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9. Oktober 2018

Ursula Poznanski: Thalamus [Rezension]

Loewe Verlag GmbH 2018. Bindlach. 446 Seiten, 16,95 Euro.






Wie Ursula Poznanski mich wieder in eine aufregende Geschichte hineinzog

Ein neues Buch dieser Lieblingsautorin zieht natürlich immer direkt bei mir ein. Und ist auch schnell durchgelesen, weil die Autorin immer wahnsinnig spannende, dichte Geschichten erzählt.

 „Geh weg hier. Hol Hilfe. Schnell.
Fast wäre Timo über seine eigenen Füße gestolpert. Wieder hatte die Stimme ihn kalt erwischt, doch das war nicht der einzige Grund für Timos Erschrecken gewesen. Noch nie hatte sie so drängend geklungen.“
Ursula Poznanski: Thalamus. Seite 149.

Handlung Thalamus

Nach einem Motorradunfall erholt Timo sich in einer renommierten, abgeschiedenen Rehaklinik. Zwar schließt er schnell neue Freundschaften, mit dem witzigen Carl und der verständnisvollen Mona, doch seine Genesung läuft ermüdend langsam. Zumindest tagsüber. Nachts ist die Klinik wie eine Parallelwelt, in der medizinische Wunder möglich sind.

Meinung Thalamus

Mit ihrem neuesten Jugendthriller schließt Ursula Poznanski an ihre übliche Erzählweise an: packend, von einem Höhepunkt zum nächsten und einem Geheimnis, das es herauszufinden gilt. Der Stil ist eng und spannend wie immer, der Fokus liegt auf der Handlung und den merkwürdigen Begebenheiten, die Hauptfigur und Leser entschlüsseln müssen.

Rezension Handlung

Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und ließ mich das Buch nicht weglegen. Eine spannende Szene jagt die nächste. Leitmotiv sind merkwürdige bis unmögliche Dinge, die Timo passieren. Er schlafwandelt regelmäßig und auch die anderen Patienten unternehmen nachts Ausflüge, von denen sie tagsüber nichts mehr wissen. Im Dunkeln genesen anscheinend alle Jugendlichen, während sie tagsüber weitaus weniger Fortschritte machen. Der Leser möchte gemeinsam mit Timo herausfinden, was es mit diesen Situationen auf sich hat. Man sieht sich einer Art Verschwörung gegenüber, die einen großen Einfluss auf die Figuren hat. Gegen Ende hat die Spannung meiner Meinung nach leider ein wenig abgenommen.

Rezension Figuren

Die Hauptfigur Timo ist ein sympathischer Charakter, der soweit an sich keine Fehler zu haben scheint. Auch seine Vor-Unfall-Liebe Hannah vergisst er schnell. Er wartet mit wenig Ecken und Kanten auf, ist in einem normalen Level frustriert über seinen Zustand und schließt schnell Freundschaften. Thalamus stützt sich mehr auf die Handlung als auf Charakterentwicklung. Timo dient einer Erzählweise aus der dritten Person, eingeschränktem Wissen und Möglichkeiten. Der Spannung tut das keinen Abbruch.

Der Antagonist ist schwer zu fassen, was den Spannungsbogen unterstützt. Weder Timo noch der Leser wissen, womit sie es eigentlich zu tun haben. Die Fragen, vor denen beide stehen, sind nicht leicht zu beantworten. Wer in der Rehaklinik weiß, was vor sich geht? Das hat mir gut gefallen.

Die Nebenfiguren sind hier sogar ein wenig vielschichtiger als Timo. Carl mit C hat ein Geheimnis, hinter das Timo irgendwann kommt. Mona kämpft mit Eltern, die in der Rollstuhlfahrerin nur eine gescheiterte Profi-Sportlerin sehen. Die Figuren supporten die Handlung.

Rezension Thema

Das Geheimnis um die Rehaklinik treibt die Geschichte vorwärts. Ursula Poznanski versteht es, Hinweise in Situationen einzustreuen, und ein Mysterium zu kreieren, das der Leser unbedingt herausfinden möchte. Worum es genau geht, verrate ich an dieser Stelle nicht. Aber die Auflösung hat mir persönlich gut gefallen.

