22. Juli 2018

3 Jahre Jessys Momente, 23 Jahre lesen


Es war ruhig hier die letzten zwei Monate. Auch auf Instagram war ich weniger aktiv. Ich erzähle euch, warum:

Anfang Mai habe ich einen neuen Job angefangen. Dieses Mal bin ich wieder in die Heimat gezogen und ich fühle mich unglaublich wohl. Ein wenig Bedenken hatte ich schon, wo ich zuvor in Frankfurt am Main und in Köln gewohnt habe. Aber es ist schon schön, wieder zu Hause zu sein :-)

Ein neuer Job schlaucht zu Anfang immer erst und auch in der Freizeit denkt man darüber nach. Ich lerne sehr viel über Online-Redaktion, Keywords, Texten, Analyse-Software, Satzlänge und so weiter. Die Arbeit gefällt mir und die Kollegen sind sehr nett. Das ist ja die halbe Miete, wie ihr wisst.

Außerdem bin ich umgezogen und habe zum ersten Mal eine Wohnung für mich allein in Unna. Das ist wunderbar, ich fühle mich richtig zu Hause. Und zum allerersten Mal seit neun Jahren habe ich alle meine Bücher wieder an einem Ort. Das mag Nicht-Bücherwürmern unwichtig vorkommen. Ihr habt keine Ahnung ;-)

Und zu guter Letzt bin ich neulich 30 geworden. Tatsächlich bedeutet mir die Zahl gar nichts, ich habe nicht das Gefühl, ich müsste noch was machen. Oder ich sei alt und habe alles Mögliche verpasst. Vielleicht liegt das daran, dass gerade so viel anderes vor sich geht. Trotzdem musste ich eine kleine Sause schmeißen und das hat auch viel Zeit und Kapazität eingenommen.

Bei mir war also viel los. Zum Lesen bin ich da auch weniger gekommen. Dennoch:


Jessys Momente wird dieses Wochenende drei Jahre alt!
Das sind drei Jahre Rezensionen, Specials, Zitate, Gedanken und Ideen rund um die Buchwelt.
Und es macht mir immer noch Spaß :-)

Es gibt aber eine kleine Änderung. Mehr einen Zusatz.
Was mich vom Lesen auch viel abhält, sind Serien. Ich fühle mich manchmal richtig schlecht, wenn ich wieder Netflix oder Prime anschmeiße, anstatt ein Buch aufzuschlagen. Aber eigentlich sind auch das Geschichten. Und sie machen viel Spaß. Deswegen werde ich in Zukunft auch andere Dinge als Bücher vorstellen, zum Beispiel Serien. Oder Spiele, wie ich es schon mit What Remains of Edith Finch oder Hogwarts Mystery gemacht habe.

Der Fokus soll aber beim Lesen und den Büchern bleiben. Die Specials werden sich weiterhin um die Buchwelt drehen. Und ich werde mir in meinem Offline-Leben wieder mehr Zeit fürs Schmökern nehmen. Das Lesen ist immerhin seit 23 Jahren Teil meines Lebens. Bücher an sich waren es natürlich von der ersten Sekunde an. Aber vor 23 Jahren bin ich eingeschult worden und habe gelernt, aus den Buchstaben Wörter und Geschichten zu machen. Eine lange Zeit, in der ich schon lesen kann. Ein volles Bücherregal, das sich in der Zeit angesammelt hat ...

Soviel zu einem kleinen Statusupdate. Ich hoffe, ihr lest fleißig weiter. Den Blog und die Bücher ;-)


20. Mai 2018

Bilderreihe: 15 Mal Dystopie

Bei dem guten Wetter habe ich ein paar Fotos gemacht, die ich auf Instagram posten möchte. Aber ich dachte mir, die passen auch ganz schön hierher und deshalb seht ihr sie als Erste. Es geht um eine Dystopie-Fotoreihe, mein Lieblingsgenre. Mögt ihr das Genre? Habt ihr eins von den Büchern gelesen? Welches ist noch auf eurem SuB?















13. Mai 2018

Muttertag in der Jugendliteratur: Wo sind sie hin?

Mai-Special

Zum Muttertag wollte ich etwas schreiben über Mutterfiguren. Positive, negative, unterstützende, liebevolle, nervige. Ich stand also vor meinem Regal und schaute die Bücher an. Und stellte fest: Mütter in Jugendliteratur glänzen durch Abwesenheit. Schauen wir uns das im Detail an. (Achtung, hier wird bedingt gespoilert.)

