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21. Mai 2020

Jess Rothenberg: The Kingdom [Rezension]

Verlag Friedrich Oetinger GmbH 2019, Hamburg. 336 Seiten. 20,00 Euro.
Original: „The Kingdom“, Henry Holt and Company 2019

Wie mich das Cover ansprang und ich auch den Inhalt genoss




Das erste Mal gesehen habe ich das Jugendbuch beim Oetingerstand auf der Frankfurter Buchmesse 2019. Das Cover sprang mich sofort an, denn es versprach eine Geschichte genau nach meinem Geschmack: dystopisch, mit Mensch-Maschine-Hybriden. Das Buch von Jess Rothenberg ließ sich gut runterlesen und hat einen spannenden Plot.

The Kingdom – Das Erwachen der Seele: Inhalt

Ana ist eine der sieben Prinzessinnen in The Kingdom, einem hochmodernen Vergnügungspark. Sie ist kein Mensch, sondern eine menschliche Maschine, genau wie die anderen Prinzessinnen und zahllose Tiere im Park. Sie verhalten sich wie echte Lebewesen und unterliegen ihrem jeweiligen Programm. Wahre Gefühle sind ihnen fremd. Oder?

The Kingdom Rezension: Meinung

Wie gesagt, ließ sich das Buch unfassbar schnell und gut lesen. Das Thema ist spannend – kann ein künstliches Lebewesen fühlen, lügen, planen? Besonders der Kniff direkt zu Anfang lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen: Ana steht vor Gericht, weil sie jemanden umgebracht haben soll. Nichtsdestotrotz konnte ich keine rechte Verbindung zu Ana aufbauen, deren Entwicklung noch drastischer hätte ausfallen können.

The Kingdom Plot

Jess Rothenberg hat eine schnelle Story geschrieben, die zwischen dem gegenwärtigen Gerichtsprozess und der Vergangenheit im Park hin- und herspringt. Besonders dieser Trick macht das Buch spannend: Hat diese Hybride wirklich jemanden umgebracht, wenn sie im Vergnügungspark die Reinheit schlechthin verkörpert? Auf der Plotebene trifft Ana den Wartungsarbeiter Owen, der ihr Einblicke in das Leben außerhalb des Parks gibt. Die Geschichte besteht daraus, dass Ana und der Leser immer mehr Informationen darüber erlangen, was wirklich hinter den Hybriden und dem Park steckt. Ich mag solche Geschichten, in denen es etwas aufzudecken gibt.

The Kingdom Figuren

Ana ist eine Hybride und kann angeblich nicht fühlen. Natürlich bekommt der Leser schnell den Eindruck, dass dem nicht so ist. Aus Anas Sicht entdeckt er die wundervolle Welt von The Kingdom, die in Wahrheit ganz anders ist. Doch obwohl man Mitleid mit der Prinzessin bekommt, konnte ich keine richtige Verbindung zu ihr aufbauen. Ich dachte, vielleicht liegt es daran, dass sie eben eine künstliche Intelligenz ist. Aber auch über den Rest des Buches kam sie meiner Meinung nach nicht über eine naive Persönlichkeit hinaus, die nur in wenigen Momenten die Situation lenkt.

Owen, der Wartungsarbeiter, den Ana immer besser kennenlernt, spielt die typische männliche Love-Interest-Rolle. Auch die anderen Figuren unterstützen das Buch in ihren Rollen, die sie selten bis nie verlassen. Das ist nicht überraschend, aber in Ordnung und treibt die Geschichte in die richtige Richtung.

The Kingdom Thema

Wie ihr wisst, liebe ich Dystopien und alles drum herum. Ein Buch aus der Sicht einer künstlichen Intelligenz entspricht genau meinem Geschmack. Die Szenen rund um die Gerichtsverhandlung liefern den richtigen Stoff um die Debatte Fühlen, Gehorchen, Persönlichkeit. Die Rückblicke in Anas Leben im Park unterstützen die Meinung dazu, dass sie durchaus in der Lage ist zu fühlen, zu entscheiden und zu lügen. Jedoch hätte ich mir noch ein paar mehr Situationen vorstellen können, in denen Ana und ihr Programm miteinander kämpfen. Sie tänzelt innerlich um die aufgestellten Regeln herum, eine wirkliche innere Zerrissenheit oder Auseinandersetzung findet nicht statt.

Zusammenfassung Rezension The Kingdom

Jess Rothenberg hat einen spannenden Plot ausgedacht, der mich ans Buch fesselte. Ich bin tagelang viel zu spät schlafen gegangen, weil ich weiterlesen musste. Ich musste wissen: Hat Anna gemordet? Kann sie wirklich fühlen? Was steckt hinter dem Vergnügungspark? Die Figuren haben mich nicht richtig in ihren Bann gezogen. Sie treiben die Handlung voran, aber besondere Sympathien oder gar eine Identifizierung mit jemandem gab es nicht. Trotzdem macht der Plot das Buch zu einem aufregenden Leseerlebnis, das Liebhaber von Jugendbüchern genießen werden.

9. Februar 2020

Bijan Moini: Der Würfel [Rezension]

Atrium Verlag AG 2018. Zürich. 416 Seiten. 22 Euro.







Wie ich das Thema liebte und das Buch deswegen zwischendurch langatmig wurde

Ich war Ende letzten Jahres in meiner Buchhandlung in Unna und fragte nach einer deutschen Dystopie. Eigentlich wollte ich ein Jugendbuch haben, aber der Verkäufer empfahl mir dieses Exemplar (aufgrund meiner Wunsch-Beschreibung auch genau das Richtige).

