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21. Mai 2020

Jess Rothenberg: The Kingdom [Rezension]

Verlag Friedrich Oetinger GmbH 2019, Hamburg. 336 Seiten. 20,00 Euro.
Original: „The Kingdom“, Henry Holt and Company 2019

Wie mich das Cover ansprang und ich auch den Inhalt genoss




Das erste Mal gesehen habe ich das Jugendbuch beim Oetingerstand auf der Frankfurter Buchmesse 2019. Das Cover sprang mich sofort an, denn es versprach eine Geschichte genau nach meinem Geschmack: dystopisch, mit Mensch-Maschine-Hybriden. Das Buch von Jess Rothenberg ließ sich gut runterlesen und hat einen spannenden Plot.

The Kingdom – Das Erwachen der Seele: Inhalt

Ana ist eine der sieben Prinzessinnen in The Kingdom, einem hochmodernen Vergnügungspark. Sie ist kein Mensch, sondern eine menschliche Maschine, genau wie die anderen Prinzessinnen und zahllose Tiere im Park. Sie verhalten sich wie echte Lebewesen und unterliegen ihrem jeweiligen Programm. Wahre Gefühle sind ihnen fremd. Oder?

The Kingdom Rezension: Meinung

Wie gesagt, ließ sich das Buch unfassbar schnell und gut lesen. Das Thema ist spannend – kann ein künstliches Lebewesen fühlen, lügen, planen? Besonders der Kniff direkt zu Anfang lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen: Ana steht vor Gericht, weil sie jemanden umgebracht haben soll. Nichtsdestotrotz konnte ich keine rechte Verbindung zu Ana aufbauen, deren Entwicklung noch drastischer hätte ausfallen können.

The Kingdom Plot

Jess Rothenberg hat eine schnelle Story geschrieben, die zwischen dem gegenwärtigen Gerichtsprozess und der Vergangenheit im Park hin- und herspringt. Besonders dieser Trick macht das Buch spannend: Hat diese Hybride wirklich jemanden umgebracht, wenn sie im Vergnügungspark die Reinheit schlechthin verkörpert? Auf der Plotebene trifft Ana den Wartungsarbeiter Owen, der ihr Einblicke in das Leben außerhalb des Parks gibt. Die Geschichte besteht daraus, dass Ana und der Leser immer mehr Informationen darüber erlangen, was wirklich hinter den Hybriden und dem Park steckt. Ich mag solche Geschichten, in denen es etwas aufzudecken gibt.

The Kingdom Figuren

Ana ist eine Hybride und kann angeblich nicht fühlen. Natürlich bekommt der Leser schnell den Eindruck, dass dem nicht so ist. Aus Anas Sicht entdeckt er die wundervolle Welt von The Kingdom, die in Wahrheit ganz anders ist. Doch obwohl man Mitleid mit der Prinzessin bekommt, konnte ich keine richtige Verbindung zu ihr aufbauen. Ich dachte, vielleicht liegt es daran, dass sie eben eine künstliche Intelligenz ist. Aber auch über den Rest des Buches kam sie meiner Meinung nach nicht über eine naive Persönlichkeit hinaus, die nur in wenigen Momenten die Situation lenkt.

Owen, der Wartungsarbeiter, den Ana immer besser kennenlernt, spielt die typische männliche Love-Interest-Rolle. Auch die anderen Figuren unterstützen das Buch in ihren Rollen, die sie selten bis nie verlassen. Das ist nicht überraschend, aber in Ordnung und treibt die Geschichte in die richtige Richtung.

The Kingdom Thema

Wie ihr wisst, liebe ich Dystopien und alles drum herum. Ein Buch aus der Sicht einer künstlichen Intelligenz entspricht genau meinem Geschmack. Die Szenen rund um die Gerichtsverhandlung liefern den richtigen Stoff um die Debatte Fühlen, Gehorchen, Persönlichkeit. Die Rückblicke in Anas Leben im Park unterstützen die Meinung dazu, dass sie durchaus in der Lage ist zu fühlen, zu entscheiden und zu lügen. Jedoch hätte ich mir noch ein paar mehr Situationen vorstellen können, in denen Ana und ihr Programm miteinander kämpfen. Sie tänzelt innerlich um die aufgestellten Regeln herum, eine wirkliche innere Zerrissenheit oder Auseinandersetzung findet nicht statt.

Zusammenfassung Rezension The Kingdom

Jess Rothenberg hat einen spannenden Plot ausgedacht, der mich ans Buch fesselte. Ich bin tagelang viel zu spät schlafen gegangen, weil ich weiterlesen musste. Ich musste wissen: Hat Anna gemordet? Kann sie wirklich fühlen? Was steckt hinter dem Vergnügungspark? Die Figuren haben mich nicht richtig in ihren Bann gezogen. Sie treiben die Handlung voran, aber besondere Sympathien oder gar eine Identifizierung mit jemandem gab es nicht. Trotzdem macht der Plot das Buch zu einem aufregenden Leseerlebnis, das Liebhaber von Jugendbüchern genießen werden.

3. Mai 2020

Leigh Bardugo: Six of Crows & Crooked Kingdom [Rezension]

Six of Crows, Indigo, 2015. Great Britain. 498 Seiten. £7,99
.
Crooked Kingdom, Hodder and Stroughton, 2016. Great Britain. 548 Seiten. £7,99.