Kategorie 1 von 2: Mütter verschwinden

Cornelia Funke: Tintenherz

Maggie lebt bei ihrem Vater, weil ihre Mutter durch einen Zauber verschwand. Sie erinnert sich nicht wirklich an sie. Ohne dass Maggie es weiß, ist ihr Vater Mo auf der Suche nach seiner Frau und somit treibt die Liebe der Frau und Mutter die Geschichte voran.

Veronica Roth: Divergent

Tris lebt bei ihren Eltern und ihre Mutter bringt ihr Liebe und Zuneigung entgegen. Sie versucht, ich zu helfen und sie zu unterstützen. Im Verlauf der Geschichte aber zieht Tris zu den Dauntless, fort von ihrer Familie. Beim einzigen Treffen mit ihrer Mutter findet das Mädchen heraus, dass diese einige Geheimnisse vor ihr hatte. Sie entfernt sich so auch emotional von ihr. Am Ende muss Tris zuschauen, wie ihre Mutter erschossen wird und muss nun endgültig ohne sie auskommen. Trotzdem kann sie auf den positiven Erfahrungen aus der Vergangenheit aufbauen. Das wird besonders am Ende des dritten Buches deutlich.

Joanne K. Rowling: Harry Potter

Harry ist ein Waisenjunge und wohnt bei seinen Verwandten. An seine Mutter hat er keine Erinnerung, aber früh erfährt er, dass seine Eltern ihn geliebt haben. Die Sehnsucht nach ihnen treibt Harry vor den Spiegel Nerhegeb. Die geisterhaften Gestalten seiner Eltern helfen ihm im Kampf gegen Voldemort, sowohl im vierten als auch im siebten Buch. Obwohl James und Lilly Potter tot sind, möchte Harry sie stolz machen und fühlt sich durch Zauber mit ihnen verbunden. Oft genug wird Harry erzählt, dass er innerlich und äußerlich viel Ähnlichkeit mit den beiden hat. Sie stärken ihn.

Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne

In diesem Jugendbuch löst der Tod der Mutter die Geschichte an sich aus. Ihre beiden Kinder verändern sich stark und trauern um sie. Obwohl sie nicht mehr da ist, beeinflussen ihre früheren Handlungen immer noch den Plot. Die Jugendlichen und der Vater müssen das Bild von ihr ständig neu erfinden und sich trotzdem von ihr lösen, um ihr eigenes Leben fortzuführen.

Amy Ewing: Das Juwel

Violet wird ihrer Familie entrissen, um als Surrogate missbraucht zu werden. Bereits zu Beginn des Buches ist sie selbstständig und hat sich emotional von ihrer Mutter entfernt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist die Mutter kaum noch relevant. Stattdessen übernimmt Violet die Rolle der Beschützerin für ihre Schwester Hazel. Durch die Abwesenheit der Mutter wächst die Hauptfigur selber zu einer Art Schutzengel für die Jüngere heran.

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem

Dasselbe Prinzip treffen wir bei den Hunger Games an. Katniss hat von Anfang an die Mutterrolle für Prim inne und opfert sich sogar für ihre Schwester. Danach muss sie sich aber von beiden räumlich entfernen. Einzig der Gedanke, dass sie diese wichtige Rolle für Prim spielt, lässt sie kämpfen. Das alles gewinnt überhaupt an Gewicht, weil ihre eigentliche Mutter ihre Pflichten vernachlässigt.


Kategorie 2 von 2: Mütter? Gibt es hier nicht.

James Dashner: Maze Runner

In dieser Dystopie gibt es – zunächst – gar keine Erwachsenen. Die Jugendlichen sind auf sich gestellt und müssen über sich hinauswachsen. Sie werden nicht angeleitet von Ratschlägen, Rollenbildern oder Fürsorge. Das lässt sich schnell erwachsen werden und sich selbst Kraft geben.

Terry Pratchett: Maurice, der Kater

Obwohl in diesem Buch zwei Kinder große Rollen spielen, sind deren Mütter und auch Väter gar nicht zugegen. Der Leser erfährt auch nichts von Keiths Familie. Die beiden und auch die tierischen Figuren müssen sich selbst aus jeglichem Schlamassel befreien und können nicht auf die Hilfe oder Ratschläge einer Mutter hoffen.

Ursula Poznanski: Die Verratenen

Ria wächst als Waise auf und ihr fällt das zunächst gar nicht so sehr auf. Sie hat Lehrer und Vertraute, die ihr zur Seite stehen. Als sie jedoch mehr über ihre Vergangenheit erfährt und das Konzept einer Familie kennenlernt, fragt sie sich nach ihrer Herkunft. Trotzdem ist sie in der Lage, für sich selbst zu sorgen und sich aus gefährlichen Situationen zu retten.

