Dies wird keine Rezension im eigentlichen Sinne.
Ich werde euch von meinem Leseerlebnis erzählen, über das Ende spoilern, Behauptungen darüber aufstellen, was der Autor wohl gesagt haben wollen würde hätte könnte, beziehungsweise was ich gedacht habe, als ich gelesen habe, was da mit Gregor Samsa passiert.
Kafka zu rezensieren, wie ich andere Bücher rezensiert habe, erscheint mir falsch. Gleichzeitig ist es auch nicht richtig, damit indirekt die Aussage zu treffen, er stehe höher als andere Autoren. Eine schwierige Sache. Ich fange einfach an.
Übrigens habe ich Die Verwandlung gelesen, weil ich mein CR in Köln vergessen hatte, als ich am Wochenende zu meinen Eltern gefahren bin. Dort stand es mit vielen anderen in meinem Regal und sprang mich förmlich an.
Handlung
Gregor Samsa wacht eines Morgens als riesiger Käfer in seinem Bett auf. Das kümmert ihn doch zunächst eher weniger, viel mehr erschrickt er darüber, dass er verschlafen hat. Seine Sorge um seinen Arbeitsplatz macht ihm zu schaffen. Nachdem sein Chef, der Prokurist, ihn als Käfer gesehen hat, ist an Arbeit nicht zu denken. Seine Eltern und seine Schwester, die Gregor bisher durchgebracht hat, müssen sich nun selbst helfen und Geld verdienen.
Interpretation (anstatt Meinung ;-))
Wie Gregor sein Käfer-Sein einfach nicht juckt, das wurmt mich :-D
Als er dann über sein Leben sinniert und über seine Arbeit, die ihm eigentlich zu anstrengend ist, könnte er auch mal darüber nachdenken, dass er so nicht arbeiten kann. Gregor unternimmt anstrengende Versuche, aus dem Bett zu kommen, und überlegt, was er seinem Chef sagen kann.
Er opfert sich für seine Familie auf, er ist der Ernährer und der Verantwortliche. Doch eigentlich gefällt ihm das nicht. Vielleicht ist seine Verwandlung eine Metapher für eine Veränderung, die in ihm vorgeht. Im Grunde will er sich nicht mehr aufopfern, am liebsten bliebe er im Bett. Auf Neumodisch würde ich sagen, er hat Burnout. Doch durch den Zwang seiner Umwelt muss er darüber nachdenken, was das bedeutet. Dass er eigentlich nicht aufhören kann zu arbeiten wegen einer Lappalie wie die Verwandlung in einen Käfer. Dass also eine Störung oder eine Krankheit ihn nicht abhalten können sollten. Doch sie können es. Gregor muss erkennen, dass er so nicht arbeiten und auch nicht am Familienleben teilnehmen kann.
Der Käfer wird von den anderen als eklig und abstoßend wahrgenommen. Seine Veränderung ist abstoßend, in dieser Deutung also auch sein Innenleben, sein Widerstreben. Seine Familie kommt nicht mit seiner Veränderung klar: Sie wissen nicht, wie sie reagieren sollen, sie zeigen ihm deutlich, was sie von seinem neuen Ich halten.
Doch einen wirklichen Vorwurf kann man ihnen kaum machen, denn ihr Sohn hat sich in einen widerwärtigen und nutzlosen Käfer verwandelt. So etwas ist ihnen noch nie untergekommen und woher sollen sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben? Die Verwandlung hat einen sehr großen Einfluss auf ihr eigenes Leben: sie werden arm. Die Liebe zu ihrem Sohn reicht nicht aus um den finanziellen Verlust auszugleichen.
Vielleicht gehe ich da etwas hart mit der Familie ins Gericht. Denn Gregor lässt sich selbst ziemlich hängen. Nach ein paar misslungenen Versuchen, Kontakt mit den anderen im Hause aufzunehmen und sich einzubringen, hört er auf zu essen. Meines Erachtens fehlt hier eine gegenseitige Unterstützung.