Handlung Der Würfel


Der Würfel, eine künstliche Intelligenz, hat die Staatsmacht in Deutschland und anderen Ländern ergriffen. Sein Kapital: die Daten der Bürger. Und aufgrund der Annehmlichkeiten, die dadurch entstehen, geben die Einwohner ihre Daten freiwillig ab. Nur wenige Menschen trotzdem der KI, unter ihnen Taso Doff – ein sogenannter Gaukler, der absichtlich das Gegenteil von dem tut, was der Würfel von ihm erwartet. Aber seine Überzeugungen werden auf eine harte Probe gestellt.

Meinung Der Würfel


Wer mich kennt, weiß, dass man mich mit nichts so begeistern kann wie mit gesellschaftskritischen Dystopien. Meine Erwartungen sind dementsprechend hoch, und die hat das Buch leider nur zum Teil erfüllt. Die Welt ist gut beschrieben, das Problem der Datenkrake wird gut geschildert. Die Handlung aber driftet gelegentlich in Nichtigkeiten ab, während Situationen, über die ich gern mehr gewusst hätte, einfach übersprungen wurden. Insgesamt hat der Roman Der Würfel daher drei von fünf Seifenblasen bekommen.

Rezension Handlung


Wie beschrieben, bricht der Spannungsbogen häufig ein, während interessante Situationen einfach überprungen werden. Zu viele Szenen sind nur da, weil die Welt NOCH detaillierter beschrieben wird, was meiner Meinung nach gar nicht notwendig ist. Andere Handlungen werden lange eingeleitet, um dann mit einem Satz abgehandelt zu werden.

Zum Beispiel möchten zwei Personen einen Beziehungstest vornehmen, um zu schauen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie zusammengehören. Eine Figur hat großes Bedenken und versucht, die andere umzustimmen, willigt dann aber ein, den Test mit vielen Fragen zu machen. Im nächsten Satz steht das Ergebnis fest, in wenigen Absätzen findet ein Streit statt und die Sache ist vorbei. Wieso wird der Test selbst nicht besser beschrieben?

In vielen Momenten hätte ich gerne mehr Details zur Handlung bekommen, beispielsweise auch bei Reden, die als so toll beschrieben werden, im Buch aber de facto nicht stehen. In anderen Situationen brauchte ich nicht noch einen Besuch bei Figuren, die eine bereits feste Meinung nur noch bestätigen.

Zusätzlich ist ungefähr ein Drittel des Buchs eher unnötig für die Gesamthandlung. Ich hätte mir den Showdown sehr viel detaillierter gewünscht, während ich die positiven Aspekte der Welt nicht so ausführlich gebraucht hätte, um sie zu verstehen.

Rezension Figuren


Die Hauptfigur Taso Doff ist sympathisch, weil sie nicht mit den allgemein geltenden Werten einhergeht. Ich habe mich direkt in ihn einfinden können, weil ich seine Antipathien gegen das unnötige Ansammeln von Daten teile. Davon abgesehen ist er ein eher mürrischer Typ, der seine wahren Gedanken nur schwer im Zaum halten kann. Das gefiel mir gut, denn zum einen sind perfekte Charaktere unglaubwürdig, zum anderen spiegelt es seine schwierige Situation in einer vermeintlich perfekten Welt wider. Nichtsdestotrotz habe ich mich gelegentlich aufgeregt, wenn er mal wieder die Klappe nicht halten konnte :-D

Die anderen Figuren sind eher eindimensional und stehen für die verschiedenen Sichtweisen auf eine künstliche Intelligenz, die mittels Daten eine bessere Welt für alle schaffen will. Das ist gut und wichtig, aber auch wenig überraschend.

Rezension Thema


Wie gesagt: Eine solche Welt ist absolut mein Thema. Positive und negative Aspekte gläserner Menschen werden dargestellt, die möglichen Auswirkungen – positiv wie negativ – werden genau beleuchtet. Einerseits ist es jedem möglich, sein Grundeinkommen durch das eigene Verhalten zu steigern. Andererseits wird unvorhergesehenes Verhalten durch sozialen Abstieg bestraft, sei es noch so sinnvoll. Einerseits kann jedes noch so triste Zimmer in einen Dschungel verwandelt werden, andererseits kann niemand mehr sicher sein, dass sein Gegenüber auch wirklich so aussieht wie in dem Moment. Eine spannende Geschichte rund um eine tolle Idee, die nicht neu, aber aktuell ist.

Zusammenfassung Der Würfel


Die gute Idee einer Geschichte über eine Welt, die durch Datenansammlungen in einer künstlichen Intelligenz regiert wird, hätte mich mit einer etwas austarierteren Handlung und Spannung noch mehr überzeugt. Die Hauptfigur und ihre Meinung sind interessant, das Setting absolut spannend und voller Potential. Jedoch die Auswahl der Szenen und des Fokus auf manche Situationen haben dem Buch die Spannung wieder genommen und es war mir an einigen Stellen leider etwas zu langweilig.

Nichtsdestotrotz lässt sich das Buch gut lesen und gleicht mit guten Ideen und etwas Spannung die negativen Punkte so aus, dass man es durchaus am Wochenende im kalten Winter lesen kann.

9. Oktober 2018

Ursula Poznanski: Thalamus [Rezension]

Loewe Verlag GmbH 2018. Bindlach. 446 Seiten, 16,95 Euro.






Wie Ursula Poznanski mich wieder in eine aufregende Geschichte hineinzog

Ein neues Buch dieser Lieblingsautorin zieht natürlich immer direkt bei mir ein. Und ist auch schnell durchgelesen, weil die Autorin immer wahnsinnig spannende, dichte Geschichten erzählt.