Kai Meyer: Arkadien

Die Hauptfigur dieser Trilogie ist ganz bewusst eigenständig und allein unterwegs. Rosa ist tough und fühlt sich niemandem zugehörig. Im Verlauf der Geschichte lernt der Leser, dass ihr dennoch etwas fehlt und sie auf der Suche nach einer Bezugsperson ist. Sie muss über ihren Schatten springen und allein herausfinden, wer und was ihr hilft.

Kai Meyer: Die fließende Königin

Hier wird wieder mit dem Waisen-Motiv gearbeitet. Merle arbeitet wie viele andere Jugendliche für magische Handwerker und alle sind sie auf sich gestellt beziehungsweise aufeinander angewiesen, wenn es um so etwas wie Familie geht. Das Mädchen gerät unabsichtlich in ein rasantes Abenteuer, in dem sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für die jüngere Junipa kämpft.

Mütter sind in der Jugendliteratur grundsätzlich ein wichtiger Faktor. Für Heranwachsende gehören sie zum Leben und Mutterfiguren treffen die Realität der Leser. Was die Hauptcharaktere in den Büchern aber stark macht, ist die Abwesenheit der Mütter. In der zweiten Kategorie kämpfen sich die Jugendlichen von vorn herein allein durch das Leben und die Abenteuer. Weil sie auf sich gestellt sind, wachsen sie über sich hinaus. Sie müssen selbst bestehen und können sich nicht auf den Rat einer Mutter verlassen. Die Charaktere aus Kategorie 1 hatten das Glück, mütterliche Fürsorge und Ratschläge zu bekommen oder fühlen sich ihnen zumindest verbunden. Trotzdem müssen auch sie früher oder später ohne eine Mutter, und oft auch ohne Vater, auskommen. Die emotionale und räumliche Trennung stellt sie auf eine Probe, die sie allein bestehen müssen. Plötzlich müssen auch sie für sich selbst und nicht selten auch für andere kämpfen.

Eine Ablösung von der Mutter und vom Elternhaus an sich ist etwas, das auch die Zielgruppe beschäftigt, die gerade erwachsen wird und von nun an für sich selber einstehen muss. Die Hauptcharaktere sind zunächst davon gehemmt oder lernen noch, allein klarzukommen. Die harte Probe aber lässt sie wachsen und ihre Grenzen übertreten. Sie schaffen es, ihre Abenteuer ohne mütterliche Hilfe zu bestehen, und werden zum Helden der Geschichte.

Liebe Mütter! Leider seid ihr in der Jugendliteratur eher abwesend, das liegt in der Sache der Pubertät. Trotzdem sind eure Liebe und eure Ratschläge der Motor, der viele der Hauptfiguren antreibt. Wenn die Charaktere ihr Abenteuer allein bestehen, dann habt ihr euren Job richtig gemacht. Danke für eure Unterstützung, die selbst dann greift, wenn ihr nicht da seid. In den Geschichten wie im wahren Leben.

5. Mai 2018

Marah Woolf: Bookless

Eine neue Buchreihe über Bücher! So etwas musste in mein Regal. Was gibt es Schöneres, als von anderen Menschen zu lesen, wie sehr sie Bücher mögen? Wenig. Aber ob man unbedingt immer eine Geschichte drum herum schmieden muss ...






Daten: Oetinger Taschenbuch, Hamburg, 2017, 8,99 €, 336 Seite, Teil 1 von 3


Handlung

Lucy wohnt seit Kurzem in London, besucht das College und arbeitet in der London Library. Schon als kleines Kind in einem Waisenhaus liebte sie Bücher mehr als alles andere und sich mit Literatur zu beschäftigen ist ihr größter Wunsch. Als im Archiv der Bücherei plötzlich Exemplare vor ihren Augen leer werden und nur noch aus unbedruckten Seiten bestehen, ist sie ratlos. Und dass sich außer ihr auch niemand mehr an die Titel erinnert, ist alarmierend. Hat ihre neue Bekanntschaft Nathan damit zu tun? Warum brennt ihr buchförmiges Mal am Handgelenk plötzlich? Und sprechen wirklich die Bücher zu ihr?

Meinung

Bookless ist ein liebevoller und niedlicher Jugendroman, der die Faszination für das geschriebene Wort in der Vordergrund stellt. Es geht vor allem um die Beziehung zwischen Lucy und den Büchern. Diese wird beeinflusst von ihrer verborgenen Vergangenheit und ihrer Fähigkeit, mit Büchern zu kommunizieren. Die Geschichte ist spannend, das Thema ist toll, aber die Charaktere sind flach.