Dann habe ich einen Zusatz in meinem Buch gelesen, in dem eine Deutung steht. Back to Nature, um es so auszudrücken, aber auch weg vom menschlichen Zwang, weg vom erdrückenden Alltag. Doch der weitere Lauf der Geschichte und die (Nicht-)Interaktionen zwischen Gregor und den anderen Familienmitgliedern werden nicht erläutert.
Achtung, Spoiler zum Ende:
Das Ende dann ist die Erlösung für Gregor. Er kann nicht zurück in sein altes Ich, zumindest nicht ohne Hilfe. In meiner Interpretation hat er eine Störung, die sich über lange Zeit mit negativen Gedanken zu seinem Leben entwickelt haben mag. Oder die Verwandlung ist die Erkenntnis, dass er so nicht weitermachen kann und will. Aber eine Lösung gibt es nicht im Leben, sondern nur im Tod. Seine Umwelt, seine Familie, ist sein Verhängnis. Sie sind von ihm abgestoßen, von seinem neuen Ich, seiner Störung, seinen negativen Gedanken, seiner Nutzlosigkeit. Er findet sich ab mit seiner neuen Gestalt und damit, dass die anderen es schaffen, sich selbst zu ernähren. Trotz Rückschlägen und Auseinandersetzungen versucht er, weiterhin Teil der Familie zu sein. Doch er nimmt vielleicht auch zu viel Rücksickt, versteckt sich, damit sie ihn nicht sehen müssen.
Die Abneigung der anderen setzt sich wie ein Geschwür in ihm fest, wie der vom Vater geworfene Apfel, der in seinem Panzer steckt und dort verfault. Er schmerzt ihn. Aber einen Weg zurück gibt es nicht.
Tragisch, das Ganze, die Aussichtslosigkeit.
Andererseits: Die Familie schafft es dann doch, ohne Gregor genug zu verdienen. Wenn sie ihm nicht alle Last aufgebürdet hätten, hätte er sich dann in einen Käfer verwandelt?
Gefallen hat mir das Buch. Und es lässt mich mit Fragen zurück. Gute Sache, würde ich sagen.
Um es kurz doch noch zu tun: Spannungsbogen vorhanden, erstaunlich flüssig zu lesen, mäßig sympathische Charaktere, interessantes Thema. ;-)
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24. Januar 2017
28. Juni 2016
James Joyce: Dubliner
Labels:
jessyliest,
Klassiker,
Rezension
James Joyce: Dubliner. Anaconda Verlag GmbH 2015. Köln.
Originaltitel: Dubliners. 1914.
Wie meine Vorsicht vor dem „schwierigen“ Autor unbegründet war
Handlung
Dubliner ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Joyce zwischen 1904 und 1907 schrieb. Sie spielen in Dublin, der Heimatstadt des Autors, und handeln von verschiedenen Personen und ihrem Leben in der Stadt. Die Erzählungen handeln von ihrem Alltag, ihren tiefsten Gedanken und Wünschen.
Meinung
James Joyce ist bekannt für den Stream of Consciousness, den Bewusstseinsstrom. Duden definiert diesen so:
Erzähltechnik, bei der an die Stelle eines äußeren, in sich geschlossenen Geschehens eine assoziative Folge von Vorstellungen, Gedanken o. Ä. einer Romanfigur tritt*
Das trifft wirklich völlig auf die Erzählungen zu. Dennoch sind sie nicht ohne Handlung. Jede Geschichte betrachtet eine bestimmte Person und folgt ihrem Tun. Dabei halten sie oft inne und lassen ihre Gedanken schweifen, sinnieren über ihr Leben und welche Träume sie haben.
Dabei fängt der Autor das menschliche Wesen so gut ein, dass die seitenlangen Bewusstseinsströme absolut nicht langweilig sind. Denn die Figuren sind keine Helden, sie sind nicht geschönt oder absichtlich positiv dargestellt. Die Gedanken sind ehrlich und tiefgreifend. Die Männer und Frauen lassen ihr Leben Revue passieren und wünschen sich, manche Entscheidungen anders getroffen zu haben. Sie fragen sich, ob es in diesem Leben schon zu spät für sie ist oder ob sie etwas wagen sollten.
