Sonntag, 26. Juli 2015

Veronica Roth: Divergent – Die Bestimmung



Veronica Roth: Divergent – Die Bestimmung (cbt: 2012)
Originaltitel: Divergent (Katherine Tegen Books: 2011)

erster Teil der Divergent-Trilogie
zum zweiten Teil: Insurgent 
zum dritten Teil: Allegiant

Wie ein Buch so wenig meine Erwartungen erfüllte und trotzdem gut war



Dieses Buch habe ich mir (auch) als Mitbringsel in San Francisco gekauft und muss bei seinem Anblick an den Nachmittag im Auto denken, den ich mit einer Freundin verbrachte im Warten auf den Flug zurück nach Deutschland, jeder in sein Buch vertieft. Ich finde es schön, wenn man Bücher und Geschichten mit Orten und Gegebenheiten verbindet. Sie beinhalten dann sogar noch die eigenen Erinnerungen. Demnach habe ich es auch auf Englisch gelesen und war bei einem Vergleich doch verwirrt, dass die factions, die Fraktionen, auf Deutsch ganz anders heißen: Abnegation, Amity, Candor, Dauntless und Erudite werden zu Altruan, Amite, Candor, Ferox und Ken. Nun gut.

Handlung
Die Handlung spielt in der Zukunft in Chicago und die Gesellschaft ist in die genannten Fraktionen eingeteilt, die jeweils einen bestimmten Charakterzug eines Menschen hervorheben: Altruan sind wie ihr Name sagt altruistisch, sie kümmern sich ausschließlich um andere. Die Amite sind die fröhlichen Feldarbeiter, Candor sagen immer die Wahrheit, die Ferox sind die mutigen Beschützer und die Ken horten Wissen und Forschen. Die 16-jährige Hauptfigur Tris muss sich in einer Zeremonie entscheiden, ob sie weiterhin zu den Altruan gehören oder sich eine neue Fraktion aussuchen will. In einem Test über ihre Eigenschaften wird klar, dass sie unbestimmt ist, divergent, was ein sehr seltenes Phänomen ist und was Tris niemand anderem anvertrauen darf. Sie entscheidet sich für die Ferox und muss fortan mehrere Prüfungen bestehen, um endgültig in die neue Fraktion aufgenommen zu werden.

Von einem dystopischen Zukunftsjugendroman habe ich in einem ersten Teil mehr erwartet, als das Buch halten konnte. Der Plot hat mich enttäuscht, denn es passierte eine lange Zeit nicht viel, was meinen Wunsch nach Gesellschaftskritik oder einer Selbstreflexion der Figur erfüllt hätte. Dennoch las ich es runter und die Charaktere sind mir sympathisch. Tris ist mutig, spielt sich jedoch nicht in den Vordergrund. Sie erscheint im Gegensatz zu vielen anderen Figuren vielschichtig, was auch der Handlung geschuldet sein könnte, denn sie vereint die Charakterzüge mehrerer Fraktionen in sich anstatt nur einer. Dadurch erscheinen die Menschen um sie herum manchmal etwas flach, oft sind sie lediglich altruistisch oder der Fokus liegt darauf, dass sie nur die Wahrheit sagen. Ich bin auch bis heute unsicher, wie ich die Idee der Fraktionen finde. Es entzieht sich meinem Verständnis, wie so viele Personen nur eine der fünf Eigenschaften ausgeprägt haben können. Andererseits unterstreicht das den negativen Zukunftscharakter, den die futuristische Welt als Dystopie darstellt.

Die Handlung lässt lange Zeit keine kritische Auseinandersetzung der Figur mit seiner Lebenswelt zu, stattdessen begleitet der Leser Tris bei ihrem Streben und muss sich damit zufrieden geben, dass sie tut, was man ihr sagt. Dennoch ist die Geschichte in sich stimmig und es passieren eine Menge spannende Dinge, die meine Aufmerksamkeit gefesselt haben.
Es gibt viele kleine Details, die zwischendurch auftauchen und Personen und die Umgebung beschreiben. Wie die Aufmerksamkeit des Lesers gelenkt wird, lässt neue Einblicke in die Figuren zu und führt durch ihre Gedanken. Der Stil ist nicht kompliziert und hebt die wichtigsten Aspekte hervor.
Zusammenfassend ist Die Bestimmung eine spannende Geschichte, die man zum Abschalten gut lesen kann. Der Leser kann mit den Figuren fühlen und sich in die erfundene Welt versetzen. Als Urlaubs- oder Ferienlektüre eignet sich das Buch sehr gut und ich habe mir auch direkt den zweiten Teil gekauft, weil ich dann doch wissen wollte, wie es weiter geht.

Weitere Gedanken zu dem Buch: Achtung, Spoiler!

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