Die Handlung hat mich Seite um Seite umblättern lassen und erreichte durch verschiedene Cliffhanger und Ereignisse ein flottes Tempo. Nach einigen Seiten wechselt auch die Erzählperspektive und der Leser verfolgt die Geschichte aus der Sicht anderer Figuren. Das ist ein interessanter Kniff und in Jugendbüchern gar nicht selten, es gefällt mir jedoch nicht ganz so gut. Ich habe viel mehr erfahren, als die Hauptfigur Lucy weiß. An manchen Stellen wird die Handlung dadurch spannend und man möchte dem Mädchen zurufen, doch anders zu handeln. Trotzdem finde ich es meist schöner, alles gemeinsam mit einer Figur aufzudecken. Ich sehe hier leider keinen besonderen Grund, die Perspektive zu wechseln. Der Spannungsbogen ist von Anfang an relativ weit oben und steigert sich dann auch nicht mehr viel. Langweilig jedoch wird es nicht. Da das Ganze als Trilogie angelegt ist, endet der erste Band auch mit einem Cliffhanger.

Die Figuren sind extrem stereotypisch und leider konnte ich manchmal auch ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Sie denken nicht nach, bevor sie etwas tun, und oft reicht ein kleines Wort und sie sind von einer anderen Meinung überzeugt. Es wirkt, als seien sie keine richtigen Menschen, sondern unterstützten mit bestimmten Handlungen und Dialogen lediglich die Story. Zwar bekommt der Leser einen Einblick in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Personen, diese aber stehen felsenfest und doch unbegründet da. Ich habe mich auch gefragt, für welches Alter dieses Buch sinnvoll ist. Lucy ist 17 Jahre alt und entwickelt durchaus romantische Gefühle, die diesem Alter entsprechen. Der Rest der Geschichte aber und viele Handlungen der Figuren würden mich auf ein Buch für Kinder und Jugendliche zwischen elf und 14 Jahren schließen lassen.

Das Thema ist natürlich wundervoll. Bücherliebe trifft die Zielgruppe genau ins Herz und fängt dadurch viele Sympathisanten. Lucys Liebe zum geschriebenen Wort kommt auch gut und glaubwürdig rüber. Die Beschreibung der Bibliothek und des riesigen, fast schon geheimen Archivs ist sehr romantisch und machen das Buch an den Stellen zu einem großen Lesevergnügen. Die Erklärungen für die mystischen Begebenheiten finde ich noch sehr rar und sie wirken leider etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich verstehe noch nicht wirklich, was da im Hintergrund vor sich geht.

Insgesamt bin ich mit dem Buch also mäßig zufrieden. Der wichtigste Grund für den Punkteabzug sind die Figuren, die sich einseitig, stereotyp und manchmal nicht nachvollziehbar verhalten. Die ganze Geschichte rund um die verschwundenen Bücher ist phantasievoll, aber auch gekünstelt. Gerne hätte ich schon im ersten Band mehr Erklärungen bekommen, was in der Vergangenheit passiert ist und warum sich wer wie verhält. Das haben leider auch die (dadurch) unnötigen Perspektivwechsel nicht wirklich gebracht. Die Spannung allerdings und der Lesefluss sind so gut gelungen, dass ich das Buch sehr schnell durchgelesen habe und auch in Erwägung ziehe, die anderen Teile zu lesen.

Bookless von Marah Woolf ist also ein Hin- und Hergerissensein zwischen guter Spannung und langweiligen Figuren.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

28. April 2018

Was soll ein Lieblingsbuch sein?

April-Special

Ja, was soll so ein Lieblingsbuch sein?
Von den unzähligen Büchern, die es auf der Welt gibt, sollte es auch für jeden ein Buch geben, das er sein Lieblingsbuch nennen kann. Immerhin ist die Anzahl ja schier unendlich. Wer soll sie alle zählen, die alten Schinken, die neuen Ebooks, die nicht verzeichneten selfgepublishten? Immerhin liest ja auch kaum jemand seine eigene (große) Bibliothek komplett. Oder wer besitzt (oder besaß) nur Bücher, die er auch gelesen hat? Ich nicht.

Die Auswahl ist also groß. Trotzdem fällt es schwer, ein Lieblingsbuch zu nennen.
Fragt man mich, schieße ich direkt meine Antwort los: The amazing Maurice and his educated Rodents von Terry Pratchett. Dann füge ich hinzu: Also, ich meine, Harry Potter steht ja irgendwie außer Konkurrenz. Weil es mich geprägt hat. Es ist ja auch ein ganz anderes Buch. Vorletztes Jahr habe ich eine neue coole Buchreihe gelesen, die hat mich auch besonders berührt. Also, mein Lieblingsgenre sind ja Dystopien ...