 „Geh weg hier. Hol Hilfe. Schnell.
Fast wäre Timo über seine eigenen Füße gestolpert. Wieder hatte die Stimme ihn kalt erwischt, doch das war nicht der einzige Grund für Timos Erschrecken gewesen. Noch nie hatte sie so drängend geklungen.“
Ursula Poznanski: Thalamus. Seite 149.

Handlung Thalamus

Nach einem Motorradunfall erholt Timo sich in einer renommierten, abgeschiedenen Rehaklinik. Zwar schließt er schnell neue Freundschaften, mit dem witzigen Carl und der verständnisvollen Mona, doch seine Genesung läuft ermüdend langsam. Zumindest tagsüber. Nachts ist die Klinik wie eine Parallelwelt, in der medizinische Wunder möglich sind.

Meinung Thalamus

Mit ihrem neuesten Jugendthriller schließt Ursula Poznanski an ihre übliche Erzählweise an: packend, von einem Höhepunkt zum nächsten und einem Geheimnis, das es herauszufinden gilt. Der Stil ist eng und spannend wie immer, der Fokus liegt auf der Handlung und den merkwürdigen Begebenheiten, die Hauptfigur und Leser entschlüsseln müssen.

Rezension Handlung

Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und ließ mich das Buch nicht weglegen. Eine spannende Szene jagt die nächste. Leitmotiv sind merkwürdige bis unmögliche Dinge, die Timo passieren. Er schlafwandelt regelmäßig und auch die anderen Patienten unternehmen nachts Ausflüge, von denen sie tagsüber nichts mehr wissen. Im Dunkeln genesen anscheinend alle Jugendlichen, während sie tagsüber weitaus weniger Fortschritte machen. Der Leser möchte gemeinsam mit Timo herausfinden, was es mit diesen Situationen auf sich hat. Man sieht sich einer Art Verschwörung gegenüber, die einen großen Einfluss auf die Figuren hat. Gegen Ende hat die Spannung meiner Meinung nach leider ein wenig abgenommen.

Rezension Figuren

Die Hauptfigur Timo ist ein sympathischer Charakter, der soweit an sich keine Fehler zu haben scheint. Auch seine Vor-Unfall-Liebe Hannah vergisst er schnell. Er wartet mit wenig Ecken und Kanten auf, ist in einem normalen Level frustriert über seinen Zustand und schließt schnell Freundschaften. Thalamus stützt sich mehr auf die Handlung als auf Charakterentwicklung. Timo dient einer Erzählweise aus der dritten Person, eingeschränktem Wissen und Möglichkeiten. Der Spannung tut das keinen Abbruch.

Der Antagonist ist schwer zu fassen, was den Spannungsbogen unterstützt. Weder Timo noch der Leser wissen, womit sie es eigentlich zu tun haben. Die Fragen, vor denen beide stehen, sind nicht leicht zu beantworten. Wer in der Rehaklinik weiß, was vor sich geht? Das hat mir gut gefallen.

Die Nebenfiguren sind hier sogar ein wenig vielschichtiger als Timo. Carl mit C hat ein Geheimnis, hinter das Timo irgendwann kommt. Mona kämpft mit Eltern, die in der Rollstuhlfahrerin nur eine gescheiterte Profi-Sportlerin sehen. Die Figuren supporten die Handlung.

Rezension Thema

Das Geheimnis um die Rehaklinik treibt die Geschichte vorwärts. Ursula Poznanski versteht es, Hinweise in Situationen einzustreuen, und ein Mysterium zu kreieren, das der Leser unbedingt herausfinden möchte. Worum es genau geht, verrate ich an dieser Stelle nicht. Aber die Auflösung hat mir persönlich gut gefallen.

Zusammenfassung Thalamus

Insgesamt ist Thalamus von Ursula Poznanski ein sehr spannender Jugend-Thriller mit einem gut ausgearbeiteten Geheimnis, das Hauptfigur und Leser zu entschlüsseln versuchen. Das Buch wird getrieben von der aufgebauten Spannung, die nur zum Ende hin etwas abflacht. Deswegen gibt es insgesamt vier Seifenblasen für sehr packende Lesestunden.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler Thalamus!

20. Mai 2018

Bilderreihe: 15 Mal Dystopie

Bei dem guten Wetter habe ich ein paar Fotos gemacht, die ich auf Instagram posten möchte. Aber ich dachte mir, die passen auch ganz schön hierher und deshalb seht ihr sie als Erste. Es geht um eine Dystopie-Fotoreihe, mein Lieblingsgenre. Mögt ihr das Genre? Habt ihr eins von den Büchern gelesen? Welches ist noch auf eurem SuB?















5. April 2018

Ernest Cline: Ready Player One

Arrow Books 2012, first published by Random House 2011, London






Heute kommt Ready Player One in die deutschen Kinos. Grund genug, den Jugendroman im Vorfeld zu lesen und auch zu beurteilen. Als ich vorletzte Woche den Trailer im Fernsehen gesehen habe, musste ich das Buch direkt anfangen.

Direkt zum Spoiler-Post mit weiteren Gedanken

Handlung

2045 ist die Zerstörung der Welt durch Menschen und Klimawandel fortgeschritten. So gut wie alle existierenden Menschen flüchten sich tagtäglich in die virtuelle Welt der OASIS. Dieses Computerspiel ist mittlerweile zu mehr geworden: Dort geht man zur Schule, arbeitet und das reale Bankkonto wurde durch das digitale in dieser Welt ersetzt. Als der Erfinder und Programmierer der OASIS stirbt, vermacht er sein Erbe demjenigen, der sein eingebautes Easter Egg findet. Wer die Hinweise entschlüsselt, wird unfassbar reich und mächtig. Der 18-jährige Wade macht sich auf den Weg. Aber er ist bei Weitem nicht allein. Geldgierige Konzerne wollen die OASIS beherrschen.