Zu Anfang war ich etwas irritiert und als verwöhnter Roman- und Happy-End-Leser auch verärgert, dass die Kurzgeschichten, wie sie es nach Definition eben tun, einfach aufhörten, oft ohne Lösung. Nach einer Eingewöhnungsphase konnte ich mich damit arrangieren und mit der Zeit fand ich es sogar gut.
Die Stimmung ist keine besonders fröhliche, denn die Figuren setzen sich mit sich selbst auseinander und reflektieren ihr Tun und Wollen. Trotzdem versprühen die Geschichten irgendwie den Charme Dublins. Es fallen Straßennamen und die Namen der Pubs und der Leser bewegt sich mit den Charakteren durch die Stadt.
Wie die Hauptfiguren feststellen, dass bei ihnen nicht alles einhundertprozentig gut läuft, gefällt mir gut. Heimlich ihren Gedanken zu lauschen und festzustellen, ich bin gar nicht der einzige Mensch, der unsicher ist, Entscheidungen in Frage stellt und große Wünsche hegt, das festzustellen, tut gut.
Oft genug schmunzelte ich über die Figuren. Sie sind so menschlich. Joyce schafft es, sich in die verschiedensten Charaktere und ihre Gefühle zu versetzen und sie dabei auch noch glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Ich kann gar nicht sagen, welche mir am besten gefallen hat, aber in Erinnerung ist mir besonders Eveline. Die junge, weibliche Hauptfigur ist drauf und dran ihr trübes, trauriges Leben gegen das Glück einzutauschen. Doch sie wankt in ihrer Entscheidung. Diese Stelle hat mich sehr berührt, denn zu oft ärgern wir uns über verpasste Chancen und Dinge, die wir hätten tun oder lassen sollen. Eveline steht an einem Wendepunkt. Und bleibt stehen. Das ist zwar nicht gut, aber so wunderbar nachvollziehbar für mich!
Insgesamt hat mir die Geschichten-Sammlung sehr gut gefallen, denn sie zeigt das menschliche Wesen in seinen vielen Facetten, dumm, kleinkariert, ängstlich, überheblich, schief, nervös. Die Bewusstseinsströme bringen die Figuren dem Leser so nah, wie es sonst nichts vermag. Und dadurch stelle ich fest: Ist schon alles in Ordnung.
____________
Quelle:
* http://www.duden.de/rechtschreibung/Stream_of_Consciousness
Originaltitel: Dubliners. 1914.
Wie meine Vorsicht vor dem „schwierigen“ Autor unbegründet war
Handlung
Dubliner ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Joyce zwischen 1904 und 1907 schrieb. Sie spielen in Dublin, der Heimatstadt des Autors, und handeln von verschiedenen Personen und ihrem Leben in der Stadt. Die Erzählungen handeln von ihrem Alltag, ihren tiefsten Gedanken und Wünschen.
Meinung
James Joyce ist bekannt für den Stream of Consciousness, den Bewusstseinsstrom. Duden definiert diesen so:
Erzähltechnik, bei der an die Stelle eines äußeren, in sich geschlossenen Geschehens eine assoziative Folge von Vorstellungen, Gedanken o. Ä. einer Romanfigur tritt*
Das trifft wirklich völlig auf die Erzählungen zu. Dennoch sind sie nicht ohne Handlung. Jede Geschichte betrachtet eine bestimmte Person und folgt ihrem Tun. Dabei halten sie oft inne und lassen ihre Gedanken schweifen, sinnieren über ihr Leben und welche Träume sie haben.
Dabei fängt der Autor das menschliche Wesen so gut ein, dass die seitenlangen Bewusstseinsströme absolut nicht langweilig sind. Denn die Figuren sind keine Helden, sie sind nicht geschönt oder absichtlich positiv dargestellt. Die Gedanken sind ehrlich und tiefgreifend. Die Männer und Frauen lassen ihr Leben Revue passieren und wünschen sich, manche Entscheidungen anders getroffen zu haben. Sie fragen sich, ob es in diesem Leben schon zu spät für sie ist oder ob sie etwas wagen sollten.