Wie ich zwei neue Lieblingsbücher entdeckte

Das Lied der Krähen (Six of Crows) habe ich, glaube ich, 2016 das erste Mal in der Buchhandlung gesehen. Vom Klappentext her hat es mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe die englische Version dann nur gekauft, weil ich es auf Instagram gesehen habe. Und ich bin super froh, das gemacht zu haben! Das Gold der Krähen (Crooked Kingdom) habe ich ein Jahr nach dem ersten Teil gelesen und es hat mir sogar noch besser gefallen! Ich bin von beiden Büchern – Das Lied der Krähen und Das Gold der Krähentotal begeistert! Sie hängen zusammen wie eine lange Geschichte, sind nach dem zweiten aber zu Ende.


Das Lied der Krähen: Handlung


Kaz Brekker ist einer der gefürchtetsten Kleinkriminellen in Ketterdam, einer fiktiven Stadt in einer Welt, in der auch Magie eine Rolle spielt. Deswegen wird er engagiert, um einen Schwerverbrecher aus einem fernen Hochsicherheitsgefängnis zu befreien. Es winkt viel Geld, und so sucht Kaz sich fünf Verbündete, um diesen Job durchzuziehen. Der erweist sich als unfassbar kompliziert, und die sechs Jugendlichen verhalten sich untereinander auch nicht gerade zuvorkommend …

Das Lied der Krähen: Meinung


Wie bereits angeklungen: Ich bin total vernarrt in die beiden Bücher. Ich liebe das Setting, besonders im zweiten Teil, und ganz besonders liebe ich die Figuren: Leigh Bardugo zeichnet sechs sehr individuelle Charaktere mit spannenden Stärken und Schwächen. Die Perspektive wechselt zwischen ihnen hin und her und aus jeder Sichtweise ergibt alles Sinn und wirkt authentisch.

Handlung

Die sechs Figuren erleben ein unfassbares Abenteuer und planen einen verrückten Ein- und Ausbruch. Trotzdem kann man der Handlung folgen. Die Hauptfigur Kaz ist dafür bekannt, ausgefeilte, wenn auch riskante Pläne zu entwickeln. Und diese werden in die Tat umgesetzt. Dabei wird der Leser nicht immer in alles eingeweiht, was die bereits hohe Spannung noch einmal erhöht. Mehrfach dachte ich: Ach krass, wie gut! Nur gelegentlich kam den Figuren etwas Glück zugute, alles andere meistern sie mit ihren Fähigkeiten. Gleichzeitig geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen unter ihnen, die ihnen auf der einen Seite im Weg stehen, sie auf der anderen Seite aber auch nach vorne bringen.

Figuren

Die sechs Hauptfiguren sind alle sehr unterschiedlich und jede kämpft mit ihrer Vergangenheit. Die Geschichte spielt mit vielen Rückblenden, durch welche der Leser die Charaktere noch besser versteht. Leigh Bardugo schafft es, Zu- und Abneigungen plausibel und authentisch darzustellen. Die eine Figur mag die eine nicht und man sieht, warum nicht. Ein Switch zu ebendieser Figur lässt diese wieder ganz anders dastehen und man versteht seine Gründe. Dabei bleibt alles nachvollziehbar. Durch die Wechsel funktioniert die Geschichte phantastisch: Stärken und Schwächen treiben die Handlung an, Sichtweisen und Meinungen bringen dem Leser die Story näher.

Thema

Es geht hier vor allem um die Zusammenarbeit der sechs Figuren und ihre persönlichen Schicksale und Hoffnungen. Sie sind alle sehr unterschiedlich und werden durch das Leben zusammengeschweißt. Sie wachsen gemeinsam und ziehen waghalsige Pläne durch, um gemeinsam ihre Ziele zu erreichen. Sie alle bewegen sich nicht gerade auf der legalen Seite der Gesellschaft, aber man lernt sie kennen und lieben. Das Buch ist eine wundervolle Mischung aus ausgefeilten Charakteren, die sich entwickeln, und einer präzise durchdachten, spannenden Handlung.

Fazit Das Lied der Krähen und Das Gold der Krähen

Was soll ich noch sagen? Die beiden Bücher sind sofort in meine Top 10 Lieblingsbücher aufgestiegen. Ich finde die Figuren phantastisch und die Handlung hat mich mehrfach überrascht und überwältigt. Ich habe gelacht, geweint und mir vor Spannung auf die Lippe gebissen. Das Buch hat keine warnende Funktion wie Dystopien und will auch nicht sagen „Du kannst alles schaffen, egal, wie unbeliebt/schwach/etc. du bist!“. Eine richtige, deutliche Moral fehlt. Das tut dem Buch aber absolut keinen Abbruch, denn das, was da ist, ist meiner Meinung nach unfassbar gut umgesetzt und durchdacht!

13. April 2020

Melissa Albert: Hazel Wood – Wo alles beginnt [Rezension]

Dressler Verlag GmbH 2018. Hamburg. 354 Seiten. 19 Euro.







Wie ich etwas andere Märchen kennenlernte, die mich nur zum Teil überzeugen

Überall über Instagram habe ich Hazel Wood von Melissa Albert gesehen, auf Deutsch, auf Englisch. Bei einem Rundumschlag auf rebuy habe ich es dann mitgenommen und endlich gelesen. Ich finde es schwierig zu beurteilen, weil es völlig anders war, als ich es erwartete. Was ja sowohl gut als auch schlecht sein kann.