Meinung

Die Handlung ist schnell und von der Suche nach den Hinweisen geleitet. Die Story findet hauptsächlich in der OASIS statt und geht nur gelegentlich zurück in die Realität. Wade ist beschäftigt mit Schule, Nachdenken über die Hinweise und Videospiele spielen. Die Geschichte gerät ins Rollen, als er den ersten Hinweis entschlüsselt. Von da an sind alle Spieler und der Antagonist, der machthungrige Konzern IOI, hinter dem Easter Egg her. Die Idee hat mir gut gefallen und ich musste unbedingt wissen, wie es weiter geht. Da auch ich gerne Computerspiele zocke und ein paar angesprochene Filme, Spiele, Serien und Anspielungen im Buch kannte, fühlte ich mich in der Umgebung sehr wohl. Es hat nicht gestört, dass das Online-Game-Universum so erklärt wurde, dass auch jemand ohne geringste Ahnung davon es versteht. Das rechne ich der Geschichte positiv an. Jedoch fielen Wade die Dinge manchmal etwas sehr in den Schoß. Ihm geschehen durchaus sehr viele Zufälle, die ihm auf der Suche helfen. Außerdem wurden die wichtigen Szenen meiner Meinung nach oft schnell abgehandelt und Fragen blieben offen, während an anderen Stellen ganze Absätze lediglich das Cockpit eines Fahrzeuges beschrieben.

Die Hauptfigur Wade ist der typische Held aus Jugendbüchern. Ohne Eltern lebt er bei seiner Tante, die ihn nicht versteht. Er ist arm, aber nett, nicht außerordentlich hübsch und unerfahren beim anderen Geschlecht. Ohne nennenswerte negative Eigenschaften ist sein einziges Ziel, das Erbe zu erlangen und damit alle zu retten. Denn der Antagonist IOI will mit der Macht über die OASIS das Nutzen kostenpflichtig machen und das virtuelle Leben zu wirtschaftlichen Zwecken nutzen. Dafür gehen die Mitarbeiter über Leichen und halten sich nicht an die Regeln, die in dieser Welt gelten. Die Charaktere sind leicht zwischen Schwarz und Weiß aufzuteilen. In dem Genre empfand ich das allerdings selten als schlimm.

Der Stil ist einfach gehalten und sehr flüssig zu lesen. Bis auf ein paar Beschreibungen, die ich übersprungen habe (und das nur am Ende, als es zum Showdown geht und ich ungeduldig wurde), habe ich mich nicht gelangweilt. Ob jemand, der mit Video- und Computerspielen gar nichts am Hut hat, sich in der Geschichte wohl fühlt, kann ich nicht beurteilen. Es wird auf jeden Fall alles erklärt und erläutert. Die Dialoge bleiben auf einer typischen Ebene mit wenig Einfallsreichtum, sind aber nicht unglaubwürdig und passen zu den Jugendlichen.

Das Thema hat mich gefesselt. Die Umgebung einer virtuellen Realität und eine Suche, deren Ende das Leben der Menschen beeinflusst, sind das, was mich die Seiten hat umblättern lassen. Natürlich ist es nicht mit einem Spiel zu vergleichen, es ist ein Buch. Aber der Einfluss eines ganzen Nerd-tums (wie es scheint) verleiht der Geschichte einen großen Reiz. Es werden viele Filme und Spiele angesprochen, die man kennt und die ich auch gut finde. Es geht vor allem um Klassiker aus den 1980er Jahren und ich in meinem Alter (:-D) verstehe das. Ob die jüngeren Leser sich angesprochen fühlen, ist schwierig zu sagen. Eine Kritik an virtuellen Welten könnte auf dieser Grundlage in der Geschichte aufgebaut werden. Der Clash zwischen Realität und Spiel nimmt an manchen Stellen sogar Anlauf. Doch er findet nie statt und die Tatsache, dass die Menschheit sich in der Virtualität verliert, wird ohne positive oder negative Anmerkungen dahingestellt.

Insgesamt gefiel mir also vor allem das Thema und das Setting in Ready Player One. Auch der gut zu lesende Stil und die Suche nach dem Easter Egg führten dazu, dass ich gut durch das Buch kam. Durch die Schwächen – zu viele Zufälle, zu einseitige Figuren und gelegentlich zu viel bzw. zu wenig Beschreibung – ziehe ich zwei von fünf Seifenblasen ab. Auch die Kritik an virtuellen Welten – positiv wie negativ – hätte mehr ausgebaut werden können, vor allem, da sie so aktuell ist.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler! 


6. Januar 2018

Marc-Uwe Kling: Qualityland

Wie ich völlig aus dem Häuschen war






Ein neues Buch von Marc-Uwe Kling. Eine Dystopie. Vom Autor vorgelesen. Lustig und nachdenklich. – Alle meine Träume sind wahr geworden.

Handlung

Qualityland ist die Heimat der Figuren. Es gleicht unserem Deutschland in sehr vielen Punkten, hat sich aber in einigen, vor allem digitalen, Aspekten weiterentwickelt. Mach dir keine Sorgen, wenn du nicht weißt, was du willst oder wer du bist. Das System weiß es für dich.

Als Peter Arbeitsloser allerdings einen rosafarbenen Delphin-Vibrator geschickt bekommt, ist er sicher, dass er das nun ganz und gar nicht will. Das System ist da anderer Meinung. Und eine Rückgabe deswegen ausgeschlossen. So leicht lässt sich Peter jedoch nicht abwimmeln.