Zusammenfassung Thalamus

Insgesamt ist Thalamus von Ursula Poznanski ein sehr spannender Jugend-Thriller mit einem gut ausgearbeiteten Geheimnis, das Hauptfigur und Leser zu entschlüsseln versuchen. Das Buch wird getrieben von der aufgebauten Spannung, die nur zum Ende hin etwas abflacht. Deswegen gibt es insgesamt vier Seifenblasen für sehr packende Lesestunden.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler Thalamus!

27. August 2017

Ursula Poznanski: Aquila

Loewe Verlag 2017

Wie ich mal wieder ein Buch in zwei Tagen durchgelesen habe
Zugegeben, ich hatte Urlaub.





Handlung

Nika wacht in ihrem Bett auf, in dreckigen Klamotten, mit Kopfwunde und ohne Erinnerung an die letzten zweieinhalb Tage. Was ist passiert? Wo ist ihr Handy? Und was bedeuten diese kryptischen Sätze auf dem Pizza-Flyer in ihrer Hosentasche? Auf der Jagd nach ihren Erinnerungen wird Nika selbst zur Gejagten. Kann sie sich selbst noch trauen, wenn sie nicht weiß, was sie tatsächlich getan hat?

Meinung

Ursula Poznanski hat mich mal wieder ans Buch gefesselt. Die spannende Geschichte, der rasante und flüssige Schreibstil und vielen Andeutungen und Rätsel im Buch ließen mich Seite um Seite umblättern. Ich habe aber von der Autorin auch nichts anderes erwartet ;-)

Die Handlung ist rasant, aufregend und spannend. Der Gedächtnisverlust und die Suche nach den Geschehnissen der letzten Tage bringen von vorn herein einen Spannungsbogen in die Geschichte, der von Kapitel zu Kapitel steigt. Neue Erkenntnisse und Wendungen bringen die Hauptfigur und den Leser auf immer neue Gedanken und die Spekulationen in immer neue Richtungen. Die Kulisse der italienischen Stadt Siena, in der Nika ein Semester verbringt, gibt zusätzlichen Pepp und erinnert vage an andere Jagden nach dunklen Geheimnissen quer durch Italien. Dadurch wird eine mystische Stimmung erzeugt. Der Plot ist getrieben von der Suche nach der Erinnerung und den Merkwürdigkeiten, die Nika unterwegs begegnen, wie gruselige Verfolger, Fremde, die mehr wissen als sie selbst, und schockierende Fotos von Nika selbst.

Nika selbst lernt der Leser durch ihre Taten kennen. Zwar gibt die Autorin Informationen zu deren liebevollen Mutter, dem anstrengenden Stiefvater und dem wenig enthusiastischen Studium der Kunstgeschichte. Doch davon abgesehen begleitet der Leser die 19-Jährige auf ihrer Suche. Nika ist verwirrt und ein wenig verloren in der fremden Stadt. Davon lässt sie sich aber nicht aufhalten und geht auf eigene Faust ihren Eingebungen nach. Sie ist mutig und etwas unüberlegt.

Die anderen Figuren helfen ihr oder stellen sich ihr in den Weg. Aber wem Nika wirklich trauen kann, muss sich noch zeigen. Die Figuren erfüllen ihre Funktionen als Freunde und Feinde und als potentielle Gefahren, die wissen, was in den letzten Tagen tatsächlich passiert ist. Ein wenig mehr Tiefe in den Charakteren wäre okay gewesen, aber notwendig ist sie auch nicht.

Nachdem Erebos, Layers und Elanus sich mit aktuellen technischen Entwicklungen beschäftigt haben, ist das Thema in Aquila schwieriger zu fassen. Vor allem, ohne etwas vorwegzunehmen. Die aufgebaute Spannung aber und die gruselig-mystische Jagd quer durch Siena reichen völlig aus, diesem Buch 4,5 von 5 Seifenblasen zu geben! Aquila ist ein rasanter Page-Turner wie Poznanski sie von jeher schreibt.