Was sind die Kriterien für ein Lieblingsbuch?
Soll es spannend sein? Soll es mich mitreißen? Muss es mich zum Weinen bringen? Sollte die Hauptfigur sympathisch sein? Soll ich mich darin wohl fühlen? Muss ich mich im Nachhinein an jedes Detail erinnern können? Wie oft muss ich so ein Lieblingsbuch gelesen haben?
Für jeden spielt ein anderes Kriterium eine wichtige Rolle. Meine Mutter kann sich meist nicht einmal an die Namen der Hauptfiguren erinnern. Trotzdem weiß sie, welches Buch ihr gefällt und warum. (Zu ihrer Verteidigung: Sie liest wirklich viel und schnell.)

Was lesen wir so?
Der Spiegel veröffentlicht Bestsellerlisten in verschiedenen Kategorien (Belletristik und Sachbuch als Hardcover, Softcover und Taschebuch und eine Liste für Kinderbücher und Jugendbücher). Auf den Listen tummeln sich viele verschiedene Genres. Romane, Krimis, Lustiges und Romantisches. Aber nur weil sich ein Buch oft verkauft, wird es nicht automatisch zum Lieblingsbuch. Der Bestseller mag vielen Leuten gut gefallen. Aber bringt er Zeug zum absoluten persönlichen Bestseller mit?

Eine private, kleine, absolut nicht repräsentative Umfrage unter meinen engsten Freunden hat ergeben, dass es nicht das eine Lieblingsbuch gibt. Stattdessen würde es ihnen, und mir, leichter fallen, einzelne Lieblingsdinge zu benennen. Zum Beispiel eine Lieblingsfigur, ein Lieblingssetting, ein Lieblingsautor, Schreibstil, Genre, Atmosphäre, Cover und so weiter. Tatsächlich hat nur ein Mensch angekreuzt, nur ein einziges liebstes Buch zu haben. Auch eine Lieblingsfigur kam nicht aus dem einen oder den mehreren Lieblingsbüchern, die man angeben konnte.

Meine Lieblinge
Drei Bücher zusammengenommen ergeben schon ein gutes Bild meiner Vorlieben. Der Grund für The amazing Maurice and his educated Rodents ist die Geschichte. Es handelt sich um meine Lieblingsstory mit ihren Höhen und Tiefen und dem Ausgang. Die Harry-Potter-Bücher beherbergen meine liebste Welt. Das magische Setting von Hogwarts und der Zauberwelt ist phantastisch und so etwas wie Zuhause. Meine Lieblingsfigur – auch das ist nicht schwer, sondern ziemlich mainstream: Katniss Everdeen. Sie ist wundervoll, gerade weil sie es eigentlich nicht sein will.

Lieblingsbücher sind also schwer zu benennen. Einfacher ist es, Lieblinge in bestimmten Kategorien auszusuchen. Weil es so viele Bücher gibt, ist das vielleicht auch der sinnvollere Weg. Viele Bücher sind spannend und bringen mich zum Weinen. Harry Potter und Maurice habe ich mehrfach gelesen, Panem nur einmal. Maurice besitze ich auf zwei Sprachen, Harry nicht. Aber sie alle haben mich auf ihre eigene Art und Weise berührt. So wie Menschen auch positive und negative Eigenschaften haben, weist jedes Buch gute und weniger gute Aspekte auf.

Was haltet ihr davon? In welcher Kategorie könnt ihr eure Lieblinge benennen?

26. April 2018

Hogwarts Mystery: Die Zauberwelt in einer App

Seit gestern ist das Spiel Harry Potter: Hogwarts Mystery als App für Android und iOs verfügbar. Ich, Potterhead, habe es sofort runtergeladen und ausprobiert. Bisher habe ich ungefähr 50 Minuten gespielt und gebe euch hier meinen ersten Eindruck :-)

Hier geht's zur offiziellen Seite und zum offiziellen Youtube-Video, in dem ihr ein paar Inhalte sehen könnt.

Als Erstes ist mir die tolle Grafik aufgefallen. Alles bunt und in 3D und mit süßen Details. Das Spiel startet sofort und ohne Vorwarnung mit Professor McGonagall, die den Spieler informiert, dass er in Hogwarts aufgenommen wurde. Ich hatte mich gar nicht richtig hingesetzt, da war ich schon aufgenommen. Dann geht es aber etwas langsamer voran und ich habe einen detaillierten Avatar erstellt, mit Nase und allem Drum und Dran. Und dann ging es richtig los.

In der Winkelgasse lernt der Spieler die Mechaniken der App. Während ich Schulutensilien einkaufte und Tipps von einer anderen Schülerin bekam, lernte ich, die richtigen Dinge anzutippen, Räume zu erkunden und wie Zaubersprüche funktionieren. Die Steuerung ist sehr intuitiv und es kann gar nichts schief gehen.