Zu Anfang war ich etwas irritiert und als verwöhnter Roman- und Happy-End-Leser auch verärgert, dass die Kurzgeschichten, wie sie es nach Definition eben tun, einfach aufhörten, oft ohne Lösung. Nach einer Eingewöhnungsphase konnte ich mich damit arrangieren und mit der Zeit fand ich es sogar gut.
Die Stimmung ist keine besonders fröhliche, denn die Figuren setzen sich mit sich selbst auseinander und reflektieren ihr Tun und Wollen. Trotzdem versprühen die Geschichten irgendwie den Charme Dublins. Es fallen Straßennamen und die Namen der Pubs und der Leser bewegt sich mit den Charakteren durch die Stadt.
Wie die Hauptfiguren feststellen, dass bei ihnen nicht alles einhundertprozentig gut läuft, gefällt mir gut. Heimlich ihren Gedanken zu lauschen und festzustellen, ich bin gar nicht der einzige Mensch, der unsicher ist, Entscheidungen in Frage stellt und große Wünsche hegt, das festzustellen, tut gut.
Oft genug schmunzelte ich über die Figuren. Sie sind so menschlich. Joyce schafft es, sich in die verschiedensten Charaktere und ihre Gefühle zu versetzen und sie dabei auch noch glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Ich kann gar nicht sagen, welche mir am besten gefallen hat, aber in Erinnerung ist mir besonders Eveline. Die junge, weibliche Hauptfigur ist drauf und dran ihr trübes, trauriges Leben gegen das Glück einzutauschen. Doch sie wankt in ihrer Entscheidung. Diese Stelle hat mich sehr berührt, denn zu oft ärgern wir uns über verpasste Chancen und Dinge, die wir hätten tun oder lassen sollen. Eveline steht an einem Wendepunkt. Und bleibt stehen. Das ist zwar nicht gut, aber so wunderbar nachvollziehbar für mich!
Insgesamt hat mir die Geschichten-Sammlung sehr gut gefallen, denn sie zeigt das menschliche Wesen in seinen vielen Facetten, dumm, kleinkariert, ängstlich, überheblich, schief, nervös. Die Bewusstseinsströme bringen die Figuren dem Leser so nah, wie es sonst nichts vermag. Und dadurch stelle ich fest: Ist schon alles in Ordnung.
____________
Quelle:
* http://www.duden.de/rechtschreibung/Stream_of_Consciousness
27. Juni 2016
Zitat zum Wochenstart
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Klassiker,
wochenstartzitat
8. Mai 2016
Lewis Carroll: Alice im Wunderland
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jessyliest,
Klassiker,
Phantastisches,
Rezension
Lewis Carroll: Alice in Wonderland. Wordsworth Editions Limited. Hertfordshire. 1993.
Erstveröffentlichung: Alice’s Adventures in Wonderland. 1865.

Wie ich endlich diesen Klassiker gelesen habe
Alice‘ Geschichte ist nun weitläufig bekannt, vielfach adaptiert worden und nichts Neues mehr. Sie ist zu einem Selbstläufer geworden, einem Klassiker. Die kleine Alice folgt einem weißen Kaninchen mit Taschenuhr in einen Kaninchenbau und fällt in eine Welt voller Merkwürdigkeiten.
Ich wusste nun also schon, was in der Geschichte passiert, und bin sehr voreingenommen an das Buch herangegangen. Es hat mich deswegen von der Handlung her nicht umgehauen und hat für mich an manchen Stellen ein bisschen geschwächelt. Das holt die Lektüre aber an anderen Stellen wieder raus!