Handlung Hazel Wood – Wo alles beginnt

Die junge Alice führt mit ihrer Mutter ein rastloses Leben. Ständig ziehen sie in eine neue Stadt, bis auch dort das Unheil sie wiederfindet und sie weitermüssen. Insgeheim träumt Alice von einem normalen Leben, vielleicht bei ihrer geheimnisvollen Großmutter, die mit einem Märchenbuch berühmt wurde. Als das Unheil in Form von grässlichen Kreaturen sie erneut findet, muss Alice sich in ein Abenteuer stürzen. Kann das Märchenbuch ihrer Oma damit zu tun haben?

 

 

 

Meinung Hazel Wood

Eine typisch schnelle Handlung mit vielen Höhepunkten und Figuren, die in ihren jeweiligen Rollen die Geschichte vorantreiben. Zu Anfang war ich von der düsteren, fast gruseligen Stimmung begeistert. Leider griff hier in meinem Kopf derselbe Mechanismus wie bei Stranger Things: Sobald ich weiß, wie das Monster aussieht, ist es nicht mehr gruselig. Trotzdem habe ich Hazel Wood schnell runtergelesen und war nur vom recht kurzen Ende minimal enttäuscht – auch ein Phänomen, das mir häufig widerfährt.

Rezension Handlung

Die Geschichte beginnt etwas gediegener und die märchenhaften Elemente finden erst nach und nach ihren Platz im Plot. So wird der Leser aber gut in das Buch hineingezogen und findet sich nach einer Eingewöhnungsphase in einer Welt voll Märchen wieder – die unheimlicher nicht sein könnten. Die Hauptfigur stolpert von einem Höhepunkt zum nächsten, und zwischendurch wusste ich manchmal nicht mehr so recht, ob wir eigentlich schon am Ort des Showdowns sind. Ich war überrascht, dass man die Geschehnisse tatsächlich jedes Mal noch steigern konnte, um der Geschichte einen weiteren, noch höheren Höhepunkt zu verleihen.
Das Ende war mir wie immer zu kurz. Plötzlich Höhepunkt, plötzlich Ende.

Rezension Figuren

Die Hauptfigur Alice ist eine junge Frau, die ihren Platz im Leben noch nicht ganz gefunden hat. Das ist zum großen Teil ihrer Vergangenheit geschuldet, in der sie mit ihrer Mutter quer durch die USA zog. Als das Unheil – die bösen Kreaturen – sie mal wieder finden, gerät jedoch alles komplett aus dem Ruder. Sie nimmt das Abenteuer freiwillig in Kauf und stürzt sich in die Rettung ihrer Liebsten. Dass sie dabei manchmal etwas herumgeschubst wird, macht gar nichts.
Die Nebenfiguren bleiben in ihren Stereotypen haften: Die liebende Mutter, die alles für ihre Tochter tut, die geheimnisvolle, unnahbare Großmutter und der lustige, charmant gut aussehende männliche Begleiter der Hauptfigur. Das ist nett und vertraut und tut der Handlung keinen Abbruch.

Rezension Thema

Dass Märchen hier nicht die guten mit Happy End sind, hat mich überrascht. Das ist aber ein spannender Kniff, der sich kontinuierlich durchzieht. Das Märchenland jedoch, das hier auch vorkommt, hat mich eher verwirrt, inkonsistent fröhlich, traurig, chaotisch von Regeln behaftet. Ob der Name Alice hier eine Anspielung sein soll, da bin ich nicht sicher.

Zusammenfassung Hazel Wood – Wo alles beginnt

Ein solider, schneller Plot, der den Leser in den Bann zieht. Figuren, die brav ihren Bestimmungen nachgehen. Und Märchen, die gruseliger und unheilvoller kaum sein können. Die drei Zutaten ergeben eine spannende Geschichte, die zwar an manchen Stellen verwirrt, die Leser aber trotzdem mitnimmt auf ein neues Abenteuer, das ich so noch nicht gelesen habe.

9. Februar 2020

Bijan Moini: Der Würfel [Rezension]

Atrium Verlag AG 2018. Zürich. 416 Seiten. 22 Euro.







Wie ich das Thema liebte und das Buch deswegen zwischendurch langatmig wurde

Ich war Ende letzten Jahres in meiner Buchhandlung in Unna und fragte nach einer deutschen Dystopie. Eigentlich wollte ich ein Jugendbuch haben, aber der Verkäufer empfahl mir dieses Exemplar (aufgrund meiner Wunsch-Beschreibung auch genau das Richtige).

Handlung Der Würfel


Der Würfel, eine künstliche Intelligenz, hat die Staatsmacht in Deutschland und anderen Ländern ergriffen. Sein Kapital: die Daten der Bürger. Und aufgrund der Annehmlichkeiten, die dadurch entstehen, geben die Einwohner ihre Daten freiwillig ab. Nur wenige Menschen trotzdem der KI, unter ihnen Taso Doff – ein sogenannter Gaukler, der absichtlich das Gegenteil von dem tut, was der Würfel von ihm erwartet. Aber seine Überzeugungen werden auf eine harte Probe gestellt.

Meinung Der Würfel


Wer mich kennt, weiß, dass man mich mit nichts so begeistern kann wie mit gesellschaftskritischen Dystopien. Meine Erwartungen sind dementsprechend hoch, und die hat das Buch leider nur zum Teil erfüllt. Die Welt ist gut beschrieben, das Problem der Datenkrake wird gut geschildert. Die Handlung aber driftet gelegentlich in Nichtigkeiten ab, während Situationen, über die ich gern mehr gewusst hätte, einfach übersprungen wurden. Insgesamt hat der Roman Der Würfel daher drei von fünf Seifenblasen bekommen.

