Sonntag, 13. September 2015

Kiera Cass: Selection



Kiera Cass: Selection. S. Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M. 2013.
Originalausgabe: The Selection. First published by Harper Teen. 2012.

Erster Teil der Trilogie
Zum zweiten Teil: Die Elite
Zum dritten Teil: Der Erwählte

Wie ich für die Lektüre nur einen Tag brauchte

Ich hatte viel Gutes über diese Trilogie gehört, die meisten der Instagram-Accounts, denen ich folge, haben auch ein Bild von diesen Büchern gepostet. Eigentlich wollte ich mich weigern, weil mir die Beschreibung überhaupt nicht gefiel. Das „Bachelor-mäßige“ Casting schreckte mich ab, genau wie eine klischeehafte Lovestory. Ich bin froh, dass ich die Geschichte dennoch gelesen habe, denn sie ist bei Weitem nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Stattdessen habe ich es verschlungen.

Handlung
In einem Zukunftsszenario ist das Land Illeá, das im heutigen Nordamerika angesiedelt ist, in 35 Provinzen um das herrschende Königshaus herum eingeteilt. Die Menschen ihrerseits leben in acht Kasten, vom Königshaus in der ersten Kaste hinunter bis zu den Obdachlosen in der achten. America Singer, die jugendliche Hauptfigur, gehört der fünften Kaste an. Als im ganzen Land ein Casting für Mädchen zwischen 16 und 20 ausgerufen wird, dessen Gewinnerin die Frau vom Kronprinzen Maxon werden soll, bewirbt sich America auf Drängen ihrer Mutter und ihres heimlichen Freundes Aspen. Wider Erwarten wird sie die Auserwählte ihrer Provinz und muss fortan im Palast gegen 34 andere Teilnehmerinnen um den Sieg kämpfen.

Wie bereits geschrieben, ich habe schlimmste klischeehafte Liebesschnulzen und oberflächliche Dialoge erwartet. Zu Anfang fürchtete ich meine Erwartungen bestätigt, doch im Verlauf der Handlung wurden sie widerlegt. Da die Geschichte aus der Sicht der jugendlichen America Singer geschrieben ist, werden die Welt und der Wettkampf durch ihre Brille dargestellt. In ihrem Leben zählen ihre heimliche Liebe zu Aspen sowie ihre Familie und deren Probleme, die zugegebenermaßen nicht so schlimm sind wie die anderer. Sie weiß nichts über die politischen Entscheidungen, die im Königshaus getroffen werden. Von daher entdeckt der Leser die Welt mit ihr und erfährt wie sie selbst erst nach einiger Zeit, dass es sowohl im Casting als auch in der Gesellschaft Aspekte gibt, die zuvor ungeahnt blieben. Ich habe mich wirklich gefreut, dass tatsächlich nach dem Geschichtsunterricht Fragen und Probleme auftauchen, die sich nicht auf einzelne Figuren sondern das Land beziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Themen in den Folgebänden noch eine größere Rolle spielen, und das finde ich sehr gut.

Die Hauptfigur America ist sympathisch und lässt sich von ihren Gefühlen leiten. Sie möchte ihrer Familie helfen, doch sie ringt damit, endlich ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Ihre offene und ehrliche Art gefällt mir gut. Bis auf den Prinzen bleiben die anderen Figuren eher unscheinbar in ihren jeweiligen primären Charakterzügen verhaftet. Die Mutter ist überschwänglich bevormundend, der Vater ruhig und die liebste Casting-Konkurrentin Marlee lieb. Doch sie agieren miteinander und unterstützen die Handlung. Diese sieht im Nachhinein im Überblick gar nicht so spektakulär aus, doch das ist mir beim Lesen nicht aufgefallen. Auf keiner Seite habe ich mich gelangweilt, es geschehen immer neue Sachverhalte und Situationen, besonders in den Beziehungen zwischen den Charakteren. Action findet weniger statt, doch neben den anderen Entwicklungen hat sie mir nicht gefehlt. 

Zusammengefasst hat mich dieses Buch wirklich gefesselt, weil ich immer unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Zwar findet die im Klappentext angekündigte Liebesgeschichte an allen Ecken und Enden statt, doch tieferschürfende beziehungsweise allumfassendere Probleme im Staatsapparat werden langsam eingeführt und finden hoffentlich in den weiteren Bänden noch mehr Beachtung. Die Handlung ist flüssig, die Figuren passen wie ein Puzzle zusammen und der Schreibstil ist locker leicht.

Weitere Gedanken zum Buch: Achtung, Spoiler!


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