Insgesamt liegt die Stärke dieses Buches also im schnell steigenden Spannungsbogen. Ich konnte es nicht weglegen, ich musste wissen, wie es weiter geht! Wer einen actionreichen Plot mag, ist hier genau richtig.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

4. Juni 2017

Ursula Poznanski: Schatten

Teil vier der Beatrice-Kaspary-Reihe, enthält Spoiler zu den ersten Teilen

Zum ersten Teil: Fünf
Zum zweiten Teil: Blinde Vögel
Zum dritten Teil: Stimmen





Wie ich die Figuren noch besser kennen lernte

Handlung

Der vierte Fall für Beatrice Kaspary und ihren Kollegen Florin Wenninger bringt die Vergangenheit zu ihnen. Dass Beatrice überhaupt Polizistin geworden ist, verdankt sie einem schrecklichen Erlebnis aus ihrer Studienzeit. Und der Serienmörder, der diesmal in Salzburg seine Umwege treibt, weiß das ganz genau. Zwischen den Opfern besteht keinerlei Verbindung. Außer der Tatsache, dass Beatrice sie alle kannte – und nicht leiden konnte. Welches Spiel spielt der Mörder?

Meinung

Der neue Thriller aus Poznanskis Feder beschäftigt sich noch intensiver mit der Hauptfigur als die davor. Beatrice wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, der Fall kreist um negative Erinnerungen aus ihrem eigenen Leben. Der Leser bekommt einen tieferen Einblick in Beatrice und auch in Florin, aus dessen Sicht das Buch diesmal teilweise spielt. Ein wie immer guter Thriller von einer meiner Lieblingsautorinnen.

Die Handlung ähnelt vom Spannungsbogen her den Vorgängern: Der Fokus liegt auf den Ermittlungen und den Gedanken, die sich die Polizisten machen. In diesem Fall werden diese Ermittlungen sehr intensiv und Bea und Florin finden sich mitten drin wieder. Die Geschwindigkeit vom dritten Teil erreicht dieser meiner Meinung nach jedoch nicht ganz. Es ist spannend, aber nicht so sehr wie die letzten einhundert Seiten von Stimmen. Trotzdem hat mich auch diese Geschichte in Bann gehalten. Auch Beatrice‘ Privatleben spielt wieder eine große Rolle, ihr Ex-Mann Achim macht ihr den Alltag mit den gemeinsamen Kindern schwer.

Die Figuren lernt der Leser nun in Extremsituationen kennen. Beatrice ist ganz die alte, sie ist emotional und ein Bauchmensch, im Angesicht der Gefahr berechnend und mutig. Der Einblick, den wir zum ersten Mal in Florin bekommen, vervollständigt seinen Charakter. Bisher war er der charismatische Alleskönner, der jede Lage im Griff hat. Nun sehen wir in ihn hinein und lernen seine Schwächen kennen, seine Ängste und seine Gefühle. Beide Ermittler rücken zusammen als plastische Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte. Dadurch tritt der Fall etwas in den Hintergrund.

Wer die ersten drei Bände gelesen hat, sollte sich den vierten Teil keinesfalls entgehen lassen. Zwar steigt die Spannung nicht so sehr wie zuvor, aber allein die tieferen Einblicke in die Figuren und ihre Verwicklung in die Geschehnisse belohnen das Umblättern. Und Spannung kommt trotzdem auf, wie immer war ich schnell durch und habe mit Bea und Florin mitgefiebert.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!


15. April 2017

Ursula Poznanski: Stimmen

Dritter Teil der Beatrice-Kaspary-Reihe, enthält Spoiler zum vorigen Teil
Zum ersten Teil: Fünf
Zum zweiten Teil: Blinde Vögel





Wie ich von der Hauptfigur überrascht wurde

Handlung

Auf der Traumastation einer Psychiatrie wird ein Arzt tot aufgefunden. Auf seinem Körper sind merkwürdige Gegenstände drapiert, Plastikmesser, ein Kamm und ein Stift bilden ein Muster. Auf den Gegenständen sind die Abdrücke einer Patientin. Doch diese Patientin ist völlig teilnahmslos, ohne eigenen Antrieb und spricht nicht. Kann sie wirklich etwas mit dem Mord zu tun haben? Je tiefer die Ermittlerin Beatrice Kaspary gräbt, desto gefährlicher wird dieser Fall für sie selbst. Dabei hat sie in ihrem Privatleben noch ganz andere Probleme.