Rezension Handlung


Wie beschrieben, bricht der Spannungsbogen häufig ein, während interessante Situationen einfach überprungen werden. Zu viele Szenen sind nur da, weil die Welt NOCH detaillierter beschrieben wird, was meiner Meinung nach gar nicht notwendig ist. Andere Handlungen werden lange eingeleitet, um dann mit einem Satz abgehandelt zu werden.

Zum Beispiel möchten zwei Personen einen Beziehungstest vornehmen, um zu schauen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie zusammengehören. Eine Figur hat großes Bedenken und versucht, die andere umzustimmen, willigt dann aber ein, den Test mit vielen Fragen zu machen. Im nächsten Satz steht das Ergebnis fest, in wenigen Absätzen findet ein Streit statt und die Sache ist vorbei. Wieso wird der Test selbst nicht besser beschrieben?

In vielen Momenten hätte ich gerne mehr Details zur Handlung bekommen, beispielsweise auch bei Reden, die als so toll beschrieben werden, im Buch aber de facto nicht stehen. In anderen Situationen brauchte ich nicht noch einen Besuch bei Figuren, die eine bereits feste Meinung nur noch bestätigen.

Zusätzlich ist ungefähr ein Drittel des Buchs eher unnötig für die Gesamthandlung. Ich hätte mir den Showdown sehr viel detaillierter gewünscht, während ich die positiven Aspekte der Welt nicht so ausführlich gebraucht hätte, um sie zu verstehen.

Rezension Figuren


Die Hauptfigur Taso Doff ist sympathisch, weil sie nicht mit den allgemein geltenden Werten einhergeht. Ich habe mich direkt in ihn einfinden können, weil ich seine Antipathien gegen das unnötige Ansammeln von Daten teile. Davon abgesehen ist er ein eher mürrischer Typ, der seine wahren Gedanken nur schwer im Zaum halten kann. Das gefiel mir gut, denn zum einen sind perfekte Charaktere unglaubwürdig, zum anderen spiegelt es seine schwierige Situation in einer vermeintlich perfekten Welt wider. Nichtsdestotrotz habe ich mich gelegentlich aufgeregt, wenn er mal wieder die Klappe nicht halten konnte :-D

Die anderen Figuren sind eher eindimensional und stehen für die verschiedenen Sichtweisen auf eine künstliche Intelligenz, die mittels Daten eine bessere Welt für alle schaffen will. Das ist gut und wichtig, aber auch wenig überraschend.

Rezension Thema


Wie gesagt: Eine solche Welt ist absolut mein Thema. Positive und negative Aspekte gläserner Menschen werden dargestellt, die möglichen Auswirkungen – positiv wie negativ – werden genau beleuchtet. Einerseits ist es jedem möglich, sein Grundeinkommen durch das eigene Verhalten zu steigern. Andererseits wird unvorhergesehenes Verhalten durch sozialen Abstieg bestraft, sei es noch so sinnvoll. Einerseits kann jedes noch so triste Zimmer in einen Dschungel verwandelt werden, andererseits kann niemand mehr sicher sein, dass sein Gegenüber auch wirklich so aussieht wie in dem Moment. Eine spannende Geschichte rund um eine tolle Idee, die nicht neu, aber aktuell ist.

Zusammenfassung Der Würfel


Die gute Idee einer Geschichte über eine Welt, die durch Datenansammlungen in einer künstlichen Intelligenz regiert wird, hätte mich mit einer etwas austarierteren Handlung und Spannung noch mehr überzeugt. Die Hauptfigur und ihre Meinung sind interessant, das Setting absolut spannend und voller Potential. Jedoch die Auswahl der Szenen und des Fokus auf manche Situationen haben dem Buch die Spannung wieder genommen und es war mir an einigen Stellen leider etwas zu langweilig.

Nichtsdestotrotz lässt sich das Buch gut lesen und gleicht mit guten Ideen und etwas Spannung die negativen Punkte so aus, dass man es durchaus am Wochenende im kalten Winter lesen kann.

28. Oktober 2018

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen [Rezension + Lesung]

Wie die Känguru-Reihe endlich, endlich weiterging.

Hörbuch: Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen
Am Freitag lag ich krank auf dem Sofa und konnte mich darüber überhaupt nicht beschweren. Denn ich habe die kompletten Känguru-Apokryphen von Marc-Uwe Kling gehört. Ich habe absichtlich gewartet, dafür ganz allein zu sein, und habe die kurzen Stories quasi gebinge-hört.

Wer die Känguru-Chroniken und die zwei vorigen Fortsetzungen noch nicht kennt, hat etwas verpasst und hört jetzt bitte sofort auf zu lesen und kauft sich mindestens den ersten Teil. Ja, ich liebe diese Bücher sehr. Sie die witzigsten gesellschaftskritischen Episoden überhaupt. Vielleicht habe ich nicht alle gelesen, die es gibt, aber sei’s drum.