Und dann geht es nach Hogwarts. Der Sprechende Hut wird aufgesetzt und dann darf man sich sein Haus aussuchen. Zumindest glaube ich das, denn der Hut hat mich nach meinem Wunschhaus gefragt und ich wurde dort hinein sortiert: Gryffindor ;-) Ja, ich bin ein Gryffindor und stehe dazu.

Während sich der Avatar in der Zauberwelt einlebt, lernt der Spieler die Story des Spiels kennen. Das Ganze spielt kurz nachdem Harry Potter als Baby den Angriff von Voldemort abgewehrt hat. (Was theoretisch ja nicht ganz passt. Das war an Halloween und das Schuljahr startet im September. Aber nun ja, so können wir das einordnen.) Hogwarts ist also das, wie wir es aus den ersten Büchern kennen: Dumbledore ist Schulleiter und die Lehrer sind auch dieselben. Mein Avatar hat aber seine eigene Geschichte. Mein Bruder war vor mir in Hogwarts und auf der Suche nach Versteckten Verliesen, bis er von der Schule geworfen wurde. Direkt zu Anfang werde ich mit Vorwürfen konfrontiert, dass ich ja nicht anders sein könne und nur Ärger bringen würde. Und was ist dran an dem Gerücht, dass mein Bruder zu Voldemort übergelaufen sei?

Neben den Abenteuern und Geheimnissen muss aber wie in den Büchern der Unterricht bestritten und der Hauspokal gewonnen werden. Der Spieler lernt Zaubersprüche, bei denen er verschiedene Muster mit dem Finger nachzeichnet (erinnert mich an die PC-Spiele), mischt Zaubertränke und lernt das Besenreiten. Eine der Mechaniken (bisher) ist es, blau umrandete Dinge anzutippen. Für eine bestimmte Anzahl von Berührungen verdient man Sterne. Durch die Sterne meistert man die Aufgabe. Allerdings verbraucht jedes Tippen Energie.

Der Energieverbrauch ist etwas, das das Spiel interessant und uninteressant macht. Der Energiebalken lädt sich mit der Zeit wieder auf, auch wenn die App geschlossen ist. Es kann also sein, dass man mitten in einer Aufgabe warten und das Handy zur Seite legen muss. Stattdessen kann man per in-App-Kauf neue Energie kaufen. So verdienen die Macher also Geld. Man kann das aber auch positiv sehen, brav warten und sich denken, dass der Spielspaß so viel länger anhält. Bisher war es das Einzige, was mich dazu gebracht hat, das Spiel zu unterbrechen.

Zu verschiedenen Momenten sind Entscheidungen vom Spieler gefragt. Aus zwei oder drei Antwortmöglichkeiten wählt man die seiner Meinung nach passende. Das Spiel erweckt den Eindruck, dass man den Ablauf dadurch beeinflusst und so einige Begebenheiten wären bei anderen Entscheidungen vielleicht nicht passiert. Ob das tatsächlich so ist, erfahre ich erst, wenn ich mit anderen verglichen habe, was bei ihnen passiert ist.

Neben der Energie gibt es weitere zusätzliche Dinge: Der Spieler sammelt Punkte in Mut, Empathie und Wissen. Manche Entscheidungen, die man trifft, werden überhaupt erst wählbar, wenn man bei diesen drei Fähigkeiten genügend Punkte gesammelt hat. So hatte ich nicht genügend Mut, um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, und musste mich mit einer Mitschülerin duellieren.

Der Avatar schließt im Laufe der Schuljahre in Hogwarts Freundschaften. Diese müssen aktiv verbessert werden und bringen dem Spieler Hilfe bei Abenteuern. Das finde ich eine spannende Idee.

Gut gefällt mir auch, dass man zwar einer Geschichte folgt und immer einen bestimmten Raum für den nächsten Step aufsuchen soll. Trotzdem kann man die einzelnen Räume und Gegenden besuchen und quasi durch Hogwarts streifen.

Den Charme der Bücher erreicht die App natürlich nicht. Das haben ja schon die Filme nicht, also wäre das wohl etwas viel erwartet. Die Story kommt lange nicht an die Romane heran, die Dialoge sind einfach und stereotypisch. Aber mehr verlange ich von diesem Spiel auch nicht. Das magische, mystische Kribbelgefühl bleibt bisher noch aus, doch warten wir mal ab.