Meinung

Ich kann mich nur wiederholen: Ich bin ein Poznanski-Fan. Wie die beiden Romane vorher hat mich auch der dritte Teil dieser Krimi-Reihe gepackt. In gut einer Woche durchgelesen, bei meinem derzeitigen Pensum ein Rekord. Ich sage Krimi, weil es für mich kein richtiger Thriller ist, auch wenn es vorne drauf steht. Trotzdem spannend und mitreißend!

Die Handlung ist wie in den Teilen zuvor: Wer auf atemlose Action steht, kommt wahrscheinlich nicht auf seine Kosten. Stattdessen begleitet der Leser Beatrice auf ihrer Wahrheitssuche, die auch schon mal am Schreibtisch stattfindet. Langweilig wird es aber nie: Im genau richtigen Abstand geschehen neue Dinge, wendet sich die Geschichte, erkennt Beatrice die Zusammenhänge. Der Fall gestaltet sich extrem undurchsichtig und jeder noch so kleinen Spur muss nachgegangen werden. Insgesamt hat mich dieser Teil sogar wieder mehr gepackt als der zweite, der Schauplatz Psychiatrie ermöglicht so einige interessante Szenen. Zusätzlich entwickelt sich die Beziehung zwischen Beatrice und ihrem Kollegen Florin. Doch ihr Exmann schafft es trotzdem, sich brutal in ihr Leben einzumischen.

Die Hauptfigur Beatrice kam mir im zweiten Teil eher unscheinbar vor. Dafür macht sie in diesem Buch einen Sprung. Sie entwickelt mehr Persönlichkeit und lässt sich nicht mehr alles gefallen. Dabei gebärdet sie sich manchmal etwas impulsiv, was nicht unbedingt positiv ist. Es lässt sie dafür menschlich erscheinen und gibt der Figur eine zusätzliche Note. Ihre weibliche, zurückhaltende, nachdenkliche Art bleibt jedoch, sie nimmt sich selbst noch öfter zurück und lässt andere manche Entscheidungen treffen. Wenn es aber um den Fall geht, schreckt sie vor keinen Ermittlungen zurück. Florin bleibt in seiner typischen, zuvorkommenden Beschützerrolle, und das ist gut so.

Wer in diesem Teil besonders durch Charaktere besticht, sind die Ärzte und Patientin der Traumastation. Ihre unterschiedlichen Arten und Krankheiten geben ein spannendes Bild. Auch die anderen Polizisten bekommen weitere Eigenschaften zugeschrieben, vor allem Beatrices Chef kann der Leser hier von einer anderen Seite betrachten. Trotzdem steht der Fall im Vordergrund.

Insgesamt handelt es sich also um einen spannenden Krimi, der zum einen durch einen interessanten und kniffligen Fall besticht, zum anderen durch die Figuren. Verschiedenste Charaktere von Polizisten, Ärzten und Psychiatriepatienten formen ein vollständiges Bild aus möglichen Eigenschaften. Was mich außerdem quasi an den Roman gekettet hat, ist die Entwicklung von Beatrices und Florins Beziehung.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!


21. März 2017

Ursula Poznanski: Blinde Vögel

Teil 2 der Beatrice-Kaspary-Reihe
Hier geht’s zum ersten Teil: Fünf

Wie ich mich die ganze Zeit fragte, wie DAS wohl aufgelöst wird






Handlung

In Beatrice Kasparys zweitem Fall gibt es auch direkt zwei Tote. Zwei Menschen, die absolut nichts miteinander gemeinsam haben, und trotzdem zusammen im Wald ihr Leben aushauchten. Es sieht aus wie Mord und Selbstmord. Beatrice lässt jedoch nicht locker und findet die Verbindung: Eine Facebook-Gruppe, die sich mit Lyrik beschäftigt. Als unter den Usern ein weiteres Opfer ist, glaubt die Ermittlerin nicht mehr an Zufall.

Meinung

Ich bin ein Poznanski-Fan. Zwar kann ich mit den Jugendbüchern von ihr noch mehr anfangen, ihre Thriller für Erwachsene mag ich jedoch auch sehr. Ich habe die Geschichte für meine derzeitigen Verhältnisse schnell durchgelesen und wollte die ganze Zeit wissen, wie es weiter geht. Der Schreibstil gefällt mir wahnsinnig gut. Trotzdem kam weniger Spannung auf als im ersten Teil.