Die Känguru-Apokryphen: Inhalt

Der vierte Teil der aufmüpfiges-Beuteltier-Reihe spielt zu keinem bestimmten Zeitpunkt und knüpft nicht an den dritten Teil an. Es sind kurze Geschichten, die Marc-Uwe vergessen hat, aufzuschreiben. Sie gehören irgendwo in die drei anderen Teile, aber wichtig ist das sowieso nicht. Der Kleinkünstler und das Känguru wohnen zusammen in Berlin und philosophieren, streiten sich und gehen anderen Menschen auf deren strapazierte Nerven.

In diesem Teil lernen Nazis, dass sie unter Minderwertigkeitskomplexen leiden, und alle anderen Wähler, wann sie doch die SPD wählen dürfen. Der Leser begleitet Marc-Uwe und das Känguru zurück in die Zukunft – ein neuer Club – und wird Zeuge, wie das Känguru einem Polizisten erklärt, dass der Körper automatische Mechanismen gegen das Sterben durch Höflichkeit entwickelt hat. Der Polizist dürfe also ruhig mal höflich sein.

Die beiden Hauptfiguren treffen Entscheidungen ab sofort mit einem Open Schnick: Schnick Schnack Schnuck mit neuen Regeln. Man darf sich völlig frei Dinge ausdenken, um sie mit den Händen darzustellen, eine Kettensäge zum Beispiel oder einen herabstürzenden Meteor (der übrigens ein Pleonasmus ist). Ohne Brunnen, versteht sich.

Die Känguru-Apokryphen: Meinung







Ich weiß ja nicht, ob es schon zwischen den Zeilen zu lesen war – ich liebe die Känguru-Bücher. Auch dieses ist wieder ein gelungener Streich des versierten Autors. Zugegeben, so richtig laut gelacht habe ich etwas weniger als bei den Büchern davor. Aus einem ordentlichen Schmunzeln kam ich aber keine Sekunde heraus.

Die einzelnen Geschichten erinnern mich besonders an das zweite Buch, in dem sich die beiden Protagonisten schon sehr gut kennen. Es gibt aber nicht wie im dritten Band eine durchgehende Handlung. Trotzdem ist der Leser oder Hörer natürlich nicht sicher vor Running Gags. Auch einige Anspielungen auf die vorigen Bände sind der Grund für das anhaltende Schmunzeln.

Lesung der Känguru-Apokryphen auf der Frankfurter Buchmesse

Ich dachte ja immer, ich sei der größte Känguru-Fan. Weil ich die Bücher so sehr mag. Zum Fantum gehört aber scheinbar einiges mehr, zum Beispiel im Känguru-Kostüm zur Lesung zu erscheinen oder den Autor mit Känguru-Keksen ködern zu wollen. Das möchte ich allerdings beides nicht machen. Kekse weggeben, was für ein Schwachsinn.

Marc-Uwe Kling auf der Frankfurter Buchmesse
Die Lesung war super! Marc-Uwe Kling ist ein so sympathischer Autor, der wenig Brimborium um sich selbst macht. Wenn das Publikum zu Anfang lange und laut klatscht, sagt er „Vielen Dank, aber so kann ich nicht vorlesen“. Dann hört das Publikum auf und Marc-Uwe liest. Schon immer fasziniert es mich, wie mühelos er die verschiedenen Stimmen und Dialekte spricht. Er liest und das Publikum lacht. Und dann sagt er plötzlich „Das nächste Kapitel ist dann das letzte“. Ganz cool fügt er hinzu: „Wir machen das so: Ich lese das vor, dann klatscht ihr, ich verstecke mich kurz und dann komme ich zurück und lese noch eins vor. So machen wir das.“ Ach, der Herr Kling :-D

Was lässt sich zum Schluss noch sagen? Es ist traurig, dass dies vielleicht wirklich der letzte Band der Reihe sein wird. Ach ja, und dass schwedische Wissenschaftler in einem Feldversuch an Finnen herausgefunden haben, dass dieses Hörbuch ganz besonders witzig ist, 91 Prozent, um genau zu sein, das habe ich irgendwo gelesen ;-)

9. Oktober 2018

Ursula Poznanski: Thalamus [Rezension]

Loewe Verlag GmbH 2018. Bindlach. 446 Seiten, 16,95 Euro.






Wie Ursula Poznanski mich wieder in eine aufregende Geschichte hineinzog

Ein neues Buch dieser Lieblingsautorin zieht natürlich immer direkt bei mir ein. Und ist auch schnell durchgelesen, weil die Autorin immer wahnsinnig spannende, dichte Geschichten erzählt.

 „Geh weg hier. Hol Hilfe. Schnell.
Fast wäre Timo über seine eigenen Füße gestolpert. Wieder hatte die Stimme ihn kalt erwischt, doch das war nicht der einzige Grund für Timos Erschrecken gewesen. Noch nie hatte sie so drängend geklungen.“
Ursula Poznanski: Thalamus. Seite 149.

Handlung Thalamus

Nach einem Motorradunfall erholt Timo sich in einer renommierten, abgeschiedenen Rehaklinik. Zwar schließt er schnell neue Freundschaften, mit dem witzigen Carl und der verständnisvollen Mona, doch seine Genesung läuft ermüdend langsam. Zumindest tagsüber. Nachts ist die Klinik wie eine Parallelwelt, in der medizinische Wunder möglich sind.

Meinung Thalamus

Mit ihrem neuesten Jugendthriller schließt Ursula Poznanski an ihre übliche Erzählweise an: packend, von einem Höhepunkt zum nächsten und einem Geheimnis, das es herauszufinden gilt. Der Stil ist eng und spannend wie immer, der Fokus liegt auf der Handlung und den merkwürdigen Begebenheiten, die Hauptfigur und Leser entschlüsseln müssen.