Die Handlung also war bekannt, doch natürlich sind mir auch Unterschiede zu den einzelnen Verfilmungen aufgefallen. Dennoch ist die Grundidee immer dieselbe. Alice stolpert durch Wunderland und begegnet phantastischen Kreaturen, die merkwürdige Spiele veranstalten und unsinnige Gespräche führen. Die einzelnen Etappen auf Alice‘ Odyssee könnten ein klein wenig mehr miteinander und untereinander verbunden sein. So sind sie eine Aneinanderreihung von Szenen. Diese Szenen aber sind wunderbar! Es ist herrlich, wie Carroll mit Worten, Figuren und logischen Zusammenhängen spielt und Alice in Abenteuer schickt, die absurd und sinnvoll zugleich sind. Besonders die Teeparty mit dem Hutmacher gefällt mir besonders gut.
"Where did they draw the treacle from?"
"You can draw water out of a water-well," said the Hatter; "so I should think you could draw treacle out of a treacle-well - eh, stupid?"
"But they were in the well," Alice said to the Dormouse, not choosing to notice this last remark.
"Of course they were," said the Dormouse; "- well in."
This answer so confused poor Alice, that she let the Dormouse go on for some time without interrupting it.
"They were learning to draw," the Dormouse went on, ywaning and rubbing its eyes, for it was getting very sleepy; "and they drew all manner of things - everything that begins with an M -"
"Why with an M?" said Alice.
"Why not?" said the March Hare.
Alice was silent.
The Dormouse had closed its eyes by this time, and was going off into a doze; but, on being pinched by the Hatter, it woke up again with a little shriek, and went on: " - that begins with an M, such as mouse-traps, and the moon, and memory, and muchness - you know you say things are "much of a muchness" - did you ever see such a thing as a drawing of a muchness?"
"Really, now you ask me," said Alice, very much confused, "I don't think -"
"Then you shouldn't talk," said the Hatter.
(Seite 77)
Das Mädchen selbst ist beharrlich und etwas stur. Sie pocht gern auf ihre Meinung und die Dinge, die sie gelernt hat. Sie stellt damit einen passenden Kontrast zur entrückten Wunderwelt dar, in der die Figuren mit ihrer ganz eigenen Logik leben und ihren Alltag ziemlich sonderbar verbringen. Alice lässt sich nicht alles gefallen, aber sie ist ebenso begeistert bei allen Spielen und Veranstaltungen dabei.

Die anderen Figuren sind uns allen auch bereits bekannt. Der verrückte Hutmacher, der mit dem Märzhasen und der Schlafmaus Tee trinkt, kommt tatsächlich im Buch nicht ganz so sympathisch rüber, wie Johnny Depp ihn aufstellt. Die Rote Königin, oder Herzkönigin, lässt jeden köpfen, der nicht ihrer Meinung ist oder das königliche Croquet-Spiel aufhält. Das ist ziemlich brutal und Alice geht über die Tatsache, dass mehrere Figuren zur Hinrichtung abtransportiert werden, gelassen hinweg.
"But I don't want to go among mad people," Alice remarked.
"Oh, you can't help that," said the Cat: "we’re all mad here. I'm mad. You're mad."
"How do you know I'm mad?" said Alice.
"You must be," said the Cat, "or you wouldn't have come here."
(Seite 67)
Die Grinsekatze aber ist mir im Buch genauso lieb wie in der Filmversion von Tim Burton in Zusammenarbeit mit Disney. Obwohl sie unablässig verschwindet und wieder erscheint, ist sie die einzige, mit der Alice sich einigermaßen normal unterhalten kann. Dennoch verliert sie einen gewissen Charme nicht, denn sie beobachtet das Geschehen aus der Entfernung und begleitet Alice durch das Buch. Ich liebe diese Katze einfach :-D
Der Stil ist ansprechend und lustig. Besonders die Gespräche zwischen den Figuren sind genial, wenn sie Alice‘ Logik auf den Kopf stellen. Zwischendurch aber ist mir aufgefallen, dass es wie eine Erzählung wirkt, die einfach runtergeschrieben wurde. Informationen werden dem Satz am Ende angehängt, so dass ich ihn erst verstand, als ich ihn noch einmal las. Erklärungen werden oft in einer Klammer hinzugefügt. Das ist an manchen Stellen ein interessanter Stil, an anderen verwirrend.