Der Plot fordert Tote und die lassen nicht auf sich warten. Die Polizisten geraten in einen immer tieferen Strudel aus Morden und Facebook-Postings, ein Vorkommnis rätselhafter als das andere. Beatrice kämpft sich durch merkwürdige Online-Beiträge, durch die Skepsis ihrer Kollegen und ihr Privatleben mit Ex-Mann, Kindern und heimliche Verliebtheit. Es gibt kein Geknalle und weniger Action. Stattdessen versucht die Ermittlerin, analytisch an den Fall zu gehen. Deswegen würde ich das Buch eher Krimi als Thriller nennen. Obwohl die Handlung nicht rast, bauen die undurchsichtigen Geschehnisse Spannung auf: Wie hängt alles zusammen? Tut es das überhaupt? Der erste Teil der Reihe war jedoch noch aufregender. Es gibt ja aber bisher noch zwei weitere, die das wieder auffangen können.

Die Hauptfigur ist weiblich und trägt einige typisch feminine Attribute. Sie ist relativ unsicher und sich ihrer Selbst weniger bewusst. Beatrice kann aber auch aus sich herauskommen, scharfe Worte an ihren Ex-Mann richten und ihre Kollegen überzeugen, dass an ihren Theorien etwas dran ist. Der Leser bekommt häufig Einblicke in ihre Gedankenwelt und kann ihre Motive und Gefühle erkennen. Diese sind nicht immer nur positiv und das macht die Figur sympathisch. Der Hauptfigur liegt sehr, sehr viel an der Lösung ihrer Fälle und verbringt auch ihre Freizeit mit Ermittlungen. Sie hat sonst nicht viel in ihrem Leben und das erscheint mir befremdlich, wenn auch nachvollziehbar und sogar wahrscheinlich.

Das Thema Facebook ist sehr interessant. Beatrice‘ Nachforschungen im Social Web geben dem Roman eine moderne, frische Komponente. Poznanski schreibt anscheinend gerne über aktuelle technische Themen oder gegenwärtige Entwicklungen, das gefällt mir sehr gut. Besonders die abgesetzten Posts und Kommentare, die im Buch abgedruckt sind, lassen die Geschichte realistisch wirken.

Insgesamt hatte ich nach dem ersten Teil einen etwas gruseligeren oder actionreicheren Plot erwartet. Trotzdem hielten mich die mysteriösen Zwischenfälle am Buch und ich wollte wissen, was es mit den Toten auf sich hat. Auch die Ausflüge in Beatrice‘ Privatleben haben mich nicht gestört, im Gegenteil. Durch die vielen aufgeworfenen Fragen, die sympathischen Figuren und den guten Schreibstil der Autorin lässt sich dieser Krimi wunderbar und schnell lesen.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

13. Dezember 2016

Ursula Poznanski: Elanus

Ursula Poznanski: Elanus. Loewe Verlag GmbH. Bindlach. 2016







Wie ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und den ganzen Sonntag gelesen habe

Handlung

Der hochbegabte Jona beginnt mit 17 sein Studium an der Franz-Hess-Universtität. Weil er noch minderjährig ist, bringen seine Eltern ihn bei einer Familie unter. Doch seine Ersatzeltern und auch einige Kommilitonen benehmen sich merkwürdig. Jona schickt seine selbstgebaute Drohne los und beobachtet Dinge, die ganz eindeutig verdächtig sind. Und dann tut er etwas sehr dummes. Als ein Dozent tot aufgefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse und Jona gerät in ein Geflecht aus Lügen und Intrigen.




Meinung

Dieser hochspannende Jugend-Thriller hat es in sich. Durch die Drohne, die Jona zu seinen „Opfern“ fliegen lässt, ergeben sich aufregende Erkenntnisse und der Leser erhält Puzzleteile, die es zu einer Lösung zusammenzusetzen gilt.