Meinung

Die Handlung ist – wie in den Känguru-Chroniken – eher weniger actionreich. Stattdessen verfolgt der Leser die Hauptfigur Peter Arbeitsloser bei dem Unterfangen, den Vibrator wieder zurückzubringen. (In der nahen Zukunft haben alle den Beruf des Vaters oder der Mutter als Nachnamen.) Peter geht dabei fast unfreiwillig gegen das System vor. Er möchte einfach nicht akzeptieren, dass er die Gegebenheiten und Entscheidungen anderer nicht ändern kann. Auf seinem Weg zum Firmenchef von The Shop – dem weltweit größten und beliebtesten Online-Händler – trifft er andere Außenseiter des Systems. Wie gut, dass er zur Unterstützung einen Haufen defekter Roboter und Maschinen im Keller hat.

Typisch Marc-Uwe Kling wird unsere Realität, unser Alltag auf den Arm genommen. Die Absurditäten digitaler Entwicklung, gläserner Menschen, Algorithmen und der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber Fremdbestimmung finden ihren überspitzten Weg in eine kritische Betrachtung unserer Gesellschaft. Und das auf irre witzige Art und Weise. Der Autor erklärt komplizierte Zusammenhänge und technische Fortschritte verständlich, liebevoll und höchst ironisch.

Es geht um Superintelligenzen, um die Herrschaft weniger mittels technischer Devices und den Austausch von Menschen durch Maschinen. Bezeichnend für diese Geschichte ist, dass man auf jede Nachricht, die man auf seinen Geräten bekommt, nur OK antworten kann. Wenn man etwas mit weniger als zehn Sternen bewertet, ist die Maschine traurig und beleidigt und man muss groß und breit erklären, wieso weshalb warum. Und wer wird noch bewertet? Ganz genau: jeder einzelne Mensch, mittels Level.

Der Humor wird nicht zuletzt durch die eingestreuten Minikapitel erzeugt. In der Zukunft ist alles voll von Werbung – so auch dieses Buch. Persönliche Tipps und Reiseführer machen die Geschichte zu einem besonders lustigen Genuss. In der schwarzen Version, die ich als Buch gekauft habe, sind diese Kommentare eher pessimistisch gestimmt, in der grauen Version, mein Hörbuch, eher optimistisch. (Man muss aber nicht beide Versionen kaufen. Die Minikapitel sind im Internet zu finden.)


Die ungekürzte Live-Lesung von Marc-Uwe Kling selbst ist grandios! Seine Stimme ist sehr angenehm und die verschiedenen Figuren, die er imitiert, sind an den richtigen Stellen überzogen, jedoch nie nervig. Im Oktober war ich selbst auf einer Lesung von ihm, auf der er die ersten Kapitel vorgelesen und kommentiert hat. Es war grandios! (Ja, ich bin bekennender Fan.) Mir gefällt auch das lachende Publikum im Hörbuch. Gemeinsam macht Lachen noch viel mehr Spaß.




Wer Dystopien und Kritik an der digitalen Gesellschaft mag und sich das in WITZIG (statt actionreich) vorstellen kann, der kommt hier auf seine Kosten. Und auch Fans des Kängurus werden sich freuen! Hört oder lest einmal rein ;-)

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

19. September 2017

Amy Ewing: Das Juwel – Der schwarze Schlüssel

Dritter Teil der Juwel-Reihe – enthält Spoiler zu den ersten beiden Bänden
Zum ersten Teil: Das Juwel – Die Gabe
Zum zweiten Teil: Das Juwel – Die Weiße Rose






Wie ich nicht überrascht war

Handlung

In den Anstalten werden die letzten Mädchen als Paladininnen rekrutiert. Violet und ihre Verbündeten bereiten einen Angriff auf das Juwel und den Adel vor. Doch dass Hazel von der Herzogin gefangen gehalten wird, lässt Violet nicht schlafen, und so macht sie sich auf den Weg zurück in die Stadt. Dort erwartet sie das luxuriöse Adelsleben, während immer neue Nachrichten von Anschlägen zu ihr dringen. Sie plant, Hazel zu befreien und dann mit ihren Verbündeten die Stadtmitte am Auktionstag anzugreifen.

Meinung

Das fulminante Finale der Juwel-Trilogie schließt die Geschichte um Violet und Paladininnen actionreich ab. Fast direkt zu Anfang kehrt Violet zurück ins Juwel – was mir sehr gut gefallen hat. Ansonsten endet dieser dritte Band ganz typisch für eine Dystopie: Mit dem aufregenden Angriff der Rebellen.

Die Handlung nimmt im Gegensatz zum zweiten Teil wieder an Fahrt auf. So schön es draußen in der Weißen Rose umgeben von Natur auch ist, so wenig spannende Handlung gab es dort. Deswegen bringt Violets Aufbruch zurück ins Juwel wieder Fahrt in die Story. Der Leser begleitet sie bei gefährlichen Aktionen auf der Suche nach ihrer Schwester, Geheimtreffen mit Lucien und Kontaktaufnahme mit ihren Verbündeten. Der Kampf gegen den Adel spitzt sich zu und alles läuft auf ein spektakuläres Ende hinaus. Am Spannungsbogen habe ich nichts auszusetzen.

Die Figuren sind die altbekannten. Keiner von ihnen zeigt sich überraschend vielseitig, allerdings ist es der Story und dem Genre geschuldet, dass die Geschichte eher actiondriven und handlungsbetont ist.

Die Wendung um die Paladininnen im zweiten Teil hat mich überrascht und irritiert. Im dritten Teil gewöhnt man sich an die plötzliche Hinwendung zur Natur und die magischen Kräfte der Mädchen. Auch wenn sie mir immer noch irgendwie fehl am Platze vorkommen.

