Freitag, 18. September 2015

Kiera Cass: Selection – die Elite



Kiera Cass: Selection – die Elite. S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt a.M. 2014.
Originaltitel: The Elite. Published by arrangemant with Kiera Cass.

Zweiter Teil der Selection-Reihe
Zum ersten Teil: Selection
Zum dritten Teil: Der Erwählte

Enthält Spoiler zum ersten Teil

Wie mich dieser Teil weiter auf die Folter spannt und auf den nächsten hoffen lässt

Ich hatte mir nach dem ersten Teil sehr viel vom Folgeband erwartet. Nach den Andeutungen, die über das Casting hinausgehen und die Politik sowie die Geschichte des Landes betreffen, und nach den Rebellenangriffen war für mich klar, dass diese Themen in der nahen Zukunft tiefergehend beleuchtet werden würden. Doch da hatte ich (teils) falsch gedacht. 

Handlung
America Singer ist immer noch im Wettstreit um Prinz Maxon und mit ihm um die Krone von Illeá. Die übrigen Mädchen wurden bereits zum Ende des ersten Buches auf die sechs letzten, die Elite, reduziert. Die Geschichte schließt relativ nahtlos an den ersten Band an und die Hauptfigur kämpft weiterhin mit ihren Gefühlen für die beiden jungen Männer. Ein paar spannendere Dinge geschehen, die nicht das Casting, sondern das Königshaus beziehungsweise das Land betreffen, und bringen die Handlung in Schwung. Doch auch der Wettstreit wird nun schwieriger gestaltet und die Mädchen erwarten einige kompliziertere Aufgaben.

Nachdem ich nach dem ersten Teil auf politische Auseinandersetzungen oder Erklärungen gewartet hatte oder auf weitere Hinweise darauf, woher die Armut und der Unmut des Landes kommen, wurde ich zunächst enttäuscht. Das Casting um Maxon und die Krone Illeás geht direkt weiter und ergeht sich teils in Oberflächlichkeit, teil in Americas Zerrissenheit zwischen Maxon und Aspen. Es sind nur noch sechs Mädchen übrig, doch weil die anderen 29 im vorigen Buch relativ unscheinbar waren, lässt sich hier keine Steigerung feststellen.

Die Handlung hat im Rückblick einige Höhepunkte, die vom Casting ablenken und das Leben sowie die Gesetze und Schwierigkeiten Illeás darstellen. Doch in Americas Gedanken scheinen diese Ereignisse kaum Eingang zu finden, sie bezieht sie immer auf den Wettbewerb oder lässt sich von ebendiesem wieder völlig einnehmen. Natürlich ist es dieser Wettbewerb, der ihren Alltag und ihr Streben darstellt. Doch ich hätte mich wirklich gefreut, wenn in diesem Teil Casting und Regierung weiter getrennt würden. Auf die Art und Weise ist es für mich keine Dystopie, sondern eine nett verpackte Bachelor-Show, die zwischendurch von äußeren Umständen kurz unterbrochen wird.
Dennoch habe ich auch dieses Buch in wenigen Stunden runtergelesen und war aus irgendeinem Grund fasziniert von der Geschichte. Es geschieht immer was, es wird nicht langweilig, stattdessen trabt der Plot weiter auf einer Straße, deren Ende in den nächsten Bänden steckt. Americas Gedanken sind nachzuvollziehen und auch ihr Zwiespalt ergibt Sinn aufgrund der Dinge, die sich begeben. Zwischendurch gibt es definitiv Handlungsstränge, die sich mit sozialen oder politischen Aspekten beschäftigen und aufzeigen, dass in Illeá nicht alles bestens läuft. Sie hätten nur deutlicher hervortreten und für mich losgelöster sein können vom Casting.

Insgesamt hat sich das Buch also ein klein wenig gesteigert, was meine Erwartungen an dystopische Literatur betrifft – das Aufzeigen von Missständen, hervorgerufen durch eine unsoziale Regierung. Doch weil die Ich-Erzählung gar nicht aus dem Casting-Alltag heraustritt und jeder Konflikt in Americas Gefühlslage bezüglich Maxon mündet, hat mir der zweite Teil nicht so gut gefallen wie der erste. Ich werde aber die Folgebände noch lesen und hoffe, dass meine Wünsche an den Plot dort vielleicht etwas mehr realisiert werden. Davon abgesehen ist es schon spannend, für wen America sich wohl entscheiden wird ;-)

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!


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