Die Handlung zeichnet sich durch einen großen Spannungsbogen aus, der immer wieder aufregende Spitzen aufweisen kann. Nicht einen einzigen Satz lang habe ich mich gelangweilt. Die Ausflüge in die Leben der Nebenfiguren und die rätselhaften Ausschnitte aus ihrem Alltag halten den Leser und Jona selbst in Atem. Ich habe mit dem Protagonisten ungeduldig auf die nächsten Flüge gewartet und wollte wissen, was es nur mit den Ereignissen an der Universität auf sich hat – ein toter Lehrer, ein ausweichender Rektor, eine Affäre, ein zwielichtiger Hausmeister. Gleichzeitig tauchen immer mehr Leute in Jonas Umfeld auf, die ihn ganz eindeutig beobachten.

Die Hauptfigur ist hochbegabt und dadurch eventuell etwas schwieriger greifbar. Doch er kämpft mit seinem Sozialverhalten, was die Autorin nachvollziehbar beschreibt. Wenn Jona sich angegriffen oder wütend fühlt, fällt ihm sehr schwer, sich zurückzuhalten. Dann eckt er absichtlich an und erschwert sich sein Leben selbst. Das ist sympathisch, auch wenn man ihn am liebsten zurückhalten würde. Zwar ist er sehr intelligent, doch hat er auch seine Schwächen, die ihn vollständig erscheinen lassen. Die anderen Figuren unterstützen die Handlung gut. Besonders Marlene ist eine interessante Nebenfigur, die ihre eigenen Geheimnisse hütet. Ansonsten bleiben die Figuren ihrem Verhalten treu: Der junge Nachbar ist cool und ihn juckt Gefahr wenig, die „Adoptivschwester“ nervt und die Rüpel sind an der Uni nicht anders als in der Schule.

Das Thema ist, wie immer bei Ursula Poznanski, ein hochaktuelles. Drohnen und die Wahrung der Privatsphäre spielen eine wichtige Rolle und sind neben den Geheimnissen die tragende Kraft des Thrillers. Durch Marlene wird besonders deutlich, dass Jona mit seiner Drohne unerlaubt in das Privatleben fremder Leute blickt, denn sie wehrt sich vehement und verbietet ihm ausdrücklich, sie zu beobachten.

Die kleinen Puzzlestückchen, die der Leser über die Geschichte hinweg bekommt und die schwierig zu einem Ganzen zusammenzusetzen sind, bilden den Stoff, aus dem die Spannung des Romans besteht. Geheimnisvoll, verwirrend und anscheinend undurchblickbar schafft die Autorin es nach Erebos, Saeculum und Layers erneut, den Leser an ihren packenden Jugendthriller zu binden.

Insgesamt ist Elanus deswegen wieder ein sehr gelungener Roman, wie man ihn von Ursula Poznanski gewohnt ist. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, dabei gegenwartskritisch und stilsicher verfasst.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

20. Dezember 2015

Ursula Poznanski: Erebos



Ursula Poznanski: Erebos. 2011. Loewe Verlag GmbH Bindlach.

Wie mich ein sehr dickes Buch fesselte






Zunächst hatte ich etwas Respekt vor der Stärke des Buches. Zum ersten Mal las ich es für die Uni und dachte, das schaffe ich nie bis zum nächsten Kurs. Aber ich habe es sehr schnell durchgelesen und konnte es kaum weglegen, so spannend ist die Geschichte!


Handlung

Geheimnisvolle Päckchen wandern an einer Schule von einer Hand zur nächsten. Niemand will etwas darüber sagen. Der sechzehnjährige Schüler Nick würde zu gerne wissen, was da vor sich geht, bis er auch ein Päckchen erhält und darin ein Computerspiel findet. Erebos ist ein Rollenspiel, in dem die Spieler Aufgaben ausführen müssen. Nick ist, wie alle anderen vor ihm, sofort gefesselt und verbringt sehr viel Zeit an seinem Computer. Das Spiel scheint intelligenter zu sein als andere es bisher waren, es antwortet auf Fragen und weiß zudem Dinge über seine Spieler, die sie nur ihren Freunden verraten haben. Dann fordert Erebos Nick auf, Aufträge in der realen Welt auszuführen. Und diese werden immer gefährlicher.