Der dritte Teil ist also wieder spannend und spielt im Juwel. Ansonsten habe ich ein paar Wow-Effekte vermisst oder total überraschende, weltverändernde (zumindest die Welt im Buch) Entdeckungen.

Das Juwel – Der schwarze Schlüssel ist ein angemessenes Finale. Wer die zwei vorigen Bände mochte, kann sich den dritten nicht entgehen lassen. Und auch wer, wie ich, vom zweiten Teil nicht ganz überzeugt war, kann sich auf einen dritten freuen, der dem ersten in Spannung und Handlung wieder gleichkommt.
 

25. August 2017

Dystopie – der schreckliche Nicht-Ort

August-Special

Das Ganze ist etwas theoretisch geworden, sorry … :-D

Ich liebe Dystopien. Was das über mich aussagt, weiß ich nicht, aber ich kann nicht die einzige sein bei den vielen Anti-Utopien in den Buchhandlungen. Besonders im Young-Adult-Bereich schlugen sie in den letzten Jahren ein (Panem, Maze Runner, Die Verratenen, Divergent) und es werden auch weiterhin einige veröffentlicht (Das Juwel, Mind Games, Red Queen). Die Erwachsenen-Dystopien reihen sich viel bei den Klassikern ein, 1984, Fahrenheit 451, Make Room! Make Room!. Wenn mir jemand neue empfehlen kann, freue ich mich sehr :-) (The Circle mochte ich übrigens nicht :-D)

Was ist eine Dystopie? In der Uni habe ich mich damit beschäftigt und gebe euch hier kleine Auszüge aus einer Arbeit von mir:

Die Dystopie als literarische Gattung bezeichnet im Allgemeinen eine im Vergleich zur realen Wirklichkeit des Autors negative Zukunftsvorstellung, die in Form eines literarischen Textes ausgestaltet wird. Seinen Ursprung hat diese Art Literatur schon sehr früh in der Utopie, welche einen positiveren Weltentwurf im Vergleich zur Gegenwart der Entstehungszeit aufzeigt. (Morus' Utopia habe ich auch gelesen, interessant aber ohne Spannungsbogen :-P) Sie sind „Idealbilder der Zukunft“ (Meyer 2001: 18), entworfen zum Beispiel von den „alten Utopisten bis Karl Marx“ (Meyer 2001: 18) und sogar Platon (vgl. Zeißler 2008: 15) in seiner Politeia. In ihnen wird dargelegt, „wie schön es sein könnte, wenn alle Menschen den trefflichen Vorschlägen folgten“ (Meyer 2001: 18).

Der positiven Utopie wird die negative Dystopie entgegengesetzt. Stephan Meyer bezeichnet sie als Anti-Utopie, die „zunächst als literarische Utopie-Kritik definiert“ (Meyer 2001: 12) wurde und somit aus den Utopien heraus entstand. Als selbstständiger Genrezweig setzte die Dystopie sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch (vgl. Meyer 2001: 12; Claeys 2011: 175).

Das Wort Dystopie ist abgeleitet von der Utopie (griechisch), was in etwa Nicht-Ort bedeutet.  Die Vorsilbe dys drückt das Gegenteil aus. Eine Dystopie ist also das Gegenteil von einem positiven, nicht zu verwirklichenden Ort: Ein negativer Ort, der nicht existiert.

Was mag ich daran? Es sind die Themen, die mich faszinieren. Die Gesellschaftskritik, den Kampf um Freiheit und Individualität, den Einsatz des eigenen Lebens für eine bessere Welt. Das übergeordnete Ziel, das der Leser mit den Figuren versucht zu erreichen, entgegen den allumfassenden Ungerechtigkeiten. Die Figuren, die für Menschlichkeit kämpfen und gegen gesellschaftliche und regimebedingte Regelungen und Systeme.
Dabei gibt es einige Dinge, die sich in allen Dystopien ähneln.

Literarisch gesehen zeigen sie die negativen Tendenzen der Realität auf, in der sie entstehen, und rufen durch die Narration „die Illusion des Wirklichen und ‚Wahrscheinlichen‘“ (Seeber 2003: 70) hervor. Aufgrund des Vorschlags für eine Verbesserung der realen Gegebenheiten situieren die Autoren ihren Inhalt häufig in der Zukunft: „Die Utopie entwirft ein Gesellschaftsmodell, welches […] die negativen Merkmale in grotesker Weise in die Zukunft verlängert, um so vor gegenwärtigen Tendenzen zu warnen (Anti-Utopie)“ (Meyer 2001: 40). (Mir fällt gerade auch gar keine ein, die nicht wenigstens ein bisschen in der Zukunft spielt. Außer vielleicht The Circle. Aber das mochte ich ja nicht :-D)


Es werden bestimmte Gesellschaftszustände beschrieben, um den dystopischen, den  negativen Charakter der Texte zu verdeutlichen. „Dafür eignen sich Endzustände politisch-sozialer Art, wie sie auf einer hoffnungslos übervölkerten, ausgebeuteten und verwüsteten Erde herrschen mögen: der perfekt gewordene Polizeistaat“ (Lübbe 1987: 88). (Man denke nur an den „Klassiker“ Panem und die Friedenswächter, an die Salvatoren an den Handgelenken der Studenten in der Eleria-Trilogie und die vermeintlichen Spiegel in jeder Wohnung in 1984.) Es scheint um eine Umgebung und Lebenssituation zu gehen, die das alltägliche Leben mindestens unangenehm, wenn nicht fast unmöglich gestaltet. Gleichzeitig werden die Menschen von einer wie auch immer gearteten Polizei überwacht. Dies ist ein „Dauerzustand“ (ebd.), also zumindest zu Anfang der Erzählung nicht als veränderbar dargestellt. Neben den Grausamkeiten, die Menschen sich gegenseitig beibringen können, spricht Meyer auch „von der Bedrohung der gesamten Menschheit durch die Objekte, die der Mensch selbst schafft […] den Roboter und die Atombombe“ (Meyer 2001: 14). (Wie in Asimovs Roboter-Geschichten, teilweise aufgegriffen und verfilmt in I, Robot).