Insgesamt gefällt mir das Spiel sehr gut und ich bin ganz aus dem Häuschen, in Hogwarts zu sein! Ständig schaue ich nach, ob die Energie wieder aufgeladen ist, um weiterzumachen. Durch die Zeit, in der es spielt, fühlt man sich wie Zuhause, mit all den bekannten Lehrern und natürlich auch Hagrid. Es macht Spaß, eine neue Geschichte in der Zauberwelt durchzuspielen. Insgesamt ist das Spiel bisher relativ einfach (auch wenn ich manche Fähigkeiten noch verbessern muss – ich weiß allerdings noch nicht genau, wie). Man braucht keine zwei Anläufe für eine Aufgabe. Besonders anspruchsvoll waren sie auch nicht ... Trotzdem macht es wahnsinnig viel Spaß! Vielleicht auch, weil ich bisher alles auf Anhieb geschafft habe :-D

Sobald ich das Spiel durchgespielt und das Geheimnis um den verschwundenen Brudder gelöst habe, schreibe ich hier wieder dazu :-) Bis dahin: Spiel Spaß beim Daddeln!

23. April 2018

Welttag des Buches: Buchlinks

Heute ist wieder Welttag des Buches.
Eigentlich reicht ja ein Tag im Jahr gar nicht, um das Lesen zu zelebrieren. Aber trotzdem sind wir froh, dass es diesen Tag gibt. Über Bücher gibt es so viel zu erzählen und zu sagen und zu schreiben.
Heute gebe ich euch eine kleine Zusammenstellung von Links zum Thema Buch und Lesen, die ich interessant finde und die völlig unabhängig voneinander sind:

Die offizielle Seite des Welttags des Buches, mit Lesefest und Live-Stream
Diesjährige Geschichte für die Schulen: „Lenny, Melina und die Sache mit dem Skateboard“
https://www.welttag-des-buches.de

Lovelybooks und das internationale Pendant Goodreads, Portale für Rezensionen und zum Austausch – kennt ihr wahrscheinlich alle ;-)
https://www.lovelybooks.de
https://www.goodreads.com

Der Buchmarkt in Deutschland: Zahlen (für 2016, sowas dauert ja immer ;-))
https://www.buchmesse.de/images/fbm/dokumente-ua-pdfs/2017/buchmarkt_deutschland_2016_63426.pdf

Margaret Atwoods Dankesrede beim Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2017
– wie eine Liebeserklärung an die Buchwelt
https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/1244997/

Ribbonfish: The 7 best book fairs around the world
https://www.ribbonfish.co.uk/blog/7-best-book-fairs-around-world/

The Telegraph: 16 of the world's most beautiful bookshops
https://www.telegraph.co.uk/travel/lists/most-beautiful-bookshops-in-the-world/

Infographic: Banned in the USA
https://visual.ly/community/infographic/education/banned-books-infographic

Mein Lieblingsbuchladen: Strand Bookshop, NYC
https://www.strandbooks.com/

Infographic: Top 10 most read books
http://www.businessinsider.com/infographic-the-top-10-most-read-books-in-the-world-2012-5?IR=T

Infographic: Date a famous author
https://peaceofwriting.com/2016/02/12/going-on-a-date-with-a-famous-author/

Die Reihenfolge der Terry-Pratchett-Romane
https://www.pinterest.de/pin/405535141416263692/

Instagram-Buch-Accounts von Leuten, die ich kenne und mag :-D
library_of_imaginations: https://www.instagram.com/library_of_imaginations/
riesbookshelf: https://www.instagram.com/riesbookshelf/
bookplaits: https://www.instagram.com/bookplaits/
tanged: https://www.instagram.com/tanged/
oasisgirlmd: https://www.instagram.com/oasisgirlmd/


Viel Spaß beim Stöbern und Feiern des Buches und des Lesens :-)


5. April 2018

Ernest Cline: Ready Player One

Arrow Books 2012, first published by Random House 2011, London






Heute kommt Ready Player One in die deutschen Kinos. Grund genug, den Jugendroman im Vorfeld zu lesen und auch zu beurteilen. Als ich vorletzte Woche den Trailer im Fernsehen gesehen habe, musste ich das Buch direkt anfangen.

Direkt zum Spoiler-Post mit weiteren Gedanken

Handlung

2045 ist die Zerstörung der Welt durch Menschen und Klimawandel fortgeschritten. So gut wie alle existierenden Menschen flüchten sich tagtäglich in die virtuelle Welt der OASIS. Dieses Computerspiel ist mittlerweile zu mehr geworden: Dort geht man zur Schule, arbeitet und das reale Bankkonto wurde durch das digitale in dieser Welt ersetzt. Als der Erfinder und Programmierer der OASIS stirbt, vermacht er sein Erbe demjenigen, der sein eingebautes Easter Egg findet. Wer die Hinweise entschlüsselt, wird unfassbar reich und mächtig. Der 18-jährige Wade macht sich auf den Weg. Aber er ist bei Weitem nicht allein. Geldgierige Konzerne wollen die OASIS beherrschen.