Rezension Handlung

Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und ließ mich das Buch nicht weglegen. Eine spannende Szene jagt die nächste. Leitmotiv sind merkwürdige bis unmögliche Dinge, die Timo passieren. Er schlafwandelt regelmäßig und auch die anderen Patienten unternehmen nachts Ausflüge, von denen sie tagsüber nichts mehr wissen. Im Dunkeln genesen anscheinend alle Jugendlichen, während sie tagsüber weitaus weniger Fortschritte machen. Der Leser möchte gemeinsam mit Timo herausfinden, was es mit diesen Situationen auf sich hat. Man sieht sich einer Art Verschwörung gegenüber, die einen großen Einfluss auf die Figuren hat. Gegen Ende hat die Spannung meiner Meinung nach leider ein wenig abgenommen.

Rezension Figuren

Die Hauptfigur Timo ist ein sympathischer Charakter, der soweit an sich keine Fehler zu haben scheint. Auch seine Vor-Unfall-Liebe Hannah vergisst er schnell. Er wartet mit wenig Ecken und Kanten auf, ist in einem normalen Level frustriert über seinen Zustand und schließt schnell Freundschaften. Thalamus stützt sich mehr auf die Handlung als auf Charakterentwicklung. Timo dient einer Erzählweise aus der dritten Person, eingeschränktem Wissen und Möglichkeiten. Der Spannung tut das keinen Abbruch.

Der Antagonist ist schwer zu fassen, was den Spannungsbogen unterstützt. Weder Timo noch der Leser wissen, womit sie es eigentlich zu tun haben. Die Fragen, vor denen beide stehen, sind nicht leicht zu beantworten. Wer in der Rehaklinik weiß, was vor sich geht? Das hat mir gut gefallen.

Die Nebenfiguren sind hier sogar ein wenig vielschichtiger als Timo. Carl mit C hat ein Geheimnis, hinter das Timo irgendwann kommt. Mona kämpft mit Eltern, die in der Rollstuhlfahrerin nur eine gescheiterte Profi-Sportlerin sehen. Die Figuren supporten die Handlung.

Rezension Thema

Das Geheimnis um die Rehaklinik treibt die Geschichte vorwärts. Ursula Poznanski versteht es, Hinweise in Situationen einzustreuen, und ein Mysterium zu kreieren, das der Leser unbedingt herausfinden möchte. Worum es genau geht, verrate ich an dieser Stelle nicht. Aber die Auflösung hat mir persönlich gut gefallen.

Zusammenfassung Thalamus

Insgesamt ist Thalamus von Ursula Poznanski ein sehr spannender Jugend-Thriller mit einem gut ausgearbeiteten Geheimnis, das Hauptfigur und Leser zu entschlüsseln versuchen. Das Buch wird getrieben von der aufgebauten Spannung, die nur zum Ende hin etwas abflacht. Deswegen gibt es insgesamt vier Seifenblasen für sehr packende Lesestunden.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler Thalamus!

29. September 2018

Drei Lesetipps im September

Vor einiger Zeit war ich bei einer sehr lieben Freundin, die meine Büchervernarrtheit teilt. Ich habe sie im Literaturstudium kennengelernt, da ist das eher weniger eine Überraschung.
Sie hat mir zweimal drei Bücher empfohlen. Die ersten drei stelle ich euch heute vor:



Paulo Coelho: Der Alchimist
Der junge Andalusier Santiago hat einen Traum von einem Schatz in Ägypten. Auf Rat einer Traumdeuterin macht er sich auf einen langen Weg zu den Pyramiden. Er lernt, dass man seine Träume verwirklicken und nicht im Alltag versinken soll. Auf der Reise lernt er viele verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen Träumen folgen oder sie aufgegeben haben. Gleichzeitig ist seine Schatzsuche nicht gerade einfach und viele Hindernisse sind zu überwinden.

Mitch Albom: Dienstags bei Morrie
(Dieses Buch hat eine andere Freundin hier auch schon einmal empfohlen ;-))
 Der Sportjournalist Mitch Albom erfährt, dass sein alter Soziologieprofessor und Freund Morrie Schwartz nicht mehr lange zu leben hat. Deswegen fährt er jeden Dienstag hin und unterhält sich mit dem alten Mann. Er lernt von ihm jede Woche auf's Neue, wie man ein glückliches Leben führt.

Fabio Volo: Einfach losfahren
Michele lebt ein fröhliches Leben mit Freunden und Frauen. Er mag seine Arbeit und ist glücklich. Deswegen kann er nicht verstehen, warum sein Freund Federico beschließt, denn Alltag zu verlassen und einfach loszufahren in die Welt. Michele widmet sich lieber seiner neuen Eroberung, Francesca. Doch eine Nachricht von Federico öffnet ihm die Augen. Michele tut es ihm gleich und fährt einfach los, auf der Suche nach Erkenntnis.


Das sind die Lesetipps im September und der Monat ist ja auch schon fast um. Vielleicht ist ja ein Buch für euch dabei, das ihr diesen Monat noch eurem Regal hinzufügen möchtet :-)

26. September 2018

10 Buchnerd-Probleme

September-Special

Als Booknerd hat man es nicht leicht. Zwar gibt es viele andere Buchliebhaber, mit denen man sich austauschen kann. Dennoch ist man im Leben mit einigen Problemen konfrontiert, die andere Leute einfach nicht verstehen. Wer kennt diese Booknerd-Problems nicht?