Kontrolle, sowohl der Natur als auch durch eine Polizei, spielt also eine wichtige Rolle. Um diese zu behalten, arbeitet die utopische beziehungsweise dystopische Literatur mit begrenzten Räumen, zum Beispiel einer Insel, die von Einflüssen abgeschirmt ist (vgl. Meyer 2001: 34). (Die Einteilung in Distrikte in Panem oder in Fraktionen bei Die Bestimmung.) Die Science Fiction bietet weitere Möglichkeiten wie neu erkundete Teile des Weltraums (vgl. Claeys 2011: 187). (Wie in der typischen Science Fiction á la Star Trek oder auch in Godspeed von Beth Ravis, in dem die Hauptfigur sich in einer komplett neugestalteten Gesellschaft auf einem Raumschiff wiederfindet.)


Die Menschen selbst sind eingeteilt in Klassen oder Stände. „Die jeweilige Gesellschaftsstruktur ist also bestimmt durch eine starre Gliederung in gesellschaftliche Gruppen mit einer jeweils genau definierten sozialen Funktion“ (Meyer 2001: 61). Individualität und ein freier Wille sind in dystopischen Texten unterdrückt (vgl. Chilese, Preusser 2013: 12). „Der Staat handelt und das Individuum bleibt mit seinen Möglichkeiten hinter dem Anspruch der Theorie zurück“ (Greschonig 2005: 193).
(Zum Beispiel die Regulierung der Emotionen in Teri Terrys Gelöscht oder auch in der Unterdrückung romantischer Gefühle in Delirium von Lauren Oliver. Natürlich auch automatisch in der Begrenzung der Lebensräume wie in The Maze Runner von James Dashner, einer fehlenden Ausbildung und Ausmerzung selbstständigen Denkens wie in George Orwells 1984.)

Innerhalb der Handlung der literarischen Dystopien stellen die Autoren dem totalitären System häufig Charaktere entgegen, die sich im Laufe der Erzählung gegen dieses auflehnen. „Die Autoren des anti-utopischen Romans brauchen also die Figur des Außenseiters, um ihre Kritik an der von ihnen selbst entworfenen Gesellschaft sichtbar zu machen“ (Meyer 2001: 125). Der Außenseiter sieht sich dem Staat gegenüber gestellt, ist als Individuum ein Gegner dessen und ist sich darüber im Klaren (vgl. Meyer 2001: 125f). Es ginge um eine Erzählfigur, „die allmählich ihre Individualität, Phantasie und Persönlichkeit gewinnt, um damit in offenen Gegensatz zum herrschenden System zu geraten“ (Meyer 2001: 15). (Meine All-Time-Favorite Katniss Everdeen, die allerdings erst überzeugt werden muss, neben Guy Montag aus Fahrenheit 451 von Ray Bradbury und Eleria aus der gleichnamigen Trilogie.)


Wahrscheinlich lassen sich solch pauschale Aussagen nicht auf jede Dystopie zu einhundert Prozent anwenden. Aber ich erkenne auf jeden Fall die Gemeinsamkeiten der Bücher, die ich so gerne lese. Welches ist meine Lieblingsdystopie? Puh, sehr schwierig zu sagen. Ich finde, die klassischen und die modernen YA-Anti-Utopien unterscheiden sich schon sehr in ihrer Sprache, ihrer Erzählweise, den Figuren, dem Ausgang und natürlich auch der technischen Entwicklungen in der Geschichte. Die etwas älteren Geschichten sind faszinierend, weil man feststellt (wie überall in der Kunst), dass die Menschen sich „damals“ schon dieselben Gedanken gemacht haben. Und dass die negativen Zukunftsvorstellungen tatsächlich immer weiter in den Bereich des Möglichen rutschen. Man schaue sich Systeme und Länder an, die sich auf gutem Weg in den Totalitarismus befinden, die zensieren und totschweigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen und sich von anderen Ländern abschotten. Dystopien sind und bleiben aktuell.

Okay, meine Lieblingsdystopie … ich denke die Eleria-Trilogie von Ursula Poznanski. Aber ich mag viele gerne, natürlich Panem von Suzanne Collins, Gelöscht von Teri Terry, Die Bestimmung von Veronica Roth und auf jeden Fall eine meiner neuen Lieblingsreihen von Marissa Meyer, die Lunar Chronicles mit Cinder, Scarlet, Cress und Winter.

Was gefällt euch an Dystopien?