Insgesamt also ist das Buch wundervoll und gespickt mit lustigen und herrlich verrückten Dingen. Über einige Aussagen habe ich länger nachgedacht und mit Sicherheit ist Alice im Wunderland keine reine Kindergeschichte. Als Leser muss man eben damit klar kommen, dass man die Geschichte schon kennt. Doch es gibt einige schöne Passagen, die in den Adaptionen nicht vorkommen, und außerdem ist ein geschriebenes Werk, in dem man die Gedanken der Hauptfigur nachverfolgen kann, natürlich etwas ganz anderes.
Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!
Erstveröffentlichung: Alice’s Adventures in Wonderland. 1865.

Wie ich endlich diesen Klassiker gelesen habe
Alice‘ Geschichte ist nun weitläufig bekannt, vielfach adaptiert worden und nichts Neues mehr. Sie ist zu einem Selbstläufer geworden, einem Klassiker. Die kleine Alice folgt einem weißen Kaninchen mit Taschenuhr in einen Kaninchenbau und fällt in eine Welt voller Merkwürdigkeiten.Ich wusste nun also schon, was in der Geschichte passiert, und bin sehr voreingenommen an das Buch herangegangen. Es hat mich deswegen von der Handlung her nicht umgehauen und hat für mich an manchen Stellen ein bisschen geschwächelt. Das holt die Lektüre aber an anderen Stellen wieder raus!
Die Handlung also war bekannt, doch natürlich sind mir auch Unterschiede zu den einzelnen Verfilmungen aufgefallen. Dennoch ist die Grundidee immer dieselbe. Alice stolpert durch Wunderland und begegnet phantastischen Kreaturen, die merkwürdige Spiele veranstalten und unsinnige Gespräche führen. Die einzelnen Etappen auf Alice‘ Odyssee könnten ein klein wenig mehr miteinander und untereinander verbunden sein. So sind sie eine Aneinanderreihung von Szenen. Diese Szenen aber sind wunderbar! Es ist herrlich, wie Carroll mit Worten, Figuren und logischen Zusammenhängen spielt und Alice in Abenteuer schickt, die absurd und sinnvoll zugleich sind. Besonders die Teeparty mit dem Hutmacher gefällt mir besonders gut.
"Where did they draw the treacle from?""You can draw water out of a water-well," said the Hatter; "so I should think you could draw treacle out of a treacle-well - eh, stupid?"
"But they were in the well," Alice said to the Dormouse, not choosing to notice this last remark.
"Of course they were," said the Dormouse; "- well in."
This answer so confused poor Alice, that she let the Dormouse go on for some time without interrupting it.
"They were learning to draw," the Dormouse went on, ywaning and rubbing its eyes, for it was getting very sleepy; "and they drew all manner of things - everything that begins with an M -"
"Why with an M?" said Alice.
"Why not?" said the March Hare.
Alice was silent.
The Dormouse had closed its eyes by this time, and was going off into a doze; but, on being pinched by the Hatter, it woke up again with a little shriek, and went on: " - that begins with an M, such as mouse-traps, and the moon, and memory, and muchness - you know you say things are "much of a muchness" - did you ever see such a thing as a drawing of a muchness?"
"Really, now you ask me," said Alice, very much confused, "I don't think -"
"Then you shouldn't talk," said the Hatter.
(Seite 77)
Das Mädchen selbst ist beharrlich und etwas stur. Sie pocht gern auf ihre Meinung und die Dinge, die sie gelernt hat. Sie stellt damit einen passenden Kontrast zur entrückten Wunderwelt dar, in der die Figuren mit ihrer ganz eigenen Logik leben und ihren Alltag ziemlich sonderbar verbringen. Alice lässt sich nicht alles gefallen, aber sie ist ebenso begeistert bei allen Spielen und Veranstaltungen dabei.