 Meinung

Ich mochte das Buch von Anfang an. Nick ist sympathisch und neugierig, man fiebert die ganze Zeit mit ihm mit und möchte die Geheimnisse von Erebos ergründen. Persönlich spiele ich auch ab und zu Computerspiele und konnte deswegen nachvollziehen, was in ihm vorgeht. Die Spannung wird immer höher gehalten durch die immer schwierigeren, merkwürdigeren und vor allem gefährlicheren Aufgaben, die der Spieler zu lösen hat – in der echten Welt.

Die Handlung lebt von den Aufgaben des Spiels, gemischt mit Nicks Privatleben und seinen Versuchen, Erebos zu ergründen. Von Anfang an war ich gefesselt vom Plot und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht und worauf das Spiel hinausläuft. Die Geheimnisse und Mysterien sind, wie von der Autorin gewohnt, aufregend, merkwürdig und spannen den Leser auf die Folter. Auch die Nebenstränge, die sich mit Nicks Freunden und seiner heimlichen Liebe Emily beschäftigen, würzen den Roman mit fesselnden Wendungen und peppen ihn mit zusätzlichen Themen auf.

Die Figuren sind sympathisch und bieten viel Identifikationspotential. Nick ist freundlich, neugierig und etwas rebellisch. Er kämpft mit dem Erwachsenwerden, seinen Träumen und denen seiner Eltern und mit Emily, dem Mädchen der Geschichte. Erebos kommt dazu und beschäftigt ihn. Als sein Freund Colin einen Drohbrief erhält und dann einen Unfall hat, muss er unbedingt herausfinden, was es mit dem Spiel auf sich hat.

Der Stil ist sehr gut, flüssig, fesselnd und aus einem Guss. Ich mag alle Bücher der Autorin sehr gerne, alle haben mich ununterbrochen bei der Stange gehalten und warteten mit aufregenden Wendungen und Ereignissen auf.

Das Thema ist ein sehr spannendes, mit dem sich, vermute ich, viele Jugendliche auskennen. Computerspiele werden hier in den Mittelpunkt gestellt, jedoch keineswegs negativ beleuchtet, sondern als Ausgang genutzt für mögliche Gefahren. Hier kommen die Online-Welt und böse Machenschaften der realen Welt zusammen und bilden ein gefährliches Potential. Die Geschichte spricht sich keineswegs für oder gegen das Zocken aus, sondern für einen bedachten Umgang damit.

Insgesamt kann ich dieses Buch, so wie die anderen von Ursula Poznanski, nur empfehlen, wenn man eine spannende Geschichte lesen möchte, die nicht langweilig wird und interessante Themen behandelt. Ich fieberte mit den Figuren mit und musste unbedingt wissen, wie diese Idee ausgeht.


28. August 2015

Ursula Poznanski: Layers



Ursula Poznanski: Layers. Loewe Verlag GmbH Bindlach: 2015

Wie ich schon lange kein Buch mehr so schnell durchgelesen habe



Ich mag alle Bücher von Frau Poznanski – deswegen musste ich Layers sofort haben, als es letzte Woche veröffentlicht wurde. Als ich die Lektüre davor endlich durchgelesen hatte, war dann dieses Buch dran und innerhalb von zwei Tagen durch.

Handlung
Der 17-jährige Dorian lebt auf der Straße. Das funktioniert einigermaßen gut für ihn, bis er eines Morgens aufwacht und seinen ewigen Kontrahenten Emil tot neben sich in einer Blutlache liegen sieht. Dorian hat sein blutbeschmiertes Taschenmesser in der Hand. Er weiß nicht was passiert ist und was er tun soll, doch da wartet schon die Rettung auf ihn: Ein Mann namens Nico lädt ihn in Bornheims Villa ein, eine Unterkunft für obdachlose Jugendliche, in der ein eigenes Zimmer, regelmäßige Mahlzeiten und sogar Unterricht auf Dorian warten. Doch was wird von ihm als Gegenleistung erwartet?

