen, um zu sterben. Damit Brett ihr Baby bekommt. Das hat ihren Tod für mich persönlich irgendwie tragischer gemacht.

Wie hat euch das Buch gefallen?

Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel

Wie ich dem Genre eine weitere Chance gab





Handlung

Brett ist todunglücklich. Ihre Mutter ist an Krebs gestorben und enthält ihr zu allem Überfluss ihr Erbe vor. Wenn Brett das Geld haben möchte, muss sie innerhalb eines Jahres eine Liste mit Lebenswünschen abarbeiten, die sie mit 14 Jahren geschrieben hat. Und diese Wünsche haben es in sich.

Meinung

In Buchhandlungen lese ich die Klappentexte von diesen Frauen- und Liebesromanen und denke mir meistens: Das riecht gewaltig nach Klischee. Man bekommt das Gefühl, dann schon zu wissen, wie das Ganze ausgeht. Bei diesem Buch hatte ich endlich das Gefühl, es ginge dieses Mal vielleicht um etwas mehr als eine Männerjagd auf High Heels. Wie ihr meinem Ton entnehmen könnt: Die meiste Zeit war das nach meinem Empfinden nicht so.

Die Handlung ist angenehm, ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen und mich in dem Sinne nicht gelangweilt. Der Leser fiebert mit Brett mit und hofft auf die Erfüllung ihrer Lebensziele. Er geht mit ihr in einen Comedy-Club auf die Bühne und überlegt, wie um alles in der Welt man in einem Jahr sowohl ein Pferd als auch ein Baby anschaffen soll. Ganz zu schweigen von dem Haus oder – dem richtigen Mann. Das ist der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Mag alles andere noch so unerreichbar und auch utopisch wirken, was die Hauptfigur umtreibt ist die Männersuche. Und die Exemplare purzeln ihr nur so in den Schoß.

Brett ist ganz normal. Sie wirkt auf den Leser sympathisch, ich hatte Mitleid mit ihr. Die Figur geht ein wenig stolpernd durchs Leben und muss erst den Glauben an sich selbst finden. Die neuen Männer in ihrem Leben pushen ihr Selbstbewusstsein. Ansonsten hat sie keine Ecken und Kanten. Die Nebenfiguren spielen ihre Rollen. Tatsächlich war ich dann doch die ganze Geschichte über unsicher, ob und welcher Mann ihr bei der Erfüllung dieses Lebensziels behilflich ist. Das wollte ich dann nun doch gerne wissen :-D

Das Thema ist, wie man diesem Text anmerkt, nicht so meines. Es fällt mir schwer, mich auf Männerjagd zwischen zwei Buchdeckeln einzulassen. Es gibt auch noch weitere Themen in diesem Buch, Familie, Freundschaft, die Erfüllung seiner Träume, Nächstenliebe. Sie spielen zuweilen auch etwas größere Rollen, treten aber in meinem Rückblick auf das Buch eher zurück.

Insgesamt habe ich das Buch schnell durchgelesen, weil ich wissen wollte, wie es endet. Es lässt sich sehr gut runterlesen, doch es fehlt an tiefen Gefühlen und Gedanken, die mit sich selbst zu tun haben und nicht mit der Erfüllung in einer Partnerschaft.
Wer gerne Bücher rund um Männer und Frauen liest und Brett auf ihrem Weg begleiten möchte, den Richtigen zu finden, ist mit diesem Buch gut beraten. Für mich ist es leider weniger geeignet.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!