Meinung

Die Handlung ist schnell und von der Suche nach den Hinweisen geleitet. Die Story findet hauptsächlich in der OASIS statt und geht nur gelegentlich zurück in die Realität. Wade ist beschäftigt mit Schule, Nachdenken über die Hinweise und Videospiele spielen. Die Geschichte gerät ins Rollen, als er den ersten Hinweis entschlüsselt. Von da an sind alle Spieler und der Antagonist, der machthungrige Konzern IOI, hinter dem Easter Egg her. Die Idee hat mir gut gefallen und ich musste unbedingt wissen, wie es weiter geht. Da auch ich gerne Computerspiele zocke und ein paar angesprochene Filme, Spiele, Serien und Anspielungen im Buch kannte, fühlte ich mich in der Umgebung sehr wohl. Es hat nicht gestört, dass das Online-Game-Universum so erklärt wurde, dass auch jemand ohne geringste Ahnung davon es versteht. Das rechne ich der Geschichte positiv an. Jedoch fielen Wade die Dinge manchmal etwas sehr in den Schoß. Ihm geschehen durchaus sehr viele Zufälle, die ihm auf der Suche helfen. Außerdem wurden die wichtigen Szenen meiner Meinung nach oft schnell abgehandelt und Fragen blieben offen, während an anderen Stellen ganze Absätze lediglich das Cockpit eines Fahrzeuges beschrieben.

Die Hauptfigur Wade ist der typische Held aus Jugendbüchern. Ohne Eltern lebt er bei seiner Tante, die ihn nicht versteht. Er ist arm, aber nett, nicht außerordentlich hübsch und unerfahren beim anderen Geschlecht. Ohne nennenswerte negative Eigenschaften ist sein einziges Ziel, das Erbe zu erlangen und damit alle zu retten. Denn der Antagonist IOI will mit der Macht über die OASIS das Nutzen kostenpflichtig machen und das virtuelle Leben zu wirtschaftlichen Zwecken nutzen. Dafür gehen die Mitarbeiter über Leichen und halten sich nicht an die Regeln, die in dieser Welt gelten. Die Charaktere sind leicht zwischen Schwarz und Weiß aufzuteilen. In dem Genre empfand ich das allerdings selten als schlimm.

Der Stil ist einfach gehalten und sehr flüssig zu lesen. Bis auf ein paar Beschreibungen, die ich übersprungen habe (und das nur am Ende, als es zum Showdown geht und ich ungeduldig wurde), habe ich mich nicht gelangweilt. Ob jemand, der mit Video- und Computerspielen gar nichts am Hut hat, sich in der Geschichte wohl fühlt, kann ich nicht beurteilen. Es wird auf jeden Fall alles erklärt und erläutert. Die Dialoge bleiben auf einer typischen Ebene mit wenig Einfallsreichtum, sind aber nicht unglaubwürdig und passen zu den Jugendlichen.

Das Thema hat mich gefesselt. Die Umgebung einer virtuellen Realität und eine Suche, deren Ende das Leben der Menschen beeinflusst, sind das, was mich die Seiten hat umblättern lassen. Natürlich ist es nicht mit einem Spiel zu vergleichen, es ist ein Buch. Aber der Einfluss eines ganzen Nerd-tums (wie es scheint) verleiht der Geschichte einen großen Reiz. Es werden viele Filme und Spiele angesprochen, die man kennt und die ich auch gut finde. Es geht vor allem um Klassiker aus den 1980er Jahren und ich in meinem Alter (:-D) verstehe das. Ob die jüngeren Leser sich angesprochen fühlen, ist schwierig zu sagen. Eine Kritik an virtuellen Welten könnte auf dieser Grundlage in der Geschichte aufgebaut werden. Der Clash zwischen Realität und Spiel nimmt an manchen Stellen sogar Anlauf. Doch er findet nie statt und die Tatsache, dass die Menschheit sich in der Virtualität verliert, wird ohne positive oder negative Anmerkungen dahingestellt.

Insgesamt gefiel mir also vor allem das Thema und das Setting in Ready Player One. Auch der gut zu lesende Stil und die Suche nach dem Easter Egg führten dazu, dass ich gut durch das Buch kam. Durch die Schwächen – zu viele Zufälle, zu einseitige Figuren und gelegentlich zu viel bzw. zu wenig Beschreibung – ziehe ich zwei von fünf Seifenblasen ab. Auch die Kritik an virtuellen Welten – positiv wie negativ – hätte mehr ausgebaut werden können, vor allem, da sie so aktuell ist.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!