13. Dezember 2016

Ursula Poznanski: Elanus

Ursula Poznanski: Elanus. Loewe Verlag GmbH. Bindlach. 2016







Wie ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und den ganzen Sonntag gelesen habe

Handlung

Der hochbegabte Jona beginnt mit 17 sein Studium an der Franz-Hess-Universtität. Weil er noch minderjährig ist, bringen seine Eltern ihn bei einer Familie unter. Doch seine Ersatzeltern und auch einige Kommilitonen benehmen sich merkwürdig. Jona schickt seine selbstgebaute Drohne los und beobachtet Dinge, die ganz eindeutig verdächtig sind. Und dann tut er etwas sehr dummes. Als ein Dozent tot aufgefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse und Jona gerät in ein Geflecht aus Lügen und Intrigen.




Meinung

Dieser hochspannende Jugend-Thriller hat es in sich. Durch die Drohne, die Jona zu seinen „Opfern“ fliegen lässt, ergeben sich aufregende Erkenntnisse und der Leser erhält Puzzleteile, die es zu einer Lösung zusammenzusetzen gilt.

Die Handlung zeichnet sich durch einen großen Spannungsbogen aus, der immer wieder aufregende Spitzen aufweisen kann. Nicht einen einzigen Satz lang habe ich mich gelangweilt. Die Ausflüge in die Leben der Nebenfiguren und die rätselhaften Ausschnitte aus ihrem Alltag halten den Leser und Jona selbst in Atem. Ich habe mit dem Protagonisten ungeduldig auf die nächsten Flüge gewartet und wollte wissen, was es nur mit den Ereignissen an der Universität auf sich hat – ein toter Lehrer, ein ausweichender Rektor, eine Affäre, ein zwielichtiger Hausmeister. Gleichzeitig tauchen immer mehr Leute in Jonas Umfeld auf, die ihn ganz eindeutig beobachten.

Die Hauptfigur ist hochbegabt und dadurch eventuell etwas schwieriger greifbar. Doch er kämpft mit seinem Sozialverhalten, was die Autorin nachvollziehbar beschreibt. Wenn Jona sich angegriffen oder wütend fühlt, fällt ihm sehr schwer, sich zurückzuhalten. Dann eckt er absichtlich an und erschwert sich sein Leben selbst. Das ist sympathisch, auch wenn man ihn am liebsten zurückhalten würde. Zwar ist er sehr intelligent, doch hat er auch seine Schwächen, die ihn vollständig erscheinen lassen. Die anderen Figuren unterstützen die Handlung gut. Besonders Marlene ist eine interessante Nebenfigur, die ihre eigenen Geheimnisse hütet. Ansonsten bleiben die Figuren ihrem Verhalten treu: Der junge Nachbar ist cool und ihn juckt Gefahr wenig, die „Adoptivschwester“ nervt und die Rüpel sind an der Uni nicht anders als in der Schule.

Das Thema ist, wie immer bei Ursula Poznanski, ein hochaktuelles. Drohnen und die Wahrung der Privatsphäre spielen eine wichtige Rolle und sind neben den Geheimnissen die tragende Kraft des Thrillers. Durch Marlene wird besonders deutlich, dass Jona mit seiner Drohne unerlaubt in das Privatleben fremder Leute blickt, denn sie wehrt sich vehement und verbietet ihm ausdrücklich, sie zu beobachten.

Die kleinen Puzzlestückchen, die der Leser über die Geschichte hinweg bekommt und die schwierig zu einem Ganzen zusammenzusetzen sind, bilden den Stoff, aus dem die Spannung des Romans besteht. Geheimnisvoll, verwirrend und anscheinend undurchblickbar schafft die Autorin es nach Erebos, Saeculum und Layers erneut, den Leser an ihren packenden Jugendthriller zu binden.

Insgesamt ist Elanus deswegen wieder ein sehr gelungener Roman, wie man ihn von Ursula Poznanski gewohnt ist. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, dabei gegenwartskritisch und stilsicher verfasst.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

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