Die anderen Figuren sind uns allen auch bereits bekannt. Der verrückte Hutmacher, der mit dem Märzhasen und der Schlafmaus Tee trinkt, kommt tatsächlich im Buch nicht ganz so sympathisch rüber, wie Johnny Depp ihn aufstellt. Die Rote Königin, oder Herzkönigin, lässt jeden köpfen, der nicht ihrer Meinung ist oder das königliche Croquet-Spiel aufhält. Das ist ziemlich brutal und Alice geht über die Tatsache, dass mehrere Figuren zur Hinrichtung abtransportiert werden, gelassen hinweg.
"But I don't want to go among mad people," Alice remarked.
"Oh, you can't help that," said the Cat: "we’re all mad here. I'm mad. You're mad."
"How do you know I'm mad?" said Alice.
"You must be," said the Cat, "or you wouldn't have come here."
(Seite 67)
Die Grinsekatze aber ist mir im Buch genauso lieb wie in der Filmversion von Tim Burton in Zusammenarbeit mit Disney. Obwohl sie unablässig verschwindet und wieder erscheint, ist sie die einzige, mit der Alice sich einigermaßen normal unterhalten kann. Dennoch verliert sie einen gewissen Charme nicht, denn sie beobachtet das Geschehen aus der Entfernung und begleitet Alice durch das Buch. Ich liebe diese Katze einfach :-D
Der Stil ist ansprechend und lustig. Besonders die Gespräche zwischen den Figuren sind genial, wenn sie Alice‘ Logik auf den Kopf stellen. Zwischendurch aber ist mir aufgefallen, dass es wie eine Erzählung wirkt, die einfach runtergeschrieben wurde. Informationen werden dem Satz am Ende angehängt, so dass ich ihn erst verstand, als ich ihn noch einmal las. Erklärungen werden oft in einer Klammer hinzugefügt. Das ist an manchen Stellen ein interessanter Stil, an anderen verwirrend.
Insgesamt also ist das Buch wundervoll und gespickt mit lustigen und herrlich verrückten Dingen. Über einige Aussagen habe ich länger nachgedacht und mit Sicherheit ist Alice im Wunderland keine reine Kindergeschichte. Als Leser muss man eben damit klar kommen, dass man die Geschichte schon kennt. Doch es gibt einige schöne Passagen, die in den Adaptionen nicht vorkommen, und außerdem ist ein geschriebenes Werk, in dem man die Gedanken der Hauptfigur nachverfolgen kann, natürlich etwas ganz anderes.
Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!
26. Februar 2016
Jane Austen: Stolz und Vorurteil
Labels:
jessyliest,
Klassiker,
Liebesgeschichte,
Rezension
Jane Austen: Stolz und Vorurteil. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co KG. München. 1997. Welttag des Buches 2012 Ausgabe.
Originalausgabe: Pride and Prejudice. London. 1813.
Elizabeth Bennet und ihre vier Schwestern leben noch bei
ihren Eltern. Ihre Mutter ist ganz versessen darauf, sie zu verheiraten, weil
sie nach dem Tod des Vaters nicht viel erben werden. Als ein neuer Nachbar
einzieht, jung, reich und gutaussehend, setzt sie alles daran, ihre Töchter mit
ihm bekannt zu machen. Elizabeth nimmt das Ganze gelassener und sieht nicht
ein, warum sie ohne Liebe heiraten sollte. Aber dann trifft sie einen Mann, der
sie beeindruckt.
Meinung
Stolz und Vorurteil ist ein ganz wunderbares Buch, und das
hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Natürlich ist es bereits über 200
Jahre alt und die Sprache erfordert etwas Konzentration. Aber die
Charakterzeichnungen sind einfach nur gelungen. Die etwas überzogenen Aussagen
und Handlungen der verschiedenen Figuren haben mich zum Lachen gebracht.
Die Handlung mag nicht so actionreich geladen sein wie die
heutiger Romane. Dennoch geschieht eine Menge und nachdem ich mich eingelesen
hatte, musste ich wissen, wie es weiter geht. Austen hält die Spannung hoch und
fesselte mich ans Buch. Es geht um die Beziehungen zwischen den Menschen und
die Liebe, die sich ihren Weg bahnt durch die damalige Gesellschaft.
