Sonntag, 9. Oktober 2016

Dave Eggers: Der Circle

Dave Eggers: Der Circle. Kiepenheuer und Witsch, Köln. 2015.
Originaltitel: The Circle.

Warum ich die Rezension schwierig finde






Schwierig. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut und hohe Erwartungen hineingesetzt. Ich sollte so etwas wahrscheinlich lassen.

Handlung

Mae fängt neu beim Circle an. Das Unternehmen bietet Onlinetools an wie ein soziales Netzwerk, in dem jeder nur ein einziges Mal mit seiner wahren Identität registriert ist. Über den Account können zum Beispiel auch finanzielle Transaktionen erfolgen. Der Circle geht jedoch noch einige Schritte weiter und versucht, die Transparenz seiner User auf die Realität zu übertragen. Mae steigt rasch auf und dringt immer tiefer in die Pläne des Circle ein.

Meinung

Das Buch lag auf meinem SuB, weil mir die Thematik der Geschichte so gut gefällt: Die Ausmaße, die eine völlige Vernetzung und eine totale Transparenz von Individuen annehmen können, und die Folgen, die damit verbunden sind. Es handelt sich hier quasi um eine Möglichkeit, wie die Dystopien der Zukunft entstehen könnten. Leider hat mich die Lektüre nicht gepackt, ich für meinen Teil konnte die versprochene Spannung nicht finden. Außerdem hat mich die Hauptfigur wahnsinnig gemacht.

Die Handlung plätschert. Große Teile des Buches bestehen aus Gesprächen, in denen die Weisen, die Gründer des Circle, Mae und den anderen Mitarbeitern erklären, aus welchen Gründen und zu welchem Zweck sie bestimmte Werkzeuge zur Verfügung stellen. Dass Wissen über alles, auch jeden einzelnen Menschen, ein allgemeines Gut sei und jeder solle immer und überall über jede Information verfügen können. Auch darüber, wie lange der Nachbar auf dem Klo sitzt, mal flapsig dahergesagt. Vieles erinnert an die Entwicklungen in unserer Welt, Vitalarmbänder, die Körperwerte an die Cloud senden, Menschen, die ständige Status-Updates verschicken, Kommentarfunktionen und Gegenüber, die nach zehn Minuten in Sorge geraten, wenn sie keine Antwort erhalten.

Einige wenige Episoden haben mich bei der Stange gehalten. Der Autor streut ein paar zweifelnde Stimmen ein und die Hoffnung darauf, dass sie eingreifen, hat mich die Seiten umblättern lassen. Denn dass eine völlige Durchsichtigkeit der Menschen nicht anzustreben ist, das steht zwischen den Zeilen außer Frage.

Leider ist die Hauptfigur blind dafür. Müsste ich Mae beschreiben, ich könnte es nicht. Vielleicht noch beeinflussbar und oberflächlich. Ansonsten ist sie einfach da. Das hat mich an dem Buch besonders gestört. Die junge Frau saugt alles auf wie ein Schwamm ohne Filter und ich schüttelte den Kopf über so wenig Reflexion. Die anderen Figuren dienen den einzelnen Standpunkten zum Circle und personalisieren eine totale Befürwortung oder die komplette Ablehnung dessen. Ein Zwischending wäre schön gewesen.

Wer Action mag, kommt hier nicht auf seine Kosten. Im Gegenteil erschien mir der Roman zwischendrin wie eine philosophische Abhandlung, die in eine Geschichte gepresst wurde. Da ich das Thema allerdings interessant finde, habe ich mich in dem Sinne nicht gelangweilt. Eigentlich habe ich die meiste Lesezeit damit verbracht, mich über die Figuren und ihr Verhalten zu ärgern. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass das die Intention des Ganzen ist. Ja doch, es geschehen auch ein paar Dinge, es gibt Handlungen und Geschehnisse und man hat manchmal doch das Gefühl, es bewegt sich vorwärts. Gelegentliche Beschreibungen von Dingen oder Vorgängen sind gut gelungen. Der Leser kann sich Maes Welt gut vorstellen und sich in die Struktur des Circle denken.

Das Thema an sich ist spannend. Es ist leicht, Parallelen zu unserer Gegenwart zu ziehen, in der wir in sozialen Netzwerken unser ganzes Leben öffentlich darlegen. Die Kontrolle von uns und anderen sowie von Wissen und Information findet den Anfang in unserer Lebenswelt und entwickelt sich in dem Buch weiter, bis sie auf die Spitze zugeht. Jemand, der sich mit dieser Thematik befassen möchte, liegt mit diesem Buch nicht unbedingt falsch. Allerdings muss man sich mit wenigen Gegenparts begnügen, die am Konzept zweifeln. Die sind dabei übrigens nicht sehr subtil.

Insgesamt – wie gesagt, schwierig. Sehr interessante Themen und Gedanken, spannende Ideen, durch die unsere Welt ziemlich unangenehm werden könnte. Auch das Unternehmen Der Circle ist gut ausgearbeitet. Die Geschichte an sich hätte für meinen Geschmack aber noch eine große Portion Pfeffer vertragen. Mae auch.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!

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