Dieser neue Jugend-Thriller von Ursula Poznanski hat mir sehr gut gefallen, genau wie Erebos damals. Die Geschichte beginnt aufregend und schafft es, den Spannungsbogen bis zum Ende zu halten. Die Handlungen geschehen nachvollziehbar und im richtigen Tempo, die Figuren erscheinen in den passenden Momenten und treiben die Story voran.
Dorian ist überaus sympathisch und ich habe in jedem Kapitel von neuem den Atem mit ihm angehalten. Der Leser erhält viele Einblicke in seine Gedanken und ist dadurch in der Lage, seine Zwiespälte und Gefühle nachzuvollziehen und ihm näher zu kommen. Es ist leicht und macht Freude, ihm durch die Handlung zu folgen, es entsteht niemals das Gefühl, man würde etwas verpassen oder Zusammenhänge nicht verstehen. Der Jugendliche ist mutig und entschlossen, herauszufinden, womit er es zu tun hat. 

Die vielen merkwürdigen Gegebenheiten, die ihm zustoßen und nicht in ein Gesamtbild zu passen scheinen, machten bei mir den Reiz aus, schnell weiterzulesen, die nächste Seite umzublättern. Die im Fokus stehende Handlung stoppt nicht, überschlägt sich jedoch genauso wenig. Kurz vor dem Höhepunkt musste ich, das passiert mir manchmal, eine kleine Lesepause einlegen, weil ich so aufgeregt war! :-D
Insgesamt überzeugt mich das Buch, sowohl der flüssige Stil als auch die spannende Handlung und der sympathische Dorian. Zu detaillierteren Kommentaren bin ich im Moment nicht fähig, ohne zu spoilern :-D Also: Lohnt sich!

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!


4. August 2015

Ursula Poznanski: Fünf



Ursula Poznanski: Fünf (Wunderlich, ©Rowohlt Verlag GmbH: 2012)

Wie ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte





Ich mag die Bücher von Ursula Poznanski sehr und freute mich, dieses Mal einen als Thriller (für Erwachsene) ausgeschriebenen Roman vor mir zu haben.

Handlung
Die Leiche einer Frau wird auf einer Kuhweide in der Nähe von Salzburg entdeckt. Unter ihrem Fuß hat sie ein frisches Tattoo: Koordinaten, die der Ermittlerin Beatrice Kaspary Rätsel aufgeben. Als sie sich mit ihrem Kollegen Florin Wenninger auf die Suche begibt, findet sie am angegebenen Ort eine Plastikdose – einen Geo-Cache der besonderen Art, der mit einem unschönen Inhalt aufwartet. Es gibt eine zweite Leiche, die ihnen jemand Stück für Stück überreichen will.

Nachdem ich mich nach ein paar Seiten in die Geschichte eingelesen hatte, war die Lektüre sehr kurzweilig und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die vielen Rätsel und nicht zusammen passenden Hinweise machten mich so neugierig, dass ich unbedingt wissen wollte, wie Beatrice und ihre Kollegen an die Lösung des Falls herangehen.
Die sympathische Hauptfigur kämpft zugleich auch noch mit persönlichen Problemen, die zwischendurch auftreten und die Ermittlungen kurz unterbrechen. Doch weil Beatrice sich ununterbrochen Gedanken über diesen mysteriösen Fall macht, kommt die Handlung um die Lösung nicht zum Erliegen. Der Kollege Florin, mit dem sie ein Büro teilt, wird ebenfalls sympathisch dargestellt, doch es gibt auch Charaktere, die ihnen mit ihren negativen Eigenschaften in die Quere kommen. Beatrice und Florin haben auch ihre Schwächen, die sie menschlich machen.
Die Thematik des Geo-Cachens, die sich bestimmend durch den Fall zieht, bringt Struktur in die Handlung, wirft gleichzeitig aber viele Fragen auf. Die Idee, einen Kriminalfall mit diesem Hobby zu verknüpfen, finde ich sehr interessant und sehr gelungen.
An manchen Stellen vermittelt der Thriller eine unangenehme Atmosphäre und wird gruselig. Wenn Beatrice sich allein in ihrer Wohnung befindet und der Fall wieder neue rätselhafte, widersprüchliche und abstoßende Wendungen nimmt, war die Lektüre nicht sommerlich leicht. Einen richtigen Schauder hat mir die Erzählung nicht über den Rücken jagen lassen, das stört mich persönlich aber nicht. Deswegen hat mir dieses Buch gut gefallen, alles wird im richtigen Maß angebracht.

Weitere Gedanken zu diesem Buch: Achtung, Spoiler!