Die Figuren sind wie gesagt höchst amüsant. Elizabeth selbst
beobachtet die anderen und versucht, mit ihrer hochzeitswütigen Mutter, ihrem
sehr ruhigen Vater, ihren unterschiedlichen Schwestern und den Männertypen
ihrer Welt klarzukommen. Am lustigsten sind ihre Mutter, die sich die Welt
dreht, wie sie ihr gefällt, und Mr. Collins, der absolut nicht merkt, wie er
auf andere wirkt. Es ist wunderbar! :-D
Der Stil besteht oft aus längeren Sätzen und Passagen. Für
heutige Verhältnisse wirken die wörtlichen Reden gestelzt, doch wenn man sich
daran erinnert, dass der Roman 200 Jahre alt ist, kommt man gut damit zurecht.
Insgesamt ist Stolz und Vorurteil ein tolles Buch über
Menschen und über die Liebe, die sich nicht an Standesgrenzen hält. Es ist
spannend, wie die Charaktere aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts denen unserer
Zeit sehr ähneln. Und der romantische Aspekt dieser Geschichte hat mein inneres
Mädchen vollauf zufrieden gestellt ;-)
Euch auch?
Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!
8. Februar 2016
Zitat zum Wochenstart
Labels:
jessyliest,
Klassiker,
wochenstartzitat
27. Dezember 2015
Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer
Labels:
jessyliest,
Klassiker,
Rezension
Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer.
Originaltitel:
The Old Man and the Sea. Penguin Classics. First published 1952.
Wie ich mich lange fragte, was das geben soll
Handlung
Santiago ist ein alter, verwitweter Fischer, der seit
vierundachtzig Tagen nichts mehr gefangen hat. Doch er glaubt fest daran, dass
sein Glück ihn bald wiederfindet. Ein Junge kümmert sich um ihn und dass er
genügend Schlaf und Nahrung bekommt. Auf See ist der alte Mann allein. Und diesmal
fährt er weiter raus als je zuvor.
Meinung
Da dieses Buch ein Klassiker ist, war es schon lange auf
meinem SuB, und endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen. Ich wusste, dass es
sich um eine Kurzgeschichte handelt, die gemäß der Definition einen offenen
Anfang und ein offenes Ende hat. Dies trifft hier zu. Doch kurz ist die Geschichte
nicht. Sie erzählt vom Hoffen und Streben mit und gegen die Natur.
Die Handlung beginnt im Hafen von Havanna und der Leser
erfährt vom Unglück des Fischers, aber auch von dem Jungen, der auf ihn Acht
gibt. Weil Santiago lange nichts gefangen hat, macht er sich beim nächsten Fischerausflug
auf den Weg weit hinaus aufs Meer. Er ist arm und kann sich weder ein Radio
noch eine moderne Ausrüstung leisten, doch was sich dann an seinem Angelhaken
befindet, ist ihm noch nie untergekommen. Zwischendurch war ich hin und
hergerissen, denn in der Geschichte gibt es einen Abschnitt, in dem kaum etwas
passiert und sich die Gedanken und Beschreibungen wiederholen. In diesem Teil
war ich unsicher, was es mit der Geschichte auf sich hat. Es zog sich ein klein
wenig, doch ansonsten ist es ein bisschen märchenhaft zu lesen.
Die Hauptfigur Santiago, der alte Mann, hat mein Mitleid
erregt, denn er ist arm und verwitwet und hat dazu eine Pechsträhne. Doch er
ist zäh und das Buch handelt davon, wie er hofft und glaubt und sich auf sich
selbst verlässt. Sein Streben ist das Hauptmotiv. Es geht um seine Hoffnung und
der Leser bangt mit ihm um Glück und Unglück.
Insgesamt überzeugt mich die Geschichte mit seiner
Beschreibung des alten Mannes und seinen Gedanken und Wünschen. Sie lässt sich
gut lesen und birgt einige Passagen, die mich zum Nachdenken gestimmt haben. Durch
die eine etwas langgezogene Passage ziehe ich eine Seifenblase ab.
Weitere Gedanken zum Buch: Achtung Spoiler!
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