10 Buchnerd-Probleme


1. Reiseübelkeit in öffentlichen Verkehrsmitteln


Mit diesem Problem hat nicht jeder Leser zu kämpfen. Ich gehöre aber zu denen, die im Zug lieber vorwärts sitzen und im Bus nach draußen schauen MÜSSEN, damit mir nicht schwummrig wird. Im Bus ein Buch lesen? Auf gar keinen Fall. Im Zug schmökern? Nur vorwärts, aber niemals im Sprinter zwischen Köln und Frankfurt. Wir Booknerds mit Übelkeitsfaktor verlieren soviel wertvolle Lesezeit! Wie gut, dass ich jetzt zu Fuß zur Arbeit gehe. Da stolpert man vielleicht über Steine, wenn man die Nase in einem Buch stecken hat. Schlecht wird mir aber nicht.

2. Das Wetter


Gutes Wetter vor allem. Und Leute, die dann mit einem nach draußen möchten. Etwas unternehmen. Ein Ausflug, bei dem man nicht lesen kann. Scheint die Sonne und man hat Freunde und Familie (auch ein Problem), bleiben die Bücher im Regal. Auf Wanderungen, beim Eisessen. Sie erwarten, dass man nicht weiterliest. So ein Glück, wenn es endlich wieder regnet! Tee kochen, Kerze an, Buch auf.

3. Man kann Bücher nur einmal zum ersten Mal lesen


Und das ist ein ernsthaftes Problem. Wie soll man noch einmal SO überwältigt sein von Hogwarts? Wie soll man noch einmal geschockt sein, dass Prim für die Hunger Games ausgewählt wird? Was für ein Traum, man könnte sich die Erinnerung rausnehmen lassen! Noch einmal entdecken, was es mit der Sternenschildkröte aus sich hat. Sich noch einmal freuen, wenn man zum ersten Mal versteht, wer da in Großbuchstaben spricht.

4. „Es ist nur eine Geschichte“


Wie bitte? Dieses Unverständnis für die Liebe zu Charakteren und dass man den gerade verstorbenen Figuren am liebsten ein Begräbnis zuteil werden lassen möchte. Und diese Leute, die nicht verstehen, dass sich die Moral der Geschichte eins zu eins auf deren Leben übertragen ließe! Was machen wir nur mit den Leuten, die die Namen der Hauptcharaktere vergessen? Und meinen, sie kennen Harry Potter, wenn sie die Häuser aufzählen können?

5. Immer diese Schokolade zwischen den Seiten


Weil die Bücher immer von alleine zuklappen. Man will ja nicht den Rücken brechen. Es ist so schwierig, mit einer Hand zu lesen! Dabei ist das unvermeidlich, wenn ein Buchnerd mal essen möchte. Die Geschichte dafür aus der Hand legen? Wovon träumt ihr denn?

6. Fehler in Film-Adaptionen


In Filmen, die dann auch niemand mehr mit einem schaut. Weil wir konstant erklären, dass das im Buch aber anders lief. Dass man diese Szene jar gar nicht ohne das Hintergrundwissen verstehen kann. Warum es anders besser gewesen wäre. Warum Änderungen gar keinen Sinn ergeben. Und dass die Figur im Buch aber ganz anders beschrieben wurde. Wieso haben sie das Buch überhaupt verfilmt, wenn sie es so schlecht machen? Und ja, wir werden den Film trotzdem schauen, wenn er im Free-TV läuft. Aber er ist nicht gut! Um das nochmal festzuhalten!

7. Book-Hangovers


Und Menschen, die sie nicht verstehen. Was wir nicht verstehen. Kennt ihr das auch? Ihr habt gerade eine epische Trilogie beendet. Ihr starrt in die Leere. Endlich nehmt ihr euch ein Herz und klappt das Buch zu. Ihr bewundert es von außen. Völlig mitgenommen. Mit dem Kopf noch in der Welt. Und dann will irgendwer wissen, was ihr morgen essen wollt. Oder sonst einen völlig nichtsbedeutenden Unsinn. :-D

8. Reale Menschen benehmen sich komisch


Vor allem Dates. Heutzutage umwirbt einen ja gar niemand mehr ordentlich. Mit keuschen Spaziergängen durch wilde Wiesen. Beim Vater um die Hand anhalten. Liebesbriefe schreiben, in denen man jemanden Siezt. Wo ist denn nur die Tugend hin?

9. Unterbrechungen


Denn Menschen meinen, sie könnten einen ansprechen, wenn man liest. Selbst wenn man dann nicht aufschaut, reden sie weiter. Über unwichtige Dinge. Sie scheinen zu meinen, man könne gleichzeitig lesen und sich unterhalten. Dem ist nicht so. Oder registrieren sie gar nicht, dass man liest? Vielleicht halten wir das Buch ja auch nur zu Dekozwecken in den Händen. Liebe Mitmenschen, liebe Nicht-Buch-Nerds! Wenn jemand anderer seine Nase in einem Buch stecken hat, dann lasst ihn lesen.