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Quellen:

Claeys, Gregory. 2011. Ideale Welten. Die Geschichte der Utopie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Chilese, Viviana; Preusser, Heinz-Peter (Hrsg.). 2013. Technik in Dystopien. Jahrbuch Literatur und Politik Band 7.  Heidelberg: Universitätsverlag Winter GmbH. 
Greschonig, Steffen (Hrsg.). 2005. Utopie – Literarische Matrix der Lüge? Eine Diskursanalyse fiktionalen und nicht-fiktionalen Möglich- und Machbarkeitsdenkens. Regensburger Beiträge. Zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Frankfurt a.M.: Perter Lang GmbH. Print.
Lübbe, Hermann. 1987. Rückblick auf das Orwell-Jahr: Die Schreckensutopien. In: Braun, Hans Jürg (Hrsg.). 1987. Utopien – Die Möglichkeit des Unmöglichen. Zürich: Verlag der Fachvereine an den Schweizerischen Hochschulen und Techniken.
Meyer, Stephan. 2001. Die anti-utopische Tradition. Eine ideen- und problemgeschichtliche Darstellung. Frankfurt a.M.: Peter Lang GmbH.
Seeber, Hans Ulrich. 2003. Die Selbstkritik der Utopie in der angloamerikanischen Literatur. In: Saage, Richard; Reese-Schäfer, Walter; Seng, Eva-Maria [Hrsg.]. 2003. Politica et ars. Interdisziplinäre Studien zur politischen Ideen- und Kulturgeschichte. Münster: Lit Verlag.
Zeißler, Elena. 2008. Dunkle Welten. Die Dystopie auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Marburg: Tectum Verlag.

20. November 2016

Amy Ewing: Das Juwel – Die Weiße Rose

Amy Ewing: Das Juwel – Die Weiße Rose. S. Fischer. Frankfurt am Main. 2016.

Zweiter Teil der Juwel-Reihe. Enthält Spoiler zum ersten Teil Die Gabe.






Wie ein Buch unerwartete Wendungen nahm

Handlung

Mit der Hilfe von Garnet fliehen Violet, Ash und Raven aus dem Palast. Doch ihr Weg führt sie direkt unter den Nasen der Soldaten her. Sie müssen sich verstecken und in die Farm gelangen, wo Lucien auf sie wartet. Die Herzogin hat aber keinerlei Absicht, es ihnen leicht zu machen. Violet lernt die Einzige Stadt aus einer ganz anderen Perspektive kennen und erfährt, was es mit den Auspizien tatsächlich auf sich hat. Denn Violet besitzt eine Macht, die sie dem Adel entgegen setzen kann.

Meinung

Dem ersten Teil habe ich ja 3,5 Seifenblasen gegeben und der zweite hat mir leider weniger gefallen. Die Entwicklung der Geschichte hat mich insofern enttäuscht, dass das Buch ein Lückenfüller zwischen schockierendem Auftakt und heroischem Finale ist. Außerdem wirkten die Dialoge sehr gestellt. Die Autorin lässt die Figuren Dinge sagen, die sie besser hätte zeigen oder beschreiben können. Zum Beispiel sagt Ashs Freund zu ihm, er solle sich nicht immer zerreißen, weil er für alle den Helden spielen will. So habe ich Ash, leider, gar nicht gesehen und hätte mir gewünscht, dass das durch seine Handlungen deutlicher wird.

Trotzdem habe ich das Buch sehr schnell durchgelesen, weil es ununterbrochen spannend ist. Obwohl mich ein paar Dinge störten, wollte ich unbedingt wissen, ob Violet und ihre Begleiter es schaffen. Das passiert mir in letzter Zeit öfter. Ich mäkele an der Handlung und dem Figurenentwurf herum, weil ich aber ein emotionaler Mensch bin und mich freue, wenn die Charaktere zum Ziel kommen, lese ich die Geschichte gespannt durch. Außerdem ist es eine Dystopie, meine Schwäche für das Genre ist einfach zu groß :-D

Die Handlung hat mir persönlich nichts gegeben. Die Freunde fliehen und lernen die Stadt besser kennen, doch die Eindrücke sind flüchtig und die Begegnungen kurz. Laufen und Verstecken reihen sich aneinander. Zum letzten Part hin legt sich das ein wenig, doch die neuen Entwicklungen stehen meiner Meinung nach in einem krassen Gegensatz zum vorherigen Geschehen. Dennoch hält die Autorin die Spannung durch das Buch hinweg hoch. Die ständige Gefahr und die Entdeckungen, die den Freunden begegnen, ließen mich Seite um Seite umblättern. Außerdem wollte ich natürlich wissen, wie es mit Violet und Ash weiter geht. Trotzdem passiert mir zu wenig, das mich geflasht hätte, das mich staunen oder ausflippen ließ.

Von den Figuren gefällt mir Raven am besten. Sie ist stark, obwohl ihr Furchtbares angetan wurde. Violet zeigt ebenfalls Mut und durch die Ich-Perspektive kann der Leser ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen. Zu Anfang wird sie davon angetrieben, sich und ihre Freunde in Sicherheit zu bringen. Im weiteren Verlauf erkennt sie ein zwei Dinge, die Auswirkungen auf die Geschichte haben, und bereitet sich auf das Finale vor, das ich im dritten Teil erwarte. Ansonsten kann ich zu den Figuren nicht viel sagen. Keine von ihnen gefällt mir gut oder schlecht.

Das Thema wird … sagen wir etwas spirituell. Das klingt jetzt extremer, als es der Fall ist, aber ich musste das trotzdem erst einmal akzeptieren. Der zweite Teil kommt mir, wie bereits geschrieben, wie der notwendige Mittelteil einer Geschichte vor. Zum Auftakt lernten wir Violets Welt kennen und fürchten, in diesem Buch warten wir lediglich darauf, dass irgendetwas passiert. Gut, es gibt neue Dinge und Ziele, die wir vorher nicht kannten. Aber irgendwie habe ich mehr Action erwartet.

Aber macht euch ruhig selber ein Bild, denn wie gesagt habe ich das Buch so runter gelesen und es hat auch Spaß gemacht. Der Stil ist gut lesbar und die Geschichte spannend. Die Flucht der Freunde und die neuen Ereignisse sind absolut nicht langweilig. Außerdem freue ich mich schon auf den dritten Teil, denn man kann erahnen, dass es ein fulminantes Finale geben wird.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!