10. Positionen


Denn wirklich JEDE Lese-Position wird irgendwann unbequem. Und in jeder Position tut einem nach einiger Zeit ALLES weh. Ich hätte da eine Idee für einen Job: Buchfesthalter und Seitenumblätterer. Aber nicht wackeln :-)


Welches sind eure größten Buchnerd-Probleme? Wie geht ihr damit um? Und wieviel Verständnis bekommt ihr von den Muggeln?


21. August 2018

Marissa Meyer: Heartless


Feiwel and Friends, New York, Copyright 2016 by Rampion Books







Wie ich mich in Wunderland wiederfand, und dort bleiben wollte. Weil ich dort war, von mir gefunden.

Ich liebe Alice im Wunderland. Weil es so merkwürdig ist, voller Gedanken- und Wortspiele, und weil es zauberhaft ist. Deswegen musste ich Heartless lesen, hatte aber auch aus demselben Grund Angst, enttäuscht zu werden. Was Quatsch ist, denn es ist Marissa Meyer, die Autorin der Lunar Chronicles. Und wie wir wissen, bin ich total vernarrt in diese Bücher.
Ein Marissa-Meyer-Buch ist noch kein Fehler gewesen, auch Heartless nicht. Im Gegenteil.

Handlung

Catherine Pinkerton liebt es zu backen. Ihre Eltern liebt sie nicht ganz so sehr und den König schon gar nicht. Leider verhält es sich andersherum genau umgekehrt und der König von Hearts, wo die Geschichte spielt, macht Cath den Hof. Die kann allerdings nur an ihre Bäckerei denken, die sie eröffnen möchte. Und an diesen mysteriösen Hofnarren, der plötzlich auftaucht und alle Bewohner des Landes verzaubert.

„I’m not sure I want to go to a mad tea party.“

Jest winked at her. „Trust me, my lady. You do.“
(Seite 151)

Meinung

Die Geschichte spielt in Hearts, das dem Wunderland von Lewis Carroll sehr ähnlich ist. Krocket wird mit Flamingo und Igel gespielt, die Nachbarn sind Schweine, deren Köche zu viel Pfeffer ins Essen streuen, und der König ist ein kleiner, alberner Mann. Die rauchende Raupe gibt Ratschläge, Meerschweinchen urteilen im Gericht und bestimmte Kuchen veranstalten mit dem eigenen Körper merkwürdige Dinge. Es ist alles da – und mehr: Die Pflanzen aus Caths Träumen wachsen in ihrem Zimmer und Hüte enthalten viel mehr als weiße Kaninchen.

Die Hauptfigur Catherine ist gut gelungen. Sie ist sympathisch, aber nicht zu sehr. Sie denkt Gedanken und trifft Entscheidungen, die dem Leser manchmal nicht gefallen. Untypisch für eine Heldin stürzt sie sich nicht jederzeit selbstlos, mutig oder närrisch ins Abenteuer. Sie tut vieles für ihre Lieben, aber sie kann auch selbstsüchtig sein. Die anderen Figuren sind weniger vielschichtig, bis auf wenige Ausnahmen. Sie verbleiben aber in den Rollen, die Carroll ihnen zugedacht hat. Die meiner Meinung nach spannendste Figur in allen Alice-Geschichten ist der Hutmacher. Auch hier ist das der Fall. Marissa Meyer gibt ihm sogar noch mehr „Mehrsein“. 

Der Plot plätschert zunächst liebevoll durch Hearts, oder Wunderland, und ich habe mich sehr über die Ähnlichkeiten gefreut. Es geht am Anfang um die persönlichen Probleme der Figuren, bis sich dann die Action entwickelt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich gelangweilt. Neben Caths Problem, dass sie dem König aus dem Weg geht und am besten auch diesem anziehenden Joker, treibt ein Ungetüm sein Unwesen. Seit Jahrhunderten bekommen die Bewohner von Hearts wieder einen riesigen Jabberwock zu Gesicht. Und der ist hungrig. Gegen Ende ging mir dann aber alles zu schnell und ich hätte mir mehr Zeit gewünscht für bestimmte Szenen und Gefühle, wie es zu Anfang die Kuchen und Torten bekommen.

Das Thema ist das Herz. Wofür schlägt es? Für wen ist es wertvoll? An wen verschenkt man es? Wer stiehlt es? Es geht dabei nicht nur um zwischenmenschliche Liebe, sondern auch um Träume und Liebe für sich selbst. Um Mut und Selbstlosigkeit, um Hass und Rache. Denn ein Herz kann ganze Königreiche retten oder ins Verderben stürzen.

Alles in allem ist die Hommage an Carrolls Alice in Wonderland hervorragend gelungen. Heartless ist ein wundervolles Buch und Meyer konnte den Zauber ohne Abstriche einfangen. Catherine Pinkerton ist eine spannende Hauptfigur voller Überraschungen. Die Konflikte erreichen nicht ganz den allumfassenden Weltkonflikt aus den Lunar Chronicles, sondern befassen sich mit einem persönlichen Schicksal. Bis auf den polternden Plot zu Ende aber hat mich nichts gestört. 

20. Mai 2018

Bilderreihe: 15 Mal Dystopie

Bei dem guten Wetter habe ich ein paar Fotos gemacht, die ich auf Instagram posten möchte. Aber ich dachte mir, die passen auch ganz schön hierher und deshalb seht ihr sie als Erste. Es geht um eine Dystopie-Fotoreihe, mein Lieblingsgenre. Mögt ihr das Genre? Habt ihr eins von den Büchern gelesen? Welches ist noch